Letzter Todesfall in Osnabrück vor zwei Jahren Ministerium warnt vor gefährlichen Knollenblätterpilzen

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Das Niedersächsische Gesundheitsministerium warnt nach neuerlichen Vergiftungsfällen in Niedersachsen vor dem Verzehr des Knollenblätterpilzes. Foto: Bernd Wüstneck/dpaDas Niedersächsische Gesundheitsministerium warnt nach neuerlichen Vergiftungsfällen in Niedersachsen vor dem Verzehr des Knollenblätterpilzes. Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Osnabrück. Das Niedersächsische Gesundheitsministerium warnt nach neuerlichen Vergiftungsfällen in Niedersachsen vor dem Verzehr des Knollenblätterpilzes. Wegen der feucht-warmen Witterung sprießt der Pilz aktuell auch in der Region Osnabrück – ein Massenphänomen sind schwere Vergiftungen aber nicht.

Konkret nimmt das Ministerium den Vergiftungsfall einer Familie aus Osteuropa zum Anlass, um vor dem Knollenblätterpilz zu warnen. Die Familie werde momentan wegen schwerer Vergiftungserscheinungen in der Medizinischen Hochschule Hannover behandelt, teilte Ministeriumssprecher Dominik Kimyon auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

Wegen der feucht-warmen Witterung sei der Pilz unüblicherweise schon jetzt auf dem Vormarsch – was sonst eher im Frühherbst der Fall sei. Zum Verhängnis wird Pilzsuchern die Ähnlichkeit des Pilzes mit essbaren Arten, wie zum Beispiel dem Wiesenchampignon. Auch geschmacklich ähnele der Knollenblätterpilz anderen Pilzen. „Oft sind es zugewanderte Menschen, die den Pilz mit essbaren Arten aus ihrer Heimat verwechseln und dann essen“, sagte Kimyon.

Wenige gravierende Fälle

Im Osnabrücker Klinikum sind Vergiftungen mit Knollenblätterpilzen nach Angaben von Dr. Mathias Denter ein eher seltenes Phänomen. Der ärztliche Leiter des Notaufnahmezentrums spricht von wenigen, aber dann „gravierenden Fällen“. Dass die Warnung des Ministeriums aber durchaus nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, zeigt ein Fall von vor zwei Jahren: Im September 2015 starb ein 16 Jahre alter Flüchtling aus Syrien an einer akuten Pilzvergiftung. Der junge Mann war im Flüchtlingshaus Natruper Holz in Osnabrück untergebracht, in dessen Umgebung er beim Sammeln einer tödlichen Verwechslung zum Opfer fiel: Er hatte einen Knollenblätterpilz für ein essbares Exemplar gehalten und verspeist. Der 16-Jährige starb nach Angaben des behandelnden Uni-Klinikums Münster kurze Zeit später an akutem Leberversagen. Ein passendes Spenderorgan konnte nicht rechtzeitig gefunden werden. Auch seine Familienangehörigen litten teilweise unter schwersten Vergiftungserscheinungen.

Bei Pilzvergiftungen arbeitet das Notaufnahmezentrum am Finkenhügel laut Denter mit einem Pilzexperten zusammen, der den Ärzten fachlich unter die Arme greift. „Der Experte kann uns durch die Bestimmung des Pilzes Hinweise darauf geben, ob es sich um eine Magenverstimmung handelt, oder eine schlimmere Vergiftung vorliegt“, so Denter.

Im MHO keine Fälle bekannt

Im Marienhospital Osnabrück (MHO) hat es in diesem Jahr noch keine Patienten gegeben, die mit Verdacht auf Vergiftung durch Pilze in die Notaufnahme gekommen sind, sagt Esther Alves-Spielmeyer. „Der Knollenblätterpilz war aber auch im vergangenen Jahr kein Thema bei uns“, so die Sprecherin des Niels-Stensen-Klinikverbundes.

Was tun im Notfall? Das Gesundheitsministerium rät Betroffenen, sich bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sofort an das nächste Krankenhaus zu wenden. Erste Symptome sind nach etwa acht bis zwölf Stunden Übelkeit und starkes Erbrechen, krampfartige Bauchschmerzen und wässriger Durchfall. Um die Ursache einer möglichen Vergiftung feststellen zu können, sollten Reste der Pilze, beziehungsweise der Pilzmahlzeit oder des Erbrochenen, mitgebracht werden. Hilfe bei Vergiftungen gibt auch das Giftinformationszentrum Nord unter der Telefonnummer 0551/19240.


Der Knollenblätterpilz (Amanita spec.) ist einer der giftigsten Pilze in Deutschland. Sein Gift schädigt die Leber sehr stark. 90 Prozent der Todesfälle durch Pilzvergiftungen sind auf den Knollenblätterpilz zurückzuführen.

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