Kinderbewegungsstadt Osnabrück Warum eine Waldsportpädagogin mit Kita-Kindern ins Grüne zieht

Von Vincent Buß


vbu Osnabrück Stadtkindern Natur und Bewegung nahebringen sollen die Spaziergänge der Osnabrücker Campus-Kita. Jutta Kamp begleitet die Jungen und Mädchen – sie ist Waldsportpädagogin.

Im Wald beim Pappelsee hält Jutta Kamp eine Klettenpflanze hoch: „Weiß jemand, was das ist?“ „Thymian!“, ruft ein Junge sofort. Geduldig klärt Kamp die Kinder der Campus-Kita des Studentenwerks Osnabrück auf. „Daher kommt euer Klettverschluss“, sagt sie zum Abschluss.

(Weiterlesen: Bewegungs-Kompass für Osnabrück geplant)

„Leider sind viele Eltern waldunkundig und wissen nicht, wo sie mit ihren Kindern hingehen können“, berichtet Kamp später. Dabei hätten die meisten Osnabrücker Kitas Grünflächen in der Nähe. Kamp arbeitete früher mit Kindern und Erwachsenen im Gesundheitssport und kam über eine Freiwilligenagentur zum Gesundheitsprojekt Kinderbewegungsstadt (KiBS).

Was ist Waldsportpädagogik?

Ihre Tätigkeit nennt sie selbst Waldsportpädagogik. Pro Tag sollten Kinder eine Stunde toben, erklärt Kamp. Das könne auch auf dem Spielplatz oder im Garten passieren. Sie findet aber auch das „Ergreifen und Begreifen“ im Wald wichtig.

(Weiterlesen: Klettern macht Spaß und ist gesund)

Und genau das tun die Kinder. Zusammen mit den Erzieherinnen stecken sie zwischen den Bäumen eine Fläche ab, auf der sie sich frei bewegen dürfen. Sofort rennen die Mädchen und Jungen durch einen ausgetrockneten Graben, ziehen sich an Wurzeln hoch und tragen herumliegende Stöcker umher. Die Waldsportpädagogin betont auch die Aspekte Fantasie und Wissen: „Die Kinder erkennen Gestalten in Baumstümpfen und denken sich dazu Geschichten aus.“ Außerdem hat die Gruppe Sammelgläser und Pflanzenbestimmungsbücher dabei.

Ängste überwinden und Regeln lernen

„Nicht jedes Kind ist ein Bewegungstalent“, so Kamp, „und viele trauen sich anfangs beispielsweise nicht, durch den Graben zu springen.“ Sie hilft den Kindern dann, ihre Ängste zu überwinden.

(Weiterlesen: Wovor haben Kinder Angst? Wie nimmt man sie ihnen?)

Dass es dabei ziemlich wild zugehen kann, ist laut Kamp kein Problem. Denn die Erzieherinnen und sie würden den Kindern den richtigen Umgang mit Ästen und Ähnlichem beibringen. Als ein Junge einen Stock wirft, weist Kamp die Erzieherin darauf hin, dass er etwas ausgebremst werden müsse. Die berichtet danach, dass es nun auch Stöcker in der Kita gebe. Doch manche Eltern hätten sich gleich beschwert, als ihr Kind eine Beule hatte.

Auch Eltern müssen motiviert werden

Im Wald kommen die Jungen und Mädchen schon gut zurecht, es ist bereits ihr vierter Ausflug. Nachdem die KiBS im Oktober 2015 zum Spaziergang eingeladen hatte, beschloss die Kita in diesem Jahr, jeden Monat in den Wald zu gehen.

Aber wie kann gewährleistet werden, dass auch zuhause solche Spaziergänge unternommen werden? „Wir müssen die Kinder so begeistern, dass sie es selbst wollen und dadurch ihre Eltern motivieren“, erklärt Kamp. Die Jungen und Mädchen der Campus-Kita stammen ihr zufolge allerdings nicht aus sozial schwachen Familien, Probleme mit mangelnder Bewegung und Übergewicht sind eher gering.

(Zur Themenseite „Kita“)

Zum Ausflug gehört auch der Hin- und Rückweg zu Fuß. „Auch dabei erfahren die Kinder schon interessante Sachen“, sagt die Waldsportpädagogin. Und tatsächlich: Die Jungen und Mädchen sehen Enten und Gänse, während sie wie eine Karawane durch die Osnabrücker Wüste ziehen.


Kinder-Bewegungsstadt (KiBS)

Zwei Stunden soll sich jedes Osnabrücker Kind intensiv bewegen, und zwar pro Tag: Das ist das Ziel des Projekts Kinder-Bewegungsstadt (KiBS). 2012 ging die zwei Jahre zuvor entwickelte Initiative der Bürgerstiftung Osnabrück an den Start. Ist so ein Aufwand tatsächlich nötig? In einer Serie beleuchtet unsere Redaktion, warum Kinder immer träger werden und zeigt, was Eltern dagegen tun können.

0 Kommentare