Serie „Die Kunden und ich“ Osnabrücker Detektive über Matula und einen kuriosen Fall

Von Nadine Grunewald

Alf und Adolf Emminghaus haben ein Detektivbüro in Osnabrück. Damit sie bei ihren Fällen nicht erkannt werden, dürfen keine Fotos von ihnen veröffentlicht werden. Foto: Gert WestdörpAlf und Adolf Emminghaus haben ein Detektivbüro in Osnabrück. Damit sie bei ihren Fällen nicht erkannt werden, dürfen keine Fotos von ihnen veröffentlicht werden. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 40: zwei Detektive.

Seit 1961 betreibt Alf Emminghaus (86 Jahre) sein Detektivbüro in Osnabrück. Einige Jahre später ist sein Sohn Adolf (47) miteingestiegen. Im Interview erzählen sie von ihren Kunden und wie sie lange Observationen durchhalten.

Warum sind Sie Detektiv geworden?

Alf Emminghaus: Ich hatte als junger Mann die Gelegenheit, die Arbeit in einer Osnabrücker Detektei kennenzulernen und habe dann dort als Angestellter angefangen. Das war eine gute Vorbereitung für die spätere Selbstständigkeit. Mein Sohn hat schon seit seiner Schulzeit intensiv mitgearbeitet, nachdem er bereits als kleiner Junge, damals nur zur Tarnung, zu einzelnen „Einsätzen“ gekommen war.

Wie wird man überhaupt Detektiv?

Adolf Emminghaus: Ein Lehrberuf ist das nicht. Es gibt ein paar Detektive, die Praktikanten ausbilden. Die Praxis ist sehr wichtig, bei der theoretischen Ausbildung unterstützt etwa der Bundesverband Deutscher Detektive (BDD). Schon der Start in den Detektivberuf erfordert aber regelmäßig ein großes Maß an Eigeninitiative, Flexibilität und Beharrlichkeit, alles Fähigkeiten, die den Beruf insgesamt auszeichnen.

Alf Emminghaus: In den 1960er Jahren, als ich mich selbstständig machte, waren zumindest die im BDD zusammengeschlossenen Detektive zu 70 oder 80 Prozent ehemalige Kriminalbeamte. Die waren fachlich natürlich hervorragend qualifiziert. Heute ist der Anteil geringer, die Kollegen kommen mit ganz unterschiedlicher Vorbildung und Motivation in den Beruf.

Wie viel von Fernsehdetektiven wie Matula steckt in Ihnen?

Adolf Emminghaus: In Serien nehmen Detektive allzu oft keine Rücksicht auf das Gesetz und die Fallbearbeitung wird dramaturgisch komprimiert. Im wahren Leben läuft das anders ab. Da gibt es viel Warterei, man muss Geduld haben. Teilweise ist es kleinteilige Puzzlearbeit.

Wer sind Ihre Kunden?

Alf Emminghaus: Der größte Teil kommt aus der Wirtschaft. Das reicht von der Großindustrie bis zum Einzelhandel. Es geht um Unterschlagung, Betrug, Diebstahl oder darum, ob Mitarbeiter Informationen unerlaubt von einem Arbeitgeber an den nächsten weitergeben. Im Privatbereich geht es um Unterhalts- oder Sorgerechtsfragen oder die Suche nach vermissten Personen oder zugriffsfähigem Vermögen.

Wie häufig wollen Kunden von Ihnen herausfinden lassen, ob ihr Partner fremdgeht?

Adolf Emminghaus: Das kommt relativ selten vor. Grundsätzlich muss der Auftraggeber uns sein berechtigtes Interesse darlegen, damit wir tätig werden können. Das ist bei Beziehungen aber oft nicht gegeben. In solchen Fällen sind Auftraggeber auch bei bester Arbeit schwer vollständig zufriedenzustellen: Entweder wir stellen fest, dass alles in Ordnung ist, dann ist es ihnen etwas schade ums Geld. Oder wir bestätigen den Verdacht, was verständlicherweise auch auf die Stimmung drückt.

Lehnen Sie dann auch Fälle ab?

Alf Emminghaus: Das kommt vor. Häufig fehlt es dann am berechtigten Interesse, das wiederum zumeist bei Anfragen im Privatbereich, wir haben es ja gerade angesprochen.

Adolf Emminghaus: Wenn es um Gewaltverbrechen oder staatsgefährdende Sachen geht, schicken wir die Leute zur Polizei oder dem Verfassungsschutz. Wir sind da gut vernetzt und können vielfach direkt Ansprechpartner benennen. Natürlich kommt es vor, dass auch in solchen Fällen unsere Hilfe begleitend in Anspruch genommen wird, etwa bei der Suche nach Zeugen. Immer häufiger werden auch heimliche Vaterschaftstests gefordert. Die sind in Deutschland nicht erlaubt, entsprechende Anfragen müssen wir also auch ablehnen.

Wie halten Sie es durch, wenn Sie jemanden stundenlang observieren müssen?

Adolf Emminghaus: Das ist eine Frage der Kondition und des Willens und unterscheidet sich sehr von dem, was man im Fernsehen zum Thema geboten bekommt. Am wichtigsten ist es natürlich, nicht aufzufallen. Das wird auch bei dem immer dichter werdenden Straßenverkehr immer schwieriger. Früher konnte man fünf, sechs Autolängen Abstand halten, heute muss man häufig näher dran sein, um die Zielperson nicht zu verlieren. Man kann sich auch nicht immer mit mehreren Teams abwechseln.

Sind Sie schon mal aufgeflogen?

Alf Emminghaus: Es ist schon mal vorgekommen, dass wir eine Observation abbrechen mussten, um genau das zu verhindern. Bei der Recherche ist es mit entsprechender Vorbereitung gut vermeidbar.

Was gehört denn zu Ihrer Grundausrüstung?

Alf Emminghaus: Eigentlich nur ein scharfer Verstand, ein Handy und ein Computer. Der Rest ist von Fall zu Fall unterschiedlich: Manchmal braucht man Videoaufzeichnung, mal ein Auto, mal ein Fahrrad... Ganz wichtig ist der Kontakt zu Spezialisten, die jene Bereiche bearbeiten, wo uns das spezifische Know-how fehlt, etwa bei Auslandsrecherchen, in der IT-Forensik oder bei der Spurenanalyse im Labor.

Was war Ihr kuriosester Fall?

Alf Emminghaus: Gerade die kuriosen Fälle haben leider einen hohen Wiedererkennungswert. Deshalb können wir sie nicht nennen. Es gab aber zum Beispiel einen Fall, bei dem es um Versicherungsbetrug ging. Im Gericht haben wir gesehen, wie die Person im Rollstuhl in den Saal geschoben wurde – ein paar Tage vorher haben wir denjenigen noch Fußball spielen sehen. Da fragt man sich schon, wo die Leute diese Frechheit hernehmen.

Wollen Ihnen Ihre Kunden manchmal erzählen, wie Sie einen Fall zu lösen haben?

Adolf Emminghaus: Auch das gibt es, wenn auch sehr selten. Die realitätsferne Darstellung unseres Berufes in den diversen einschlägigen Fernsehserien mag da eine Rolle spielen. In aller Regel kann man den Klienten aber davon überzeugen, dass unsere Vorgehensweise fachlich sinnvoller und erfolgversprechender ist. Es kommt auch schon mal vor, dass unser Auftraggeber lieber einen anderen Schuldigen gehabt hätte als den, den wir ermittelt haben. Manchmal sollen wir dann aufhören, weil möglicherweise etwas ans Licht kommen würde, das der Auftraggeber lieber geheim halten möchte. Ab da lassen wir dann auch die Finger davon...