Bauabsichten am Corneliusweg Kleingärtner am Westerberg wollen Parzellen nicht aufgeben

Von Rainer Lahmann-Lammert

Sie wollen, dass am Corneliusweg nicht gebaut wird:  Kleingärtner und Anwohner wehren sich gemeinsam gegen die Pläne der Stadt. Foto: Hermann PentermannSie wollen, dass am Corneliusweg nicht gebaut wird: Kleingärtner und Anwohner wehren sich gemeinsam gegen die Pläne der Stadt. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Wie ein grüner Teppich ragt die Freifläche am Corneliusweg 300 Meter tief in das bunte Häusermeer am Westerberg. Stadtplaner kalkulieren, dass etwa 20 Wohnungen auf dem schmalen Streifen platziert werden könnten – eine Aussicht, die den Nachbarn gar nicht gefällt.

Seit 80 Jahren werde in den Kleingärten zwischen dem Corneliusweg und der Richard-Wagner-Straße schon Gemüse angebaut, erzählt Gerd Jerosch, der diese Tradition mit seiner Familie noch möglichst lange fortsetzen möchte. Bio-Gemüse, betont seine Ehefrau Beate, nur mit Hilfe von Kompost und organischem Dünger und natürlich ohne Pflanzenschutzmittel.

Ostereier verstecken

Die Jeroschs wohnen gegenüber am Lieneschweg und kämpfen gemeinsam mit Nachbarn und Kleingärtnern für den Erhalt des grünen Zipfels. Sie alle haben ganz spezielle Gründe, dass dieses Fleckchen Erde unangetastet bleiben soll. Weil es auf dem höheren Abschnitt noch eine richtige Rodelwiese gibt, weil in den Lauben Ostereier versteckt und Kindergeburtstage gefeiert werden und weil in manchen Parzellen schon Igel oder Hasen beobachtet wurden. Richtige Hasen, keine Kaninchen, wie auf Nachfrage beteuert wird.

Elke Nagel geht es um den Rucola, die Radieschen, das nette Miteinander und das Vogelgezwitscher. Barbara Heilig spricht von einem „extremen Erholungswert“, den ihr der Kleingarten beschere. 125 Liter Apfelsaft habe sie im vergangenen Jahr geerntet, dazu eine Menge Pflaumen und Mirabellen. Das kleine Idyll ist für sie die Gegenwelt zum Wohnungsbauprogramm der Stadt, von dem sie sich ausrechnet, dass dann noch mehr Autos in ihr Quartier drängen. So gehe die Lebensqualität nach und nach verloren, gibt sie zu bedenken, und die Leute wunderten sich, dass sie immer kranker würden.

Kleinvieh und Stadtklima

Unverständlich finden die Nachbarn vom Corneliusweg, dass die Stadt ihren Grüngürtel für den Wohnungsbau opfern will, obwohl ganz in der Nähe am Lieneschweg Wohnraum vernichtet wurde. Ein Haus mit sechs Wohnungen sei abgerissen worden, und nun stehe dort ein luxuriöser Bau für nur zwei Menschen, kritisiert Anlieger Volker Lüdemann. Sein Fazit: „Die High Society braucht noch mehr Platz!“

Für die Stadt lohne sich die Planung am Corneliusweg doch gar nicht, meint Matthias Pufe, der in seiner Kleingartenparzelle vier Bienenstöcke aufgestellt hat – „wegen der paar Häuser!“

Stadtplaner Franz Schürings sieht das anders. „Kleinvieh macht auch Mist!“, lautet sein Argument, wenn es um die zahlenmäßige Betrachtung geht. Das Ziel, 3000 neue Wohnungen bis 2020 zu schaffen, lasse sich nur erreichen, wenn an vielen Stellen gleichzeitig Neues entstehe. Der Leiter des Fachbereichs Städtebau weist darauf hin, dass die Planung für den Corneliusweg noch ganz am Anfang stehe und dass es von den weiteren Untersuchungen abhänge, wie die Weichen gestellt würden.

Als Trumpfkarte könnte sich für die Bebauungsgegner die Klimastudie erweisen, die bei künftigen Projekten herangezogen werden soll. Ratsherr Paul Meimberg von der SPD hat in Erfahrung gebracht, dass die grüne Schneise an heißen Tagen kühle Luft vom Westerberg ins Wohnviertel strömen lasse. Ein Temperaturunterschied von zwei Grad sei die Folge. So ein Wert habe schon eine Bedeutung für das Stadtklima, folgert der Politiker. Er will die Pläne für ein Wohnprojekt am Corneliusweg jedenfalls nicht unterstützen.


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