Nach langer Vorgeschichte eröffnet 1994 ging das Museum Industriekultur an den Start

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Aus einer Ruine wurde das Hauptgebäude für das Museum Industriekultur: Der Haseschacht. Foto: Archiv NOZAus einer Ruine wurde das Hauptgebäude für das Museum Industriekultur: Der Haseschacht. Foto: Archiv NOZ

Osnabrück. Zu den Wegbereitern des Museums Industriekultur am Piesberg gehören Fabrikant Wilhelm Karmann und der damalige Chef vom Dienst des „Osnabrücker Tageblattes“ Hans Wolfgang Kindervater, die bereits 1966 Ideen für ein Wirtschafts- und Gewerbemuseum skizzierten. Als mögliche Standorte wurden die leerstehende Eisengießerei Ortmann an der Buerschen Straße und ein Anbau an die Staatliche Ingenieurschule an der Albrechtstraße erwogen.

1981 rückte das weitgehend verfallene, aber denkmalgeschützte ehemalige Haseschachtgebäude am Piesberg in den Fokus. Im neuromanischen Rundbogenstil 1870/71 errichtet, diente es einst der Unterbringung der Maschinen, die für den Betrieb einer Schachtanlage für die Steinkohlegewinnung notwendig waren. Wegen Wasserhaltungs- und anderer Problemen war der Kohleabbau bereits 1898 eingestellt worden. In der Folgezeit waren im Gebäude ledige Steinbrucharbeiter, im Krieg russische Kriegsgefangene und nach dem Krieg schlesische Flüchtlingsfamilien untergebracht. Steinbruchbetreiber Klöckner-Durilit hatte keine Verwendung mehr für das Gebäude und übereignete es der Stadt.

Der städtische Kulturausschuss sprach sich bereits 1981 dafür aus, hierin ein Industriemuseum zu errichten. Der Rat zögerte jedoch zunächst, einen entsprechenden Beschluss zu fassen, da er keine Finanzierungsmöglichkeit sah. Ungeachtet dessen machten sich Museumshistoriker Karl-Georg Kaster und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter, der gelernte Installateur und studierte Sozialhistoriker Rolf Spilker, als „Maschinenstürmer“ an die Arbeit. Bei Industriebetrieben der Region sammelten sie alles an alten Maschinen ein, „was schwer ist und sich dreht“, um es vor der Verschrottung zu bewahren.

1985/86 gaben Stadt und Land 0,8 Millionen DM für die Gebäudesicherung. Das Land machte weitere Mittel locker, als das Deutsche Museum München 1988 in einem Gutachten feststellte, dass der Haseschacht zu den fünf wertvollsten Industriedenkmalen Niedersachsens gehöre. Der heutige Museumsdirektor Spilker bekam eine feste Anstellung als Projektleiter für den Aufbau des Museums. Der 1990 gegründete Förderverein half ideell und finanziell, Mitgliedsunternehmen spendeten Dienstleistungen wie Kran-, Transport- und Reparaturarbeiten.

Viele Fördertöpfe wurden angezapft, um den Museumsausbau zu vollenden. Mit 2,3 Millionen DM kostete er nur ein Zehntel der Summe, die für den Neubau des Naturkundemuseums am Schölerberg aufgewendet wurde. Am 30. September 1994 fand die feierliche Eröffnung durch die niedersächsische Wissenschaftsministerin Helga Schuchardt statt.

Für Spilker und sein Team war damit nur eine erste Etappe erreicht. Weitere Ausbauschritte wie die Wiederöffnung von Schacht und Hasestollen oder die Herrichtung des Magazingebäudes für Wechselausstellungen waren längst in der Planung.


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