Klage gegen Hof Kasselmann Lahmes 900.000-Euro-Pferd: Verhandlung am Freitag

Der Streit um ein 900.000-Euro-Pferd vom Hof Kasselmann, das inzwischen lahmt, geht am Freitag, 28. Juli, und damit anderthalb Jahre später als zunächst erwartet in die nächste Runde. Eine gütliche Einigung im Streit um das Dressurpferd „Londontown S“ vom Hof Kasselmann scheiterte im September 2015 vor dem Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: David EbenerDer Streit um ein 900.000-Euro-Pferd vom Hof Kasselmann, das inzwischen lahmt, geht am Freitag, 28. Juli, und damit anderthalb Jahre später als zunächst erwartet in die nächste Runde. Eine gütliche Einigung im Streit um das Dressurpferd „Londontown S“ vom Hof Kasselmann scheiterte im September 2015 vor dem Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: David Ebener

Osnabrück. Der Streit um ein inzwischen lahmes 900.000-Euro-Pferd vom Hof Kasselmann geht am Freitag in die nächste Runde. Der Prozessauftakt vor dem Landgericht Osnabrück liegt knapp zwei Jahre zurück, weil schon das Gutachten zum Gesundheitszustand des Dressurpferds beim Ankauf rund ein Jahr auf sich warten ließ.

Der Sprecher des Landgerichts Osnabrück, Michael Hune, war nach der Auftaktverhandlung im September 2015 noch davon ausgegangen, dass die Tierärztliche Hochschule Hannover drei bis vier Monate für das Sachverständigengutachten benötigt. Danach wurde der Gutachterin durch einen Beschluss der Kammer im vergangenen September eine letzte Frist zur Erstattung des Gutachtens gesetzt und bei Verstreichen dieser Frist die Festsetzung eines Ordnungsgeldes angedroht.

Kasselmann blickt Beweisaufnahme entspannt entgegen

Die Rechtsanwältin des Hofs Kasselmann, Dagmar Borchers, ging noch im vergangenen Oktober von einem positiven Gutachten für den Züchter aus Hagen a.T.W. aus. Am Mittwoch vor der Fortsetzung der Verhandlung sagte sie: „Wir sind ganz sicher, dass das Pferd zum Zeitpunkt des Ankaufs durch die Klägerin vor vier Jahren mangelfrei war und blicken der Beweisaufnahme vor dem Landgericht am Freitag relativ entspannt entgegen.“

Klägerin ließ Gutachten überprüfen

Die Klägerin ließ das Gutachten selbst gutachterlich überprüfen. Für die Vorsitzende Richterin gab es bei dem fast 30-seitigen Gutachten noch Klärungsbedarf, weshalb die Akte im Januar zur Sachverständigen nach Hannover zurückgeschickt wurde, um ergänzende Fragen zu beantworten. Allerdings bleiben auch nach diesem Ergänzungsgutachten noch Fragen offen, weshalb die Sachverständige, die den Wallach Londontown S drei Wochen untersucht hatte, zur Verhandlung des Zivilprozesses am kommenden Freitag, 11:15 Uhr, Saal 189 des Osnabrücker Landgerichts, geladen wurde.

( Weiterlesen: Kasselmann sieht positives Gutachten im Streit um lahmes 900.000-Euro-Pferd)

Zwei Zeugen äußern sich zum Gesundheitszustand des Pferdes

Das Gutachten wird für das Urteil der Richterin wohl entscheidend sein. Neben der Sachverständigen sind zwei weitere Zeugen geladen, die Angaben zum Gesundheitszustand des Pferdes vor dem Verkauf machen sollen. Einer davon ist Tierarzt, der Beruf der anderen Zeugin war dem Sprecher des Landgerichts, Sebastian Hohdorf, am Mittwoch noch nicht bekannt.

Rechtsanwalt der Klägerin: Viele Anhaltspunkte für Mängel schon vor dem Kauf

Der Rechtsanwalt der Schweizer Klägerin, Martin Kramer, bewertet das Gutachten auf Anfrage unserer Redaktion anders als die Rechtsanwältin des Hofs Kasselmann und spricht von vielen Anhaltspunkten für festgestellte Mängel, „die auf das Datum des Kaufs im Jahr 2013 zurückzudatieren“ seien. In einigen entscheidenden Punkten sei das Gutachten jedoch noch unklar. „Der Ausgang der Verhandlung ist somit noch völlig offen und hängt von den Antworten der Gutachterin in den kritischen Punkten ab“, betont Kramer.

( Weiterlesen: Lahmes 900.000-Euro-Pferd: Gütliche Einigung scheitert)

Eine Schweizer Dressurreiterin wirft dem Hagener Pferdehändler vor, im September 2013 ein krankes Pferd verkauft zu haben. Die Klägerin hatte in der Auftaktverhandlung Ende September davon gesprochen, dass sie bereits bei der Ankaufuntersuchung auf eine Schwellung am vorderen rechten Bein hingewiesen habe, an dem das Pferd nun lahmt. Der Tierarzt habe das damals aber lediglich als Galle beschrieben, die kein gesundheitliches Problem darstelle. Der Wallach, mit dem sie eigentlich auf Grand-Prix-Ebene reiten wollte, lahmt inzwischen und wird ärztlich behandelt. Deshalb will die Klägerin das Pferd zurückgeben.

892.500 Euro für „Londontown S“ bezahlt

Im Zusammenhang mit der Rückabwicklung des Kaufvertrages fordert sie die 750.000 Euro, die sie netto für das Dressurpferd bezahlt hat, und 50.000 Euro für weitere Kosten wie Pflege, Transport, Unterhaltung und Heilbehandlung zurück. Die Schweizerin hatte 750.000 Euro netto und inclusive Steuern sogar 892.500 Euro für „Londontown S“ bezahlt. Zudem verlangt sie von dem Tierarzt Schadenersatz, der die Ankaufuntersuchung durchgeführt hatte, weil er wesentliche Gesichtspunkte übersehen habe oder die Ergebnisse der Untersuchung nicht vollständig offengelegt habe.


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