Olaf Tank bleibt straffrei Verfahren gegen Abofallen-Anwalt eingestellt

Von Wilfried Hinrichs

Teures Angebot: Mit Seiten wie dieser zogen clevere Geschäftemacher Internetnutzern das Geld aus der Tasche. Archivfoto: Klaus LindemannTeures Angebot: Mit Seiten wie dieser zogen clevere Geschäftemacher Internetnutzern das Geld aus der Tasche. Archivfoto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Das Landgericht Landshut hat das Strafverfahren gegen den früheren Osnabrücker Anwalt Olaf Tank eingestellt. Er stand im Verdacht, in das zweifelhafte Geschäft mit Internet-Abofallen verstrickt gewesen zu sein.

Die mögliche Schuld des Angeklagten erscheine nach Durchführung einer längeren Hauptverhandlung und unter Berücksichtigung umfangreichen Nachermittlungen gering, heißt es im Beschluss der 3. Strafklammer des Landgerichts Landshut. Ein öffentliches Interesse an einer Strafverfolgung bestehe nicht mehr. Das Verfahren werde daher mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft und des Angeklagten eingestellt. Die Kosten des Verfahrens und die Auslagen des Angeklagten trägt die Staatskasse.

Vor dem Landgericht Landshut hatten sich drei Betreiber von zweifelhaften Internetseiten und ihr Geldeintreiber Tank wegen Betruges oder Beihilfe zum Betrug verantworten müssen. Auch die Verfahren gegen die Seitenbetreiber wurden inzwischen eingestellt. Die Angeklagten hatten die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Olaf Tank gab zu Protokoll, keinen Einfluss auf die Gestaltung der Internetseiten gehabt zu haben. Sein Job sei allein das Inkasso gewesen. Er berief sich auch auf ein Urteil einer Zivilkammer des Landgerichts Osnabrück, die 2013 die Inkassoschreiben und den Betrieb der Seiten als rechtens bewertet hatte. Die Einstellung des Verfahrens nahm Tank zufrieden zur Kenntnis, kommentieren wollte er den Beschluss auf Anfrage unserer Redaktion nicht.

Hohe Kosten, keinen Nutzen

Die Taten, die dem Quartett vorgeworfen wurden, entstammen einem früheren Internetzeitalter. Mit Internetseiten wie „opendownload.de“ oder „softwaresammler.de“ köderten die Betreiber 2008 bis 2010 unaufmerksame User, die kostenlose Computerprogramme herunterladen wollten. Mit der Angabe der persönlichen Daten schlossen die Nutzer ein Zweijahres-Abonnement zum Preis von 96 Euro ab. Der Nutzen für die Abonnenten war gleich null, denn die dort angebotenen Programme waren ohnehin kostenfrei im Internet erhältlich. Das Landshuter Gericht sah es nicht als erwiesen an, dass die Betreiber die Nutzer gezielt in die Irre geführt und den Kostenhinweis auf unlautere Weise versteckt hatten.

80 Mitarbeiter in Osnabrück

Olaf Tank verschickte millionenfach Mahnschreiben an die angeblichen Abonnenten. Tausende wurden dadurch so eingeschüchtert, dass sie die Abo- und Anwaltsgebühren von 135 Euro zahlten. In besten Zeiten beschäftigte Tank nach eigenen Angaben bis zu 80 Mitarbeiter in seiner Osnabrücker Kanzlei in Hellern zum Verschicken der Mahnungen. In der Anklage der Staatsanwaltschaft Landshut war von 1,6 Millionen Mahnschreiben die Rede. 25 800 Empfänger zahlten demnach jeweils die geforderten 135 Euro und spülten 3,5 Millionen Euro auf die Konten der Abzocker.

Ganz aus dem Schneider sind die Seitenbetreiber und ihr früherer Anwalt noch nicht. Das Landgericht Darmstadt hat im April 2012 Anklage gegen das Quartett zugelassen. Seither ist nichts geschehen. Andere Verfahren hatten Priorität. Wann das Haupotverfahren eröffnet wird, ist völlig ungewiss: „Es gibt keine neuen Entwicklungen“, teilte der Gerichtssprecher auf Anfrage mit.