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Kompliziertes System Warum ist Saft in Plastikflaschen pfandfrei?

Von Vincent Buß

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Für diese Plastikflaschen sind 25 Cent Pfand fällig. Saftflaschen aus Kunststoff, die sich kaum unterscheiden, sind pfandfrei. Foto: dpaFür diese Plastikflaschen sind 25 Cent Pfand fällig. Saftflaschen aus Kunststoff, die sich kaum unterscheiden, sind pfandfrei. Foto: dpa

Osnabrück . Pfandrückgaben im Getränkemarkt können für Überraschungen sorgen. Bestes Beispiel sind Saftflaschen: Für manche gibt es Pfand, andere spuckt der Automat sofort wieder aus. Schützt das komplizierte Pfandsystem zumindest die Umwelt?

Osnabrücker Getränkehändler bemerken die Verwirrung der Kunden. „Für die meisten ist das Pfandsystem kaum überschaubar“, berichtet Andreas Kelm, Geschäftsführer von Getränke Hoffmann an der Hannoverschen Straße in Osnabrück. „Viele kommen durcheinander.“ Warum es manchmal mehr und manchmal weniger Pfand gebe, wollen die Kunden dann von ihm wissen.

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Die Antwort: In Deutschland gibt es zwei Arten von Pfand – Einweg für 25 Cent und Mehrweg für meist 15 Cent. Bei Letzterem werden die Flaschen nach Rückgabe gespült und neu befüllt. Einwegverpackungen hingegen – egal ob Dose, Plastik- oder Glasflasche – werden zerkleinert und das Material größtenteils wiederverwertet. Klar zu unterscheiden sind die beiden Arten nicht immer, bis auf ein paar Ausnahmen: Dosen sind immer Einweg, weiche PET-Flaschen meistens auch. Sie tragen zudem häufig das Logo der Deutschen Pfandsystem GmbH (DPG). Mehrwegflaschen müssen jedoch nicht gekennzeichnet sein.

Worauf kein Pfand erhoben wird

Pfandfreie Ausnahmen gibt es auch. Flaschen, die weniger als 0,1 oder mehr als drei Liter fassen, müssen über den Gelben Sack beziehungsweise Glasmüll entsorgt werden. Denn weder existiere eine Mehrwegalternative für sie noch passten sie aufgrund ihrer Größe in die Automaten, erklärt das Bundesumweltministerium in einem Infoschreiben von 2014 über die Pfandpflicht. Getränkekartons, Schlauch- und Standbeutelverpackungen sind ebenfalls pfandfrei, weil sie als „ökologisch vorteilhaft“ gelten.

Aber auch der Inhalt kann eine Rolle spielen. Wenn Dosen oder Einwegflaschen aus Glas oder Kunststoff gefüllt sind mit Orangen- und anderen Säften, Getränken mit einem Milchanteil von über 50 Prozent, Wein, Spirituosen oder Diätgetränken, entfällt das Pfand ebenfalls. Das Bundesumweltministerium begründet das mit „einem unangemessenen Verhältnis zwischen ökologischem Nutzen und dem Aufwand der Einrichtung eines Rücknahme- und Pfandsystems.“ Das rechne sich nur ab einem bestimmten Marktvolumen der Getränke.

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Sascha Roth, Referent für Umweltpolitik beim Naturschutzbund Deutschland (NABU), ergänzt, dass Einwegplastikflaschen für Säfte – nicht jedoch zwangsweise für Schorlen – aus einem bestimmten Material bestünden, das getrennt von anderen PET-Flaschen entsorgt werden müsse. Deshalb gehören sie in den Gelben Sack. Dosen mit und ohne Pfand sind ihm zufolge vom Material her gleich – egal, ob sie Wein oder Limonade beinhalten. „Die Trennung macht dort also keinen Sinn“, so der Experte.

Was sind die umweltverträglichsten Flaschen?

Der NABU hält Mehrwegplastikflaschen für die umweltfreundlichsten Verpackungen, gefolgt von der Glasvariante. Zwar können beide oft neu befüllt werden, doch sind die PET-Verpackungen leichter und damit ökologischer zu transportieren. Wegen der hohen Recyclingquote werden auch Getränkekartons befürwortet. An Einwegkunststoffflaschen kritisiert der NABU, dass jedes neue Exemplar nur zu etwa 28 Prozent aus alten bestehe und ein Teil des abgegebenen Pfandguts gepresst exportiert werde. Und bei Einwegglasflaschen und Dosen sei der Energieverbrauch in der Produktion zu hoch.

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Das Einwegpfandsystem wurde 2003 eingeführt, um ökologischere Mehrwegverpackungen wieder attraktiver zu machen. Weil Einwegflaschen und -dosen im Vergleich günstiger waren, war ihr Marktanteil stetig gestiegen. „Durch das Pfand hat die Vermüllung von Städten und Natur abgenommen“, sagt Roth. Außerdem sei ein Recyclingsystem entstanden, das sortenreiner und damit effektiver als der Gelbe Sack sei.

(Weiterlesen: Einweg gegen Mehrweg: Ärger um die Wegwerf-Flaschen)

Doch einer aktuellen Studie des Umweltbundesamts zufolge konnte der Trend zu Einwegflaschen und -dosen bisher nicht gestoppt werden. Dem Geschäftsführer von Getränke Hoffmann fällt jedoch etwas auf: „Umwelt- und gesundheitsbewusste Kunden greifen zur Glasflasche.“

(Zur Themenseite „Plastikmüll“)


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