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26.07.2017, 13:57 Uhr PROZESS IN OSNABRÜCK

IRA-Attentäter darf auf mildes Urteil hoffen

Kommentar von Wilfried Hinrichs

Prozessauftakt zum Anschlag der paramilitärischen Organisation PIRA auf die Quebec-Barracks am 28.6.1996 in Osnabrück. Foto: Michael GründelProzessauftakt zum Anschlag der paramilitärischen Organisation PIRA auf die Quebec-Barracks am 28.6.1996 in Osnabrück. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Das Verfahren gegen den IRA-Attentäter von Osnabrück hat gerade erst begonnen, aber das Urteil ist in Konturen schon erkennbar. Es wird ein mildes Urteil werden.

Unklar sind wohl nur noch die Details und die Frage, wie viel Monate der Attentäter von Osnabrück noch absitzen muss. Die Schwurgerichtskammer hat schon am ersten Tag klug und mit Augenmaß einen möglichen Ausweg aus einem Dilemma gewiesen.

428 Mörder und Bombenleger sind nach dem nordirischen Friedensabkommen von 1998 begnadigt worden. Nur die Täter, die in Deutschland schuldig wurden, werden weiter verfolgt. Rechtlich betrachtet, ist das in Ordnung, wir reden schließlich von versuchtem Mord. Menschlich gesehen, passt da was nicht.

Der Attentäter hat mit dem Geständnis und seiner Lossagung von der Gewalt den Schritt gemacht, der es dem Gericht erlaubt, nach minutiöser Aufklärung des Tathergangs Milde walten zu lassen. Und ein weiterer Strafnachlass wird mit der jahrelangen Untätigkeit des Bundeskriminalamtes und der Bundesanwaltschaft leicht zu begründen sein. Zehn Jahre reagierten sie nicht auf den Hinweis von Interpol. Der Vorsitzende Richter hat durchblicken lassen, das man darin eine „rechtsstaatswidrige Verfahrensverzögerung“ sehen kann, die weiteren Strafrabatt nach sich zieht.

So deutet alles auf einen schiedlich-friedlichen Ausgang hin – ganz im Sinne des Friedensprozesses.


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