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„Die Kirche bewegt sich“ 12.000 Pilger erreichen Wallfahrtsort Telgte

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Osnabrück/Telgte. Rund 12000 Pilger der Osnabrücker Fußwallfahrt nach Telgte haben am Samstagnachmittag den westfälischen Wallfahrtsort erreicht. Damit bleibt die 165. Ausgabe des Pilgermarathons nach wie das größte Wallfahrt im deutschsprachigen Raum.

„Trotz Ferienzeit und nicht so günstiger Wetterprognose haben sich wider Erwarten unglaublich viele Leute der Wallfahrt angeschlossen“, sagte Karl-Heinz Schomaker auf der Hälfte der rund 43 Kilometer. Der Technische Leiter hatte nach dem morgendlichen Pausenstopp in Glandorf bereits tausende Wallfahrer gezählt. „Das zeigt: Der Zuspruch ist ungebrochen.“

Zum ersten Mal dabei

Erstmals dabei war Annette Voßhardt. „Ich wollte schon lange mitgehen, aber immer kam etwas dazwischen“, erzählte die Osnabrückerin. Sie hatte die Einsteigervariante in die Telgter Wallfahrt gewählt und lief ab Glandorf mit. Doch nicht die Sorge vor der langen Strecke bestimmte ihre Pilgerpremiere. Der Neu-Wallfahrerin fiel es anfangs überhaupt nicht leicht, sich mit dem Gewusel beim Auszug aus Glandorf zurechtzufinden. „Das war echt schwer für mich, in den Gleichschritt zu kommen.“ Doch nach einer Weile habe das immer besser geklappt. „Ich kam zur Ruhe und konnte mich auf das Mitbeten und Mitsingen einlassen“, berichtete Annette Voßhardt beim planmäßigen Halt in der Klause Oedingberge.

Die Kirche bewegt sich doch

Dort hielt Bischof Franz-Josef Bode – er lief im Pilgerzug abschnittsweise mit – den Wortgottesdienst. Dabei verglich er die Kirche mit der Telgter Wallfahrt. „Obwohl in der Kirche vieles auch auf der Stelle tritt, zeigt die Wallfahrt, wie Kirche doch gehen kann“, sagte Bode.

Zwar brauche man Neues, aber wie der nach stets gleichem Muster ablaufende Pilgerzug nach Telgte zeige, sei „Tradition auch ein Halt für die Zukunft“. Mit Blick auf die tausenden Wallfahrer, sagte der Bischof, dass „Kirche der Zukunft nur gelinge, wenn sie viele mitgestalten.“

Die Kunst ist, nicht einzuschlafen

Nach dem sich der kilometerlange Tross nach der Rast in Oedingberge wieder in Gang gesetzt hatte, packte Elke Winter aus Gellenbeck ihre sieben Sachen zusammen. Die bestehen in Hauptsache aus vielen Getränkeflaschen und Tellern mit Obst und Süßem. „Ich bin für die Versorgung der Familie während der Pausen zuständig.“ Ihr Mann, Heinrich, saß auf einem der Trecker, die die Wagen der knapp 30 Wallfahrtvereine ziehen. Weit gefehlt, wer meint, dass sei einfacher als das Pilgern. „Das ist schon sehr monoton“, bekennt Winter. Man müsse in Schrittgeschwindigkeit auf Abstand fahren und auch immer einen Blick auf Trecker und Wagen vor einem zu haben. „Die Kunst ist, nicht einzuschlafen.“

Gut zu tun hatten die Kräfte vom Malteser Hilfsdienst und DRK in Ostbevern. Beim letzten Halt vor Telgte ließen sich mehrere Pilger von den Sanitätern die Waden massieren. Anders Andreas Backhaus: Er hatte sich eine Blase gelaufen. „Ich habe wohl meine neuen Schuhe nicht genug eingelaufen“, sagte der 19-Jährige.

252 Radfahrer

Bis Telgte schaffe er es aber noch. Er und die rund 12.000 Pilger plus 252 Radfahrer erreichten nach über zwölf Stunden in einem erneut sehr emotionalen Einzug die westfälische Wallfahrermetropole. Am Sonntagfrüh setzt sich der Zug der Gläubigen wieder in Richtung Osnabrück in Bewegung.


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