Einführung am 1. August 2017 Was Fahrgäste über den neuen Westfalentarif wissen müssen

Von Sebastian Stricker

ÖPNV-Nutzer in Osnabrück und Umgebung aufgepasst: Der neue Westfalentarif bündelt und ergänzt ab August 2017 das Ticketangebot in Westfalen-Lippe. Auf diese Weise soll Kunden das Bus- und Bahnfahren erleichtert werden. Foto: VOS/Oliver PrachtÖPNV-Nutzer in Osnabrück und Umgebung aufgepasst: Der neue Westfalentarif bündelt und ergänzt ab August 2017 das Ticketangebot in Westfalen-Lippe. Auf diese Weise soll Kunden das Bus- und Bahnfahren erleichtert werden. Foto: VOS/Oliver Pracht

Osnabrück. Wichtige Neuerung im regionalen Bus- und Bahnverkehr: Am 1. August 2017 wird in weiten Teilen von NRW der Westfalentarif eingeführt. Er gilt mit Einschränkungen auch im Raum Osnabrück. Fragen und Antworten.

Was ist der Westfalentarif? Der Westfalentarif bündelt und ergänzt ab dem 1. August 2017 das regionale ÖPNV-Ticketangebot in Westfalen-Lippe. Er soll Kunden das Bus- und Bahnfahren erleichtern – vor allem bei Reisen über die Grenzen einzelner Tarif- und Verkehrsgemeinschaften hinweg.

Welches Gebiet umfasst der Westfalentarif? Der Westfalentarif-Raum besteht aus fünf Teilen: Münsterland (Stadt Münster sowie die Kreise Steinfurt, Coesfeld, Borken und Warendorf), Teuto-OWL (Stadt Bielefeld sowie die Kreise Herford, Minden-Lübbecke, Lippe und Gütersloh), Hochstift (Kreise Paderborn und Höxter), Ruhr-Lippe (Stadt Hamm sowie die Kreise Unna, Soest, Märkischer Kreis und Hochsauerlandkreis) und Westfalen-Süd (Kreise Olpe und Siegen-Wittgenstein). Hinzukommen Übergangsbereiche an den Rändern, beispielsweise die Stadt Osnabrück und Teile des südlichen Landkreises Osnabrück.

Was haben die Fahrgäste vom Westfalentarif? Egal welche Verbindung im neuen Westfalen-Netz ausgewählt wird: Von Start bis Ziel ist nach Angaben der Westfalentarif GmbH in Bielefeld nur noch ein Ticket aus dem Westfalentarif-Sortiment notwendig. Es werden neue, gemeinsame Angebote insbesondere für längere Wege geschaffen. Regionale Tarifangebote bleiben aber bestehen, so auch die der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS). Damit sind bei bestimmten Fahrscheinen weiterhin regionale Preisunterschiede möglich.

Welche Verkehrsmittel können Fahrgäste mit dem Westfalentarif nutzen? Grundsätzlich alle Nahverkehrszüge, Busse, Straßenbahnen, Stadtbahnen und U-Bahnen im Tarifraum.

Was kostet ein Fahrschein im Westfalentarif? Der Preis berechnet sich nach Start- und Zielpunkt sowie nach der Verbindung. Insgesamt gibt es zwölf Preisstufen. Die Ticketpreise im Westfalentarif sind gedeckelt. Ab ungefähr 120 Kilometer Reiseweite ist das Limit erreicht, dann steigen die Preise mit zunehmender Entfernung nicht weiter. Fahrscheine für lange Strecken können dadurch teilweise deutlich billiger werden. Zunächst einmal nutzen die Verkehrsunternehmen die Einführung des Westfalentarifs aber in vielen Relationen für eine Fahrpreiserhöhung. Wichtig außerdem: Bahncards werden im gesamten Tarifraum nicht anerkannt.

Wo sind die Westfalentarif-Tickets erhältlich? An einem einheitlichen Vertrieb wird laut Anbieter noch gearbeitet. Der Verkauf in Bussen ist den Angaben zufolge beschränkt, unter anderem auf Tickets mit kurzen Reiseweiten. An Bahnhöfen und Automaten der Deutschen Bahn (DB) sollen jedoch rechtzeitig alle Tickets erhältlich sein, ebenso im Internet auf www.bahn.de sowie in der Reise-App DB Navigator. Bei der Reiseplanung, Fahrpreisermittlung und Ticketauswahl hilft außerdem eine elektronische Fahrplanauskunft im Internet .

Was ist mit Kindern, Hunden und Rädern? Kinder unter sechs Jahre fahren im Westfalentarif kostenlos mit. Sie müssen in Begleitung einer Person mit gültigem Fahrausweis sein. Hunde werden ebenfalls gratis befördert, genauso wie Klappräder. Für die Mitnahme von Fahrrädern gelten die Bedingungen des jeweiligen Tickets. Generell gilt: höchstens ein Fahrrad pro Person.

Worauf müssen Reisende beim Kauf von Vierer- und Zehnertickets achten? Vierer- und Zehnertickets im Westfalentarif können auf allen Strecken verwendet werden, die mit der aufgedruckten Preisstufe übereinstimmen. Wobei Zehnertickets nur in wenigen Bereichen (Münster, Bocholt, Rheine und Unna) ausgegeben werden. Die Gültigkeit von Vierertickets kann aber auf einen Teilraum beschränkt sein, denn erst ab Preisstufe 6 sind die Preise westfalenweit einheitlich. Um nicht unfreiwillig zum Schwarzfahrer zu werden, müssen Fahrgäste also darauf achten, welcher Teilraum auf dem Viererticket vermerkt ist. Stehen zum Beispiel die Buchstaben M (Münsterland), T (Teuto-OWL) oder H (Hochstift) drauf, darf das Viererticket auch nur dort eingesetzt werden. Ist auf dem Viererticket ein W wie Westfalen (Preisstufe 6 bis 12) aufgedruckt, gilt es überall.

Werden Angebote des NRW-Tarifs mit Einführung des Westfalentarifs abgeschafft? Teilweise. Der Westfalentarif löst im Geltungsbereich solche NRW-Tarifangebote ab, bei denen sich der Preis nach der zurückgelegten Strecke richtet (Relationspreistickets). Wer also beispielsweise von Osnabrück mit Nahverkehrszügen ins Rheinland oder Ruhrgebiet oder umgekehrt fahren will, muss weiterhin den NRW-Tarif nehmen. Ausnahme ist der in den Westfalentarif integrierte Bereich Dortmund/Hagen. Die Pauschalpreistickets des NRW-Tarifs hingegen – wie etwa das „Schöner-Tag-Ticket NRW“ – bleiben innerhalb des Westfalentarif-Raums gültig.

Wie ist die Stadt Osnabrück in den Westfalentarif eingebunden? Nach Angaben der VOS wird das Tarifgebiet Osnabrück/Belm für den Übergangsverkehr vollständig in den Westfalentarif integriert. Das bedeutet, mit Westfalentarif-Tickets kann man von allen Orten aus Westfalen-Lippe nach Osnabrück fahren und umgekehrt. Die Fahrscheine gelten auch für den Stadtbusverkehr in Osnabrück/Belm. Ebenso kann man damit durch den südlichen Landkreis Osnabrück hindurchfahren, zum Beispiel von Ibbenbüren nach Bünde, Bad Oeynhausen oder Detmold.

Wie wirkt sich der Westfalentarif auf Zugverbindungen zwischen Osnabrück und Bielefeld aus? Unterschiedlich. Für Bahnfahrten mit dem Haller Willem (RB75), die das niedersächsische Tarifgebiet „VOS-Plus“ (Osnabrück bis Dissen/Bad Rothenfelde) und das ostwestfälische Tarifgebiet „Der Sechser“ bzw. Teuto-OWL (Dissen/Bad Rothenfelde bis Bielefeld) berühren, gilt eine Übergangsregelung. Sie wird unverändert in den Westfalentarif übernommen. Mit anderen Worten: Für Fahrgäste ändert sich praktisch nichts. Auch über Osnabrück und Bielefeld hinaus ausgestellte Westfalentarif-Tickets berechtigen laut VOS zur Fahrt mit dem Haller Willem (Beispiel Osnabrück – Gütersloh). In Nahverkehrszügen von Osnabrück über Bünde/Herford nach Bielefeld und umgekehrt gilt statt des NRW-Tarifs der neue Westfalentarif. Achtung: Damit entfällt der Bahncard-Rabatt. Dafür können Fahrscheine für diese Strecke jetzt auch im Haller Willem genutzt werden.

Welche Ausnahmen gibt es noch? Die Bahnhöfe Hasbergen und Natrup-Hagen (Linie RB66, „Teutobahn“) sind von Münster und Osnabrück aus im Westfalentarif erreichbar. Fahrgäste, die ihre Reise dorthin aus anderen Orten in Niedersachsen (zum Beispiel Bramsche) antreten, müssen auf Angebote des Niedersachsentarifs zurückgreifen. Wer in Hagen und Hasbergen mit Stadtbussen der Linie 491/493 weiterfahren will, braucht außerdem eine VOS-Fahrkarte. Der Regiobus R31 (Lotte – Osnabrück über Hasbergen-Gaste) kann hingegen mit Westfalentarif-Tickets genutzt werden. Die Bahnhöfe Wissingen, Westerhausen, Melle und Bruchmühlen gehören nicht zum Westfalentarif-Raum. Hier gilt im Nahverkehrszug der Niedersachsentarif oder der DB-Tarif.