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Neue Nordamerika-Landschaft Kranke Bäume im Osnabrücker Zoo werden gefällt


Osnabrück. Wenn in den kommenden Wochen der erste Teilbereich der neuen Nordamerika-Landschaft im Osnabrücker Zoo öffnet, wird es an einigen Stellen etwas lichter sein. Hintergrund: Vor allem aus Sicherheitsgründen wurden bereits rund 70 Bäume gefällt, weitere sollen folgen.

Momentan laufen im ersten Bauabschnitt der etwa vier Hektar großen Fläche im östlichen Teil des Zoos die letzten Arbeiten, damit noch im Spätsommer Wolf, Schwarzbär und Bison von oben bestaunt werden können: In der „Manitoba“ getauften Tierwelt führt ein Holzpfad auf Stelzen über die Freigehege der Tiere hinweg. Gesäumt wird der Weg von einem dichten Baumbestand vornehmlich aus Buchen.

Die Arbeiten für die neue Landschaft hat der Zoo in den vergangenen Monaten genutzt, um in der Fläche „aufzuräumen“, wie es Angelika Mösche vom Baubüro Drecker ausdrückt, das die Nordamerika-Landschaft plant. Die ursprünglich mehr als 500 Bäume im östlichen Bereich des Zoos seien über einen längeren Zeitraum nicht kontrolliert worden, nicht wenige drohten wegen Pilz- und Krankheitsbefall umzufallen. Nach einer ersten Kontrolle durch einen Baumsachverständigen seien im Frühjahr rund 70 Bäume gefällt worden, die meisten aus Gründen der Verkehrssicherheit, wie Zoo-Sprecherin Lisa Josef betont.

Mehr als 300 Bäume im Baumkataster

Für die verbliebenen Bäume des „Manitoba“-Geländes hatte der Zoo ein Baumkataster in Auftrag gegeben. Jeder Baum bekam in den vergangenen Wochen eine eigene Nummer und ist nun mit verschiedenen Daten, Krankheiten und Besonderheiten erfasst. Baumexperte Jan-Tobias Welzel nahm dafür jedes einzelne der mehr als 300 Exemplare im ersten „Manitoba“-Bauabschnitt unter die Lupe, protokollierte die Baumgröße, den Stammdurchmesser und aktuellen Zustand des Baumes. Dabei wurde klar: 17 weitere Bäume müssen weichen, weil ihre Standsicherheit nicht mehr gegeben ist beziehungsweise sie als Ausbruchsmöglichkeit für Tiere gelten. So ragen zwei Vogelkirschen über den Zaun der künftigen Wolfsanlage hinaus – das Hinaufklettern ist kein Problem für die Tiere.

Da die Fällung der kranken Bäume aus Sicherheitsgründen keinen Aufschub mehr duldet, musste der Zoo eine gesonderte Genehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde beantragen: Grund dafür ist das sogenannte Schnittverbot, das laut Naturschutzgesetz Baumarbeiten in der Brutzeit von Vögeln untersagt. Schon in der kommenden Woche fallen die ersten Bäume, dazu wird am 8. und 9. August der Weg außerhalb des Zoos an der Ostseite gesperrt.

60.000 Euro für neue Bäume

Zu schaffen machen vielen Bäumen vor allem holzzersetzende Pilze wie der Brandkrustenpilz, der sich über einen längeren Zeitraum in den Stamm des Baumes frisst und schließlich an der Standfestigkeit nagt. In die Nachpflanzung von 40 bis 60 neuen Bäumen will der Zoo in Zukunft rund 60.000 Euro investieren. „Die Bäume und der Waldcharakter machen die besondere Atmosphäre des Osnabrücker Zoos aus“, sagt dessen Geschäftsführer Andreas Busemann. „Ohne den Wald wäre der Zoo nur halb so attraktiv. Die Bäume sind zudem Lebensraum für viele Tiere, weshalb das Thema für uns ganz wichtig ist.“ Das in der „Manitoba“-Landschaft begonnene Baumkataster soll in den kommenden Jahren auf den gesamten Bereich des Zoos ausgedehnt werden, sagt Busemann. Ziel sei es, den Baumbestand noch besser zu pflegen und weiterentwickeln zu können.

Zwei Bauabschnitte

Baumexperte Jan-Tobias Welzel hat ein Baumkataster für den Nordamerika-Bereich des Osnabrücker Zoos erarbeitet. Foto: Hermann Pentermann

Neben den Fällarbeiten lässt der Zoo noch weitere Maßnahmen am Baumbestand vornehmen. So werden 31 Bäume vornehmlich an den Kronen beschnitten, um sie weniger angreifbar für Windböen zu machen. Außerdem werden entlang der Bäume Wurzelschutzplatten verlegt, um die Basis der Pflanzen zu erhalten. Der erste Abschnitt der Nordamerika-Landschaft soll noch im Spätsommer eröffnet werden. Zu sehen sind dann unter anderem Bären, Wölfe und Bisons. Der zweite Bauabschnitt soll im Frühjahr 2018 fertig sein.


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