Auf Bauernhof in Gretesch Drama um Osnabrücker Steinkauzfamilie

Von Vincent Buß

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


vbu Osnabrück Steinkäuze sind in Niedersachsen vom Aussterben bedroht. Dagegen kämpft eine Gruppe Naturschützer an – und erlebte auf einem Gretescher Hof Höhen und Tiefen.

Zehn Jahre lang hing eine Nisthilfe für Steinkäuze auf dem Bauernhof von Richard Voss, doch kein Exemplar der Eulenart ließ sich blicken. „Ich war verzweifelt und dachte, das hat hier keinen Zweck“, sagt Friedhelm Scheel von der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz Tecklenburger Land (ANTL). Er koordiniert die Jugendgruppe, die die Bruthilfe angebracht hatte – und schließlich wieder abbaute.

(Weiterlesen: Naturschutzjugend: 73 Steinkauzpaare in Westerkappeln)

Doch vor zwei Jahren tat sich etwas. Landwirt Voss erinnert sich: „Ich hörte früh morgens oft Vogelstimmen, die ich nicht einordnen konnte.“ Also rief er Scheel an. „Ich war natürlich wie elektrisiert“, berichtet der Naturschützer. Sofort hängten die Jugendlichen und er die Nisthilfe wieder in einem Obstbaum auf. Und es lohnte sich: Im Juni dieses Jahrs entdeckten sie darin zwei Jungvögel.

Landwirtschaft verdrängt Steinkäuze

Eigentlich nisten Steinkäuze in Stammlöchern, insbesondere von Obstbäumen. Die gibt es aber kaum noch, weil sich die Landwirtschaft immer weiter ausgebreitet hat, wie Scheel sagt. Also hängt die ANTL spezielle Röhren auf. In denen brütet die Eulenart dem Naturschützer zufolge sogar lieber als in Baumlöchern, weil sie enger, dunkler und besser vor Mardern geschützt sind. Ein Großteil der Steinkäuze in der Region nutze die Röhren, sagt der Eulenexperte. Dass Scheel sich im Vorfeld mit den Landwirten abspricht, gefällt Richard Voss. „Als Jäger weiß ich, dass die moderne Landwirtschaft einige Tiere verdrängt.“

(Weiterlesen: Bundesamt warnt: Agrarwende muss Vögel und Insekten retten)

Während Steinkäuze in Niedersachsen als vom Aussterben bedroht gelten, sind sie in Nordrhein-Westfalen „nur“ im Bestand gefährdet. So brüten in Westerkappeln nach Angabe der ANTL seit Jahren besonders viele Exemplare: 2016 waren es 54 Paare im Vergleich zu 12 in Osnabrück. Allerdings haben die Tecklenburger Naturschützer in ihrer Heimatregion auch fast drei Mal so viele Nisthilfen angebracht wie in Osnabrück. „Wir bringen die Steinkäuze über die Landesgrenze“, verspricht Scheel und lacht. Das scheint zu funktionieren: Im vergangenen Jahr nisteten besonders viele Tiere sowohl im nordrhein-westfälischen als auch im niedersächsischen Teil der Grenzregion.

(Weiterlesen: Steinkäuze akzeptieren Nistkästen auch in der Stadt)

Der Bauernhof Voss bietet besonders gute Rahmenbedingungen – denn dort leben auch Pferde. Auf Weideland finden Steinkäuze viel Nahrung, unter anderem Würmer und Mistkäfer. Waldstücke sollten etwas entfernt liegen, weil der Waldkauz laut Scheel „der ärgste Fressfeind“ ist. Wenn es dann noch Obstbäume oder Nisthilfen gibt, ist die Lage für Steinkäuze besonders attraktiv.

Jungtiere verloren

Gefahren lauern für die Eulenart auf Bauernhöfen trotzdem. Im vergangenen Monat verirrten sich drei Steinkäuze in den Schornsteinschacht. Voss konnte ein Tier retten und das sogar zwei Mal. Er vermutet, dass es die Mutter war, die in der Nisthilfe gebrütet hatte und ihre Jungen suchte. Doch für die beiden war es zu spät. Daraufhin ließ der Landwirt den Schornstein vergittern. Für seinen beispielhaften Einsatz für die Vögel bekommt Voss von Scheel viel Lob.

Nun ist die Nistzeit vorbei und die Röhren leer. Doch die Elterntiere bleiben meist in ihrem Revier und nutzen die Bruthilfen im kommenden Frühjahr erneut. Landwirt Voss hört in der Dämmerung noch immer einen Steinkauz rufen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN