Kandidatin Antje Schulte-Schoh (SPD) Aus Atter in die Bundespolitik

Mit Politik im Kleinen hatte sie ihre ersten Erfolgserlebnisse. Jetzt will Antje Schulte-Schoh in den Bundestag. Foto: David EbenerMit Politik im Kleinen hatte sie ihre ersten Erfolgserlebnisse. Jetzt will Antje Schulte-Schoh in den Bundestag. Foto: David Ebener

Osnabrück. Politik kann etwas bewegen – das ist die Lektion, die Antje Schulte-Schoh gelernt hat. Zum ersten Mal, als sie sich für einen Hort in Atter engagierte und dann immer wieder. Jetzt will die 53-jährige Altenpflegerin in die große Politik. Als SPD-Kandidatin tritt sie bei der Bundestagswahl an.

„Zu mir nach Hause ?“ Die SPD-Frau ist empört: „Was meinen Sie, wie es hier aussieht? Ich arbeite Vollzeit und habe keine Putzfrau!“ Ein paar Tage später hat sie es sich anders überlegt. „Wir haben ja nichts zu verbergen“, bekundet sie fröhlich, als sie das Redaktionsteam in der tiptop aufgeräumten Wohnung empfängt.

Immergrüner Garten

Dafür erweckt der Garten um das 50er-Jahre-Haus den Anschein, als sei der Kampf gegen den Giersch für immer verloren. „Ich sage, das ist Immergrün“, tröstet sich die Kandidatin und gesteht, sie hätte lieber einen Gärtner als eine Putzfrau. Antje Schulte Schoh und ihr Mann Harald leben mit ihrer Berner-Sennen-Golden-Retriever-Mischung Lotte in der Strothe-Siedlung in Atter, die 20-jährige Tochter ist schon ausgezogen. Im Obergeschoss wohnt eine Flüchtlingsfamilie aus Somalia.

Atter ist für die geborene Detmolderin das Biotop, in dem sie Wurzeln geschlagen hat. Als die kleine Familie 1999 ein Haus suchte, wurde sie dort fündig, ohne lange zu suchen. Dass die damalige Grundschulleiterin einen Hort für überflüssig hielt, machte die Neu-Atteranerin Antje Schulte-Schoh zur Kämpferin. Sie fand in Ortsbürgermeisterin Anne Fitschen eine Bündnispartnerin und hatte Erfolg: Rechtzeitig zur Einschulung ihrer Tochter nahm der Hort seine Arbeit auf.

Pflege-Notstand

Etwas später, als der Bücherbus kaputtgespart zu werden drohte, legte sich die engagierte Mutter abermals ins Zeug. Und der Bücherbus blieb. Antje Schulte-Schoh trat der SPD bei – eine Entscheidung, die ihr in der Familie aus dem „roten Detmold“ vielleicht schon in die Wiege gelegt wurde, wie sie bemerkt. Seit zwei Jahren ist sie Unterbezirksvorsitzende in Osnabrück.

Als Leiterin einer Seniorenwohnanlage liegen ihr die sozialen Themen am Herzen, schon allein, weil sie jeden Tag mit den Unzulänglichkeiten des Pflegesystems in Berührung kommt. „Für Pflegende und Pflegebedürftige wird zu wenig getan“, sagt Antje Schulte-Schoh, dazu komme noch der Fachkräftemangel. Falls sie den Sprung in den Bundestag schafft, will sie sich mit ihren Erfahrungen für ein besseres Pflegestärkungsgesetz einsetzen.

Mit Platz 26 auf der Landesliste sind ihre Chancen auf ein Mandat allerdings nicht gerade verheißungsvoll. Entweder müsste sie ihrem CDU-Mitbewerber Mathias Middelberg das Direktmandat im Wahlkreis 39 abjagen, oder die SPD müsste landesweit ein besseres Ergebnis einfahren als vor vier Jahren. Doch davon lässt sich Antje Schulte-Schoh nicht bange machen. Sie hat schon öfter erlebt, dass Engagement Wunder bewirken kann und dass sich manchmal auch das notwendige Quentchen Glück dazugesellt.

Neuer Job für den Ehemann

Dazu gehört die Erfahrung, dass sich selbst in schwierigen Zeiten gelegentlich ein Weg findet, wenn der gute Wille da ist. Die SPD-Politikerin hat auch privat schon einiges einstecken müssen: „Mein Mann war fast anderthalb Jahre arbeitslos“, erzählt sie, und beschreibt, was das für ihn bedeutet hat: „Wenn man über 50 ist, kann man Bewerbungen schreiben, so viel man will, aber man wird nicht mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen“. Harald Schulte-Schoh hatte seine sicher geglaubte Anstellung als Techniker bei der Telekom verloren, als die Abteilung von einem privaten Investor übernommen wurde.

Für die Familie aus Atter wurde es eng, schließlich musste das Häuschen abbezahlt werden. Ehefrau Antje, die bis zu dem Zeitpunkt 30 Stunden gearbeitet hatte, stockte auf 40 Stunden auf. Und schließlich konnte sie ihrem Mann durch ihre Kontakte zu einem neuen Job verhelfen – als Rettungssanitäter bei den Johannitern. Bei ihren 40 Stunden ist sie geblieben.

Die Kandidaten für die Bundestagswahl der Stadt Osnabrück (Wahlkreis 39) im Porträt:

Die Kandidaten für die Bundestagswahl im Wahlkreis Osnabrück-Land (Wahlkreis 38) im Porträt:


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