Gru? Dru! Nonstop Nonsens: „Ich - Einfach unverbesserlich 3“

Von Frank Jürgens


Osnabrück Im erneut überdrehten Filmspaß „Ich – Einfach unverbesserlich 3“ trifft Ex-Obergauner Gru auf seinen Zwillingsbruder und den schlechten Geschmack der 80er.

Die 1980er Jahre waren ein schlimmes Jahrzehnt voller Geschmacksverirrungen. Schulterpolster, Karottenjeans und ähnliche unfassbare Modesünden beherrschten den Massengeschmack genauso wie unglaublich schlechte, aber erfolgreiche Fernsehserien. Eine davon, und jetzt sind wir bereits im dritten Teil von „ Ich – Einfach unverbesserlich „, trug den Titel „Evil Bratt“. Hier konnte sich Kinderstar Balthazar Bratt nach Herzenslust austoben. Aber sein junger Starruhm sollte nicht lange währen. Die Pickel der Pubertät sorgten dafür, dass seine Show nach nur drei Staffeln abgesetzt wurde.

Auch wenn der dadurch böse gewordene Bratt äußerlich in den 80ern hängen geblieben ist, ist ihm immerhin der Aufstieg zum Superschurken gelungen. Als solcher wird er nun vom Ex-Oberganoven Gru, mittlerweile als Geheimagent für die Antischurkenliga „AVL“ tätig, gejagt. Aber weil Gru versagt, landet er erst einmal in der Arbeitslosigkeit.

Anarchischer Humor

Es ist erstaunlich, mit welcher relativen Frische die Macher des Franchise-Produktes rund um den unverbesserlichen Gru und seineMinionsimmer noch zur Sache gehen. Auch wenn zumindest das etwas ältere Publikum den anarchischen Humor der Filmreihe mit einer gewissen Selbstverständlichkeit erwartet, die es schwer macht, ihn dann auch wirkungsvoll zu platzieren, funktioniert er nach wie vor mit zwerchfellerschütternder Präzision.

Erneut beweist Chefregisseur Pierre Coffin ein gutes Gespür für das richtige Timing seiner gelungenen Mischung aus anspielungsreichem Actionklamauk und abwechslungsreicher Nummernrevue, die natürlich wieder von den kleinen, gelben Minions mit Bravour gemeistert wird. Die, soviel sei verraten, diesmal doch glatt den Aufstand gegen ihren großen Meister proben und als unangemeldete Teilnehmer einer Gesangsshow sogar im Knast landen!

Zwillingsbruder mit Haaren auf dem Kopf!

Aber der Kern der Handlung dreht sich um das Thema Familie. Gru lernt doch tatsächlich seinen Zwillingsbruder Dru kennen. Dru hat nicht nur Haare auf dem Kopf, die ihm eine gewisse Ähnlichkeit mit dem derzeitigen US-Präsidenten verleihen. Er ist auch ein ziemlich tollpatschiger Möchtegern, der nur dank seines Vaters zu Reichtum ohne Ruhm gekommen ist und nun gerne als Oberschurke berühmt werden würde. Dummerweise ist er schon mit dem Diebstahl zweier Lollies überfordert.

Mit allenfalls geringfügigen Abnutzungserscheinungen im Franchise-Produkt gelingt Coffin erneut eine sehenswerte Gratwanderung zwischen pointiertem Klamauk, putziger Familiengeschichte und wildem Agentenabenteuer. Dabei schafft er es sogar, einen nostalgischen Hauch der 80er Jahre zu verbreiten, der nicht nervt. So erfüllt auch diese Fortsetzung wieder den unausgesprochenen Anspruch, Nonstop Nonsens im Sekundentakt zu produzieren, der die jüngeren Zuschauer nicht über- und die älteren nicht unterfordert. Oder, um es mit dem Titel einer deutschen TV-Show der 80er zu formulieren, der auch von den Minions stammen könnte: „ Bananas „!