Annelen Trost geht in Rente Osnabrücker Mensa-Chefin: Lecker gekocht haben wir immer


sst Osnabrück. Keiner weiß besser, was Studenten schmeckt, als Annelen Trost. Die Leiterin der Hochschulgastronomie hat am 1. August 2017 nach über 40 Jahren beim Studentenwerk Osnabrück ihren letzten Arbeitstag. Zum Abschied rühren wir noch einmal ihr Berufsleben um: Blick in einen Kessel Buntes.

Frau Trost, was macht eine Mensa-Chefin im Ruhestand: Kochbuch schreiben?

Mit Sicherheit nicht. Ich will erst einmal im Ruhestand ankommen, ihn kennenlernen und das bunte Leben genießen. Angst vor Langeweile habe ich jedenfalls nicht.

Erinnern Sie sich noch an das erste Menü, das Sie ausgegeben haben?

Natürlich. November 1975, Mensa im AVZ: ein Stammessen bestehend aus Kotelett, Salzkartoffeln und Brechbohnen. Zum Nachtisch gab es wahlweise einen Apfel oder einen Joghurt. Ich erinnere mich deshalb so genau, weil die Koteletts in unseren funkelnagelneuen Bratgeräten so geschrumpft waren, dass wir zwei Stück auf jeden Teller legen mussten, damit die Studenten auf ihre Kosten kamen – ein Stammessen kostete damals übrigens 1,80 DM. Zum Glück hatten wir genug Fleisch eingekauft. Aber so ein Fehler ist uns nie wieder passiert.

Wie hat sich das Mensaessen in den vergangenen 40 Jahren verändert?

Lecker gekocht haben wir immer. Aber die Vielfalt ist ungemein groß geworden. Heute wird auch wesentlich mehr Wert auf appetitliche Präsentation gelegt. So gab es früher ein festgelegtes Menü, und die Tabletts hatten Fächer, wo das Essen hineingegeben wurde. Heute kann sich jeder das Menü auf seinem Teller aus zig Komponenten selbst zusammenstellen. Wir haben für beinahe jeden Geschmack etwas im Angebot, bieten Aktionswochen an, in denen wir unter anderem für die vielen ausländischen Studierenden auch internationale Küche abbilden. Die Preise fürs Mensaessen sind dabei stets niedrig geblieben: Das Günstigste ist heute unser Eintopf für 1,20 Euro. Ein Menü aus hochwertigen Zutaten kostet im Durchschnitt drei Euro. (Hunger? Hier geht‘s zu den Mensa-Speiseplänen)

Welchen Essenstrend haben Sie ausgelassen?

Keinen. Im Gegenteil: Wir sind beim Studentenwerk Osnabrück immer schon Pioniere gewesen. Als damals beispielsweise die Ersten nach vegetarischem Essen gerufen haben, hatten wir das bereits einmal pro Woche auf dem Speiseplan. Heute steht es jeden Tag drauf. Denn mittlerweile isst ja die Hälfte unserer Gäste vegetarisch.

Wie viele sind das?

Wir verköstigen in unseren Mensen während der Vorlesungszeit täglich insgesamt 10.000 Menschen, davon 80 Prozent in Osnabrück, die restlichen in Vechta und Lingen. Das ist schon eine Nummer.

Mensaessen darf nicht viel kosten, muss aber trotzdem schmecken, gesund und hochwertig sein. Geht das überhaupt immer, zum Beispiel bei Bio-Essen?

Es stimmt: Lebensmittel haben hohen Wert – und gute ihren Preis. Bei Bio muss man aber unterscheiden. Biogemüse zum Beispiel lässt sich von den Kosten her gut in den Speiseplan integrieren. Biofleisch hingegen können und wollen die meisten Studierenden wirklich nicht bezahlen. Darum haben wir uns für Fleisch aus artgerechter Tierhaltung entschieden. Das kommt nahe an Bioqualität heran, ist aber nicht ganz so teuer. Übrigens waren wir auch hier seinerzeit die Ersten, die ganze Tiere aus artgerechter Haltung gekauft und danach die Speisepläne geschrieben haben.

Heute spielt für viele Studenten vegane Ernährung eine große Rolle.

Ob veganes Essen, für das wir von der Tierschutzorganisation Peta ausgezeichnet wurden, oder besonders ausgewogene Mahlzeiten, wie sie bei uns zweimal pro Woche unter dem Label „Mensa vital“ angeboten werden: Wir sind auf alles vorbereitet. Wir bedienen in unseren Cafeterien sogar Trends wie „Food to go“. Das allerdings sehr ungern, gebe ich zu. Denn Essen und Trinken zum Mitnehmen verändert die Tischkultur und verursacht ganz viel Müll. Doch die Studenten fordern es. Wir konnten uns dem leider nicht verschließen. Auch wenn Nachhaltigkeit bei uns einen hohen Stellenwert hat.

Ärgert es Sie, wenn Studenten über das Mensaessen nörgeln?

Es spornt uns an. Essen und Trinken ist Geschmackssache, darüber sollte man nicht streiten. Und natürlich können wir es nicht jedem recht machen. Wenn die Kritik unserer Gäste aber berechtigt erscheint, weil ihnen zum Beispiel ein Gericht zu salzig oder zu süß ist, gehen wir damit konstruktiv um. Dann sind wir auch für Rückmeldungen dankbar, denn nur so können wir uns verbessern.

Haben Sie alles selbst probiert, was in der Mensa auf den Teller kommt?

Ja. Aber unsere Speisepläne wiederholen sich ja – in der Regel alle zehn Wochen. Außerdem haben wir einen Ökotrophologen (Haushalts- und Ernährungswissenschaftler, Anmerkung der Redaktion), der alle Rezepte noch einmal durchleuchtet. Ich kann daher aus vollem Herzen sagen: Unser Essen ist gesund, ausgewogen und kommt fast ohne Zusatzstoffe aus, weil wir alles frisch zubereiten. Dafür leisten wir uns Fachpersonal. Und eins steht ebenfalls fest: Unsere Kochazubis lernen beim Studentenwerk Osnabrück mehr als anderswo, gerade im Bereich vegetarische und vegane Küche.

In Ihrer Zeit als Leiterin der Hochschulgastronomie hat das Studentenwerk Osnabrück 30 „Goldene Tabletts“ eingeheimst, erhielt mehrfach Preise für Deutschlands „Mensa des Jahres“. Was bedeuten Ihnen solche Auszeichnungen – auch wenn sie vor ein paar Jahren abgeschafft wurden?

Darauf sind wir immer noch stolz wie Bolle. Besonders weil sie auf der Meinung von Studierenden fußen. Und weil das Studentenwerk Osnabrück es immer geschafft hat, in dem Wettbewerb um „Goldene Tabletts“ mit all seinen Mensen zu punkten. Das ist sonst keinem Studentenwerk in Deutschland gelungen. Unser Erfolgsgeheimnis waren und sind hier sicherlich die einheitlichen Speisepläne und Rezepturen. Sie garantieren, dass die Studenten an allen sechs Standorten dieselbe hohe Qualität bekommen.

Auch wenn Sie als Rentnerin kein Kochbuch schreiben wollen: Wie lautet Ihr Rezept für ein zufriedenes Berufsleben?

Das Umfeld muss passen. Beim Studentenwerk Osnabrück wurde ich gefordert und gefördert, habe mich mit meinen Aufgaben identifiziert, die am Anfang übrigens nicht nur im Bereich Mensa, sondern auch schon mal bei der Zimmervermittlung lagen, im Sekretariat oder in der Bafög-Stelle. Ich bin an die Sachen immer pragmatisch und mit gesundem Menschenverstand herangegangen. Und ganz wichtig: Ich habe mir selbst vertraut.


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