Gedenktag am 21. Juli Acht Menschen in Osnabrück durch Drogenkonsum gestorben

Ein Gedenkstein an der Gertrudenkirche erinnert in Osnabrück an die Schicksale der Menschen, die durch den Konsum von Drogen ums Leben gekommen sind. Foto: David EbenerEin Gedenkstein an der Gertrudenkirche erinnert in Osnabrück an die Schicksale der Menschen, die durch den Konsum von Drogen ums Leben gekommen sind. Foto: David Ebener

Osnabrück. Acht Menschen sind in den vergangenen 12 Monaten an den Folgen ihres Drogenkonsums in und um Osnabrück gestorben. Auf ihr Schicksal macht das Drogenhilfenetzwerk zum nationalen Gedenktag am 21. Juli wie jedes Jahr in der Gertrudenkirche aufmerksam.

Acht Drogentote, das sind acht Einzelschicksale. Im Café Connection, Anlaufstelle der Diakonie für Drogenabhängige in der Hermannstraße, befindet sich eine kleine Gedenktafel, vor der die Cafébesucher regelmäßig Kerzen anzünden. Hier werden aus anonymen Zahlen Menschen mit Namen und Bildern.

Gedenkstein

Einen traurigen Höhepunkt hatte die Zahl der Verstorbenen ein Jahr zuvor erreicht: 22 Menschen waren in der Region Osnabrück von Juli 2015 bis Juli 2016 an den Folgen ihrer Sucht gestorben. Seitdem hat sich die Zahl wieder bei etwa zehn eingependelt. Seit einigen Jahren weist ein Gedenkstein an der Gertrudenkirche auf dem Gelände des Ameos-Klinikums auf die Schicksale der Suchtopfer hin – und auch auf die schwierigen Lebenssituationen all jeder, die weiter von illegalen Substanzen abhängig sind.

Motto: Menschenrechte

„Menschenrechte auch für Drogengebraucher“ lautet das diesjährige Motto zum Gedenktag. Wie wichtig dieses Motto ist, wird im Gespräch mit Norman Zipplies deutlich, Suchtberater beim Diakonischen Werk in Stadt und Landkreis Osnabrück. Drogenkonsumenten hätten oft das Gefühl, sie würden von der Gesellschaft als minderwertig bewertet und geächtet, sagt Zipplies. Ihr Problem: Anders als rein Alkoholabhängige bewegen sich Abhängige von harten Drogen stets in der Illegalität. Und: „Je länger sie ein Teil der Drogenszene sind, desto mehr stigmatisieren sie sich selber“, sagt Zipplies. In den psychosozialen Beratungen gehe es daher nicht zuletzt darum, „den Leuten wertschätzend gegenüber zu treten“ und ihnen einen Weg aufzuzeigen, wie es ihnen besser gehen kann.

Debatte um den Raiffeisenplatz

Aktuell wird das deutlich an der Debatte um den Osnabrücker Raiffeisenplatz: Die kleine Parkanlage an der Ecker Konrad-Adenauer-Ring und Heinrich-Heine-Straße hat sich zum Treffpunkt der Alkohol- und Drogenszene entwickelt, seit die Stadt am Salzmarkt ein Alkoholverbot verhängt hat. Anwohner beschweren sich seit Monaten massiv über die Situation am Raiffeisenplatz, die Stadt jedoch will die Szene nicht erneut vertreiben. Der Konflikt ist noch nicht gelöst.

Gedenktag am 21. Juli in Osnabrück

Der Gedenktag wird in Osnabrück organisiert vom Drogenhilfenetzwerk. Dazu gehören die Aidshilfe, der Ambulante Justizsozialdienst, die Abteilung Sucht des Ameos-Klinikums, der Caritasverband, die Diakonie, der Verein Elrond, der Caritas-Elternkreis, die Selbsthilfegruppe „Eltern helfen Eltern“, HIV-Seelsorger Pastor Hartmut Heyl und der Verein JES (Junkies, Ehemalige, Substituierte).

„Die Kirche ist jedes Jahr rappelvoll“, sagt Zipplies. Angehörige, Freunde aus der Drogenszene und auch die Suchtberater nehmen Anteil. Viele Drogenabhängige sterben durch Folgeerkrankungen ihrer Abhängigkeiten, sagt Zipplies. Die Todesursachen reichen über HIV- und Hepatitiserkrankungen und allgemeines Organversagen über Überdosis bis hin zu Gewalttaten.

Der Gedenktag beginnt am Freitag, 21. Juli, um 17 Uhr mit einem Gottesdienst in der Gertrudenkirche, im Anschluss kann der Verstorbenen am Gedenkstein gedacht werden. Um 18 Uhr folgt ein Konzert im Café Kommunitas (Gertrudenring 12). Es treten auf der „Abseits?!“-Chor und „Freiwilliger Vorruhepunk“.


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