Senioren als Schulmediatoren Pilotprojekt an der Möser-Realschule in Osnabrück

Von Jann Weber

Vor dem Pilotprojekt: Markus Gerling, Schulleiter der Möser-Realschule (von links), Heide Hackenberg und Günter Kasten vom Verein „Seniorpartner in School“ und Rita Feldkamp von der Landesschulbehörde freuen sich auf ehrenamtliche Schulmediatoren. Foto: Michael GründelVor dem Pilotprojekt: Markus Gerling, Schulleiter der Möser-Realschule (von links), Heide Hackenberg und Günter Kasten vom Verein „Seniorpartner in School“ und Rita Feldkamp von der Landesschulbehörde freuen sich auf ehrenamtliche Schulmediatoren. Foto: Michael Gründel

Osnabrück . „Seniorpartner in School“ heißt ein Verein, der 2001 in Berlin gegründet wurde und jetzt erstmals in Osnabrück tätig wird. Der Plan: Wer aus dem Berufsleben ausgeschieden ist und mindestens 55 Jahre alt ist, kann sich kostenlos zum Schulmediator ausbilden lassen und verpflichtet sich, zwei Jahre ehrenamtlich an der Möser-Realschule in Konflikten zu vermitteln.

Senioren helfen Jugendlichen – so lässt sich eine Reihe von Leitgedanken des Vereins „Seniorpartner in School“ zusammenfassen. Seitdem sich 2008 auch der Landesverband für Niedersachsen gegründet hat, sind in Niedersachsen mehr als 250 Senioren hauptsächlich an Grund- und Realschulen als Mediatoren tätig – mit Erfolg, wie Rita Feldkamp von der Landesschulbehörde feststellt: „Wir schätzen das Projekt.“ Nun soll es auch in Osnabrück Fuß fassen. Den Anfang soll die Möser-Realschule machen.

„Ein Hauptproblem ist Ausgrenzung“

Die Mediatoren vermitteln in Konflikten vielerlei Art, von A wie Angst bis Z wie Zensuren. Dazwischen befinden sich Beleidigungen, Gewalt und Kummer. Auch Probleme im Elternhaus wirken sich auf das Schulleben aus. „Ein Hauptproblem ist Ausgrenzung“, erläutert Heide Hackenberg vom Verein Seniorpartner. Betroffene können sich den Mediatoren, die ihre Großeltern sein könnten, anvertrauen. Doch bis es soweit ist, müssen sich die ersten Senioren zu Mediatoren ausbilden lassen.

Rolle und Haltung des Mediators

Bei aller Lebenserfahrung, die sie mit sich bringen mögen, müssen sich die künftigen Ehrenamtlichen in die Rolle und in die Haltung des Mediators einfinden. Dazu gehört es, dass sie die Konfliktparteien dabei unterstützen, ihre eigene Lösungen zu finden – und sie nicht etwa vorgeben. Wie Günter Kasten vom Verein „Seniorpartner in School“ erläutert, begünstigt die Mediation so auch die weitere Entwicklung der Schüler: „Sie lernen in ganz jungen Jahren, mit Konflikten umzugehen.“

Ausbildung zwischen 80 und 108 Stunden

Die Ausbildung dauert, je nach gewählten Schwerpunkten, zwischen 80 und 108 Stunden, aufgeteilt auf Dreitagesblöcke. Dafür reist eine Referentin aus Berlin an. Als Gegenleistung verpflichten sich die Senior-Schulmediatoren, zwei Jahre lang ehrenamtlich zur Verfügung zu stehen, vier Stunden die Woche. Sie arbeiten dann stets zu zweit – die Teams bestehen jeweils aus einer Frau und einem Mann.

Schüler als Mediatoren

Die Möser-Realschule ist dafür bekannt, dass dort Schüler selber als Mediatoren tätig sind. Schulleiter Markus Gerling vermutet, dass die amtierenden Schülermediatoren und die künftigen Seniormediatoren „einander ergänzen“ werden. Denn: „Manche werden sich lieber Menschen anvertrauen, die nicht zur Schule gehören.“ Und: In manchen Fällen würden sich junge Schulmediatoren bei schwierigen Themen vielleicht über die Unterstützung der älteren Ehrenamtlichen freuen. Gerling jedenfalls freut sich auf das Pilotprojekt in seiner Schule.

„Kennenlern-Tag“ für künftige Ehrenamtliche

Wer als ehrenamtlicher Schulmediator tätig werden möchte, kann am Freitag, 18. August, von 12 bis 15 Uhr an einem „Kennenlern-Tag“ an der Lotter Straße 6 in der Möser-Realschule (Eingang Arndtstraße) teilnehmen. Anmeldung ab Donnerstag, 3. August, bei Schulleiter Markus Gerling unter Telefon 0541/323-4391, per E-Mail an gerling@moeser-realschule.net oder bei Günter Kasten vom Seniorpartner in School unter der Telefonnummer 0531/1231591, per E-Mail an guenter.kasten.sis@gmail.com.