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Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten Osnabrücker Gymnasiastin erforscht Schulstreit von 1595

Von Vincent Buß

In die Geschichte des Carolinums tauchte Nele Hebbeler ein und hat mit ihrer Schülerforschungsarbeit über das Osnabrücker Gymnasium Chancen auf den Bundessieg im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Foto: Gert WestdörpIn die Geschichte des Carolinums tauchte Nele Hebbeler ein und hat mit ihrer Schülerforschungsarbeit über das Osnabrücker Gymnasium Chancen auf den Bundessieg im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Foto: Gert Westdörp

vbu Osnabrück. Für eine Schülerforschungsarbeit über das Osnabrücker Gymnasium Carolinum ist Nele Hebbeler tief in die Archive getaucht. Beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gehört die 17-Jährige damit zu den Anwärtern auf den Bundessieg.

Während des Geschichtsunterrichts erzählte Neles Lehrer von Landesarchiv-Akten über das Carolinum aus der Reformationszeit, die sich noch nie jemand angesehen habe. Das weckte das Interesse der Elftklässlerin und passte zufällig perfekt zum Thema des diesjährigen Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten: „Gott und die Welt – Religion macht Geschichte“. Ein Bezug zur eigenen Familie oder Region war ausdrücklich erwünscht. Mehr als 1600 Beiträge wurden bei der 25. Ausgabe des Wettbewerbs eingereicht. Das Teilnehmerfeld reichte von Erstklässlern bis zu Abiturienten, manche traten einzeln an, andere in Gruppen.

Schwere Arbeit im Archiv

Die Gymnasiastin machte sich auf ins Archiv und fand ein handschriftliches Protokoll über den Osnabrücker Schulstreit von 1595. Sie versuchte, es zu entziffern. Das Problem: Die Sprache des Dokuments wechselte zwischen Latein und Deutsch. „Die deutsche Sprache folgte anscheinend keiner Grammatik“, berichtet Nele, „es wurde zum Beispiel wahllos groß- oder kleingeschrieben.“ Außerdem waren der 17-Jährigen viele Wörter unbekannt. Und weil es sich um ein handschriftliches Protokoll handelte, erschwerten Tintenflecken und Schmierereien die Lesbarkeit.

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„Anfangs war das sehr frustrierend: Ich saß fünf Stunden über dem Protokoll und habe trotzdem nichts verstanden“, erinnert sich Nele. Dann begann sie, sich Buchstabe für Buchstabe vorzuarbeiten. „Ich hatte auch eine helfende Hand im Archiv, aber später konnte ich den Text selbst entziffern.“

Carolinum vs. Ratsgymnasium

So fand die Gymnasiastin einiges über den damaligen Schulstreit heraus: Weil die Osnabrücker im Zuge der Reformation eine evangelische Alternative zum katholischen Carolinum verlangten, wurde die Ratsschule gegründet. Dadurch bekam das Carolinum Angst vor sinkenden Schülerzahlen und begann, Schüler beider Konfessionen aufzunehmen. Die Ratsschule wurde wieder geschlossen. „Aber ein erzkatholischer Rektor schmiss alle evangelischen Schüler und Lehrer raus“, erklärt Nele. Daraufhin öffnete die Ratsschule erneut – das heutige Ratsgymnasium. „Die Rivalität merkt man bis heute, aber natürlich nicht in der Form von damals“, sagt die Schülerin lachend.

>An ihrem Wettbewerbsbeitrag arbeite Nele von August bis Februar parallel zur Schule. Bis zu zweimal pro Woche recherchierte sie im Archiv und schrieb ab Januar jeden Tag bis zu drei Stunden an der Arbeit. Das machte ihr sogar Spaß: „In der Schule fehlt die Arbeit mit historischen Quellen, die weder übersetzt noch leserlich gemacht wurden.“

Beim Geschichtswettbewerb wurden bundesweit 250 Förderpreise á 100 Euro vergeben und 250 Teilnehmer als Landessieger mit je 250 Euro ausgezeichnet. Aus Letzteren werden 50 Bundessieger bestimmt und am 22. November ins Schloss Bellevue eingeladen. Als eine der Landessiegerinnen ist Nele noch im Rennen.

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