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Serge Menga in Osnabrück AfD-Kundgebung mit Banane und nacktem Hintern

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Osnabrück. 30 Zuhörer, 300 Gegendemonstranten, eine Banane und ein nackter Hintern: Die AfD-Kundgebung mit Serge Menga am Donnerstag in Osnabrück bot inhaltlich wenig Überraschendes. Aber die Rahmenbedingungen waren ungewöhnlich.

Der 40-Jährige aus dem Kongo sagt, er spreche nicht für die AfD. Er spreche für ein demokratisches Deutschland, für die Freiheit und das friedliche Miteinander. „Ich würde auch für jede andere Partei auftreten“, referiert der selbsternannte „Quotenneger“ und zählt Parteien auf von CDU bis zu den Linken. Und er scheut sich nicht, auch die NSDAP in diese Liste aufzunehmen. Die Nazis? „Ja, warum denn nicht? Mir geht es darum, Gegensätze zu überwinden.“ Schon da wird deutlich: Provokation ist ein Teil seiner Masche, die ihm so viel Aufmerksamkeit vor allem in den sozialen Medien verschafft.

Der „schwarze Nazi“

Wer ist dieser Serge Menga, der „Schwatte aus Essen“, der sich später in seiner Rede sogar als „schwarzen Nazi“ bezeichnet? Geboren im Kongo, mit fünf Jahren nach Deutschland gekommen, gelernter Industriemechaniker, Lkw-Fahrer, Event-Manager, Fitnessstudio-Betreiber und jetzt „Sales Consultant“ – Verkaufsberater. Die Kreis-AfD bietet ihn im Wahlkampf auf und lockt damit, gut gerechnet, 30 Zuhörer in den abgesperrten Bereich des Bahnhofsvorplatzes. Von den 30 sind zehn als Ordner oder Parteifunktionäre erkennbar. Andere, vielleicht eine Handvoll, sind weit fern von der rechten Alternative in Osnabrück politisch, kirchlich oder gesellschaftlich aktiv und wollen hören, was dieser Menga zu sagen hat. Bleiben etwa 10 bis 15 echte AfD-Sympathisanten, die auch klatschen, als der Kreisvorsitzende Daniel Wolf die Veranstaltung mit fast einstündiger Verspätung eröffnet. Dessen Aufruf zu „mehr Demokratie“ geht unter im Pfeifen und Trommeln der 300 Gegendemonstranten, die die Polizei mit einer Hundertschaft und langen Gitterreihen vom Kundgebungsplatz der AfD fernhält. (Videos und Bilder: Liveticker zum Nachlesen)

Provokation

Das Pfeifen und Trommeln schwillt noch einmal an, als Serge Menga zum Mikro greift. „Macht noch mehr Lärm, damit ganz Deutschland weiß, dass der Quotenneger da ist“, ruft er den Demonstranten entgegen. „So laut werden nur Könige empfangen.“ Seine Botschaft ist: redet miteinander, überbrückt Gegensätze, hört immer auch die andere Seite. Zum Beweis verlässt Menga schon nach wenigen Minuten die mobile Bühne der AfD und steuert auf die Demonstranten hinterm Zaun zu. Er hält ihnen das Mikro entgegen und fordert sie heraus: Sagt, was ihr wollt, lasst uns miteinander reden. Das lässt die Polizei aber nicht zu. Nach den Erfahrungen vom Ledenhof, wo bei der jüngsten AfD-Kundgebung AfD-Anhänger und Gegendemonstranten gemischt standen und aneinander gerieten, hat die Ordnungsmacht dieses Mal die Lager streng getrennt.

Ein Zwiegespräch inmitten des Trommel- und Pfeifgetöses? Ein Jugendlicher zeigt, was er von dem Angebot Mengas hält: Er streckt ihm seinen entblößten Po entgegen. Provokationen auf beiden Seiten.

Spiel mit Klischees

Serge Menga wendet sich ab und redet ab jetzt auf Augenhöhe mit seinen Zuhörern. Vor der Bühne. Das Mikro gibt mehrfach den Geist auf, aber das bräuchte der Mann mit der mächtigen Stimme eigentlich nicht, so nah, wie er seinen wenigen Zuhörern jetzt ist. Er redet frei, ohne Mauskript oder Spickzettel, und greift zuweilen auf Vokabular zurück, das ein etablierter Politiker am Rednerpult niemals nutzen würde. Menga spielt mit Klischees, Rassismus und einer gesellschaftlich geforderten Korrektheit. Gern überschreitet er provokativ rote Linien, die er für sich als „Quotenneger“ nicht gelten lässt. Im Bäckerladen, so erzählt er, bestellt er gern ein Brötchen expliziert mit „Negerkuss“ , und seine Kinder beschreibt er als „süße kleine Schokokinder“.

Am Ende, als der Applaus der gut 15 Sympathisanten im Protestjubel untergeht, lässt sich Menga eine Banane geben und bewegt sich auf die Gegendemonstranten jenseits der Absperrgitter zu, schält die Frucht und beißt hinein. „Das sollte eine Provokation sein“, sagt er hinterher.

Manchen Zuschauer lässt das irritiert zurück. Giesela Brandes-Steggewentz, Linken-Ratsfrau und Bundestagskandidatin der Linken, sagt hinterher, Herr Menga habe auf sie „wie ein Clown“ gewirkt.


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