Studienreise nach Ypern Thomas-Morus-Schüler auf den Spuren der Flandernschlacht

Von Louisa Riepe

Geschichtsunterricht mal anders: Anstatt alte Fotos und Dokumente anzuschauen, reist eine Gruppe von der Thomas-Morus-Schule direkt an einen der Schauplätze des Ersten Weltkrieges. Archivfoto: Jörn MartensGeschichtsunterricht mal anders: Anstatt alte Fotos und Dokumente anzuschauen, reist eine Gruppe von der Thomas-Morus-Schule direkt an einen der Schauplätze des Ersten Weltkrieges. Archivfoto: Jörn Martens

Osnabrück. Nicht nur schwarz-weiß sehen, sondern sich selbst ein Bild vom Ersten Weltkrieg machen – das wollen 13 Schüler der Thomas-Morus-Schule in Osnabrück. Dazu reisen sie an den Schauplatz der sogenannten „Flandernschlacht“ nach Ypern in Belgien.

Schwarz-weiß ist das, was Schüler normalerweise mit dem Ersten Weltkrieg verbinden: Buchstaben auf Papier und blasse Fotografien. So beschreibt es Felix Trentmann, Lehrer für die Fächer Politik, Geschichte und Erdkunde an der Thomas-Morus-Schule in Osnabrück. Statt bloß auf Dokumente zu schauen, sollen seine Kursteilnehmer „in die Geschichte eintauchen, um sie dann mit allen Sinnen zu erleben und so die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart herzustellen“. Dazu fahren sie am 3. August nach Ypern in Belgien.

100 Jahre später am Schauplatz der Schlacht

Der Ort war im Sommer 1917 mehr als drei Monate lang Schauplatz der sogenannten dritte Flandernschlacht zwischen dem Deutschen Reich und den Alliierten Frankreich und Großbritannien. „Mehr als 650.000 junge Männer wurden verwundet, blieben vermisst oder fanden den Tod in den Schützengräben. Bis heute ist die Landschaft von Gräben und Granattrichtern gezeichnet“, berichtet Trentmann.

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Genau 100 Jahre nach Ende der Schlacht wird er mit seinen Schülern Ypern besuchen. Zum dreitägigen Programm gehören unter anderem die Teilnahme an einer öffentlichen Gedenkfeier, ein Rollenspiel im örtlichen Museumsdorf, die Begehung von original erhaltenen Schützengräben und der Besuch im Weltkriegsmuseum „In Flanders Fields“. „Es ist klar, dass da keine Klassenfahrtsatmosphäre aufkommen wird“, sagt Lehrer Trentmann. Es gehe vielmehr um „eine sehr intensive Auseinandersetzung mit der Thematik“.

Exponate im Museum „In Flanders Fields“. Foto: In Flanders Fields Museum

Vorbereitung im Wahlpflichtkurs

Darauf vorbereitet haben sich die 15- und 16-Jährigen bereits im vergangenen Schuljahr im Rahmen des Wahlpflichtfachs „geschichtlich soziale Weltkunde (GSW)“. Von den 22 Kursteilnehmern an der Oberschule werden nun 13 die dreitägige Studienreise nach Flandern antreten. Die Teilnahme war für die Schüler nicht verpflichtend. Begleitet wird die Gruppe von einer Videojournalistin und einem Fotografen, die über die Erfahrungen der Jugendlichen berichten wollen.

Abschlussveranstaltung in 2018

Felix Trentmann freut sich besonders darüber, dass die Projektarbeit der Thomas-Morus-Schule derartiges Interesse erfährt. Darüber hinaus sieht er seine Arbeit mit den Schülern aber auch in einem größeren Rahmen: Bereits 2014 kuratierte er mit einer Gruppe eine Ausstellung über die Erinnerungen an die Schrecken des Ersten Weltkrieges in der Region Osnabrück. Die „Objekte der Erinnerung“ waren seitdem an unterschiedlichen Orten zu sehen – zuerst bei der Varusschlacht in Kalkriese, später in Osnabrück im Forum am Dom. Im kommenden Jahr plant Trentmann eine Abschlussveranstaltung für die Projektreihe.