OB-Kandidaten im Porträt Thomas Klein setzt auf die Stichwahl


Osnabrück. Nach einer Radtour mit seiner Frau durch Frankreich ist Thomas Klein entspannt nach Osnabrück zurückgekehrt. Jetzt stürzt sich der Grünen-Politiker in den Wahlkampf. Sein Ziel: ein bürgernaher Oberbürgermeister der Stadt zu werden.

Osnabrück ist dem gebürtigen Bremer längst zur Heimat geworden. Nach einem Jurastudium in Bielefeld machte er hier in der Kanzlei von Jens Meggers und Horst Simon sein Referendariat. Als die beiden Partner sich trennten, heuerte er bei Meggers an und blieb.

Hier in der Stadt leben seine drei Kinder aus erster Ehe mit ihrer Mutter. Ein erwachsener Sohn studiert außerhalb. In Osnabrück lebt Klein mit seiner zweiten Frau und deren zwei Söhnen. Und so wie die fünf jüngeren Kinder in der Ferienpass-Kinderstadt mitgewirkt haben, so hat auch Klein sein politisches Engagement früh begonnen.

Proteste gegen die Fahrpreiserhöhungen im Jahr 1966 fallen ihm als Erstes ein. Dann der Widerstand gegen die Notstandsgesetzte 1969. Als Schülersprecher hat er sich engagiert, im bremischen Stadt- und Landesjugendring war er aktiv. Als Rechtsanwalt machte er in der Berufspolitik weiter, unter anderem in der Organisation der Strafverteidiger. Für seine Kinder arbeitete er im Schulelternrat mit.

Und was ist mit Parteipolitik? Die kam erst ganz zum Schluss, erzählt Thomas Klein. „Den Grünen habe ich von Anfang an nahe gestanden“, einen Eintritt aber nie angestrebt. Auch ohne Parteibuch kandidierte der Jurist auf der Liste der Grünen für den Stadtrat, „allerdings nur auf einem der hinteren Plätze“. In dieser Zeit engagierte er sich als Vertreter von Bürgermeisterin Lioba Meyer im früheren Ausländerbeirat.

„Als ich vor zwei Jahren zum dritten Mal gefragt wurde, ob ich nicht auf einem vorderen Platz kandidieren möchte, habe ich zugestimmt.“ Seit September 2011 sitzt Klein für die Grünen im Rat. Ein Jahr später trat er in die Partei ein. Warum? „Weil meine Vorbehalte gegenüber einer Parteimitgliedschaft ausgeräumt wurden“, erläutert Klein. Im Parteivorstand und in der Fraktion habe er mit partnerschaftlicher und solidarischer Zusammenarbeit positive Erfahrungen gemacht.

Der grüne Politiker ist Mitglied im Schul- und Sportausschuss, im Ausschuss für Feuerwehr und Ordnung, im Betriebsausschuss Osnabrücker Servicebetrieb und im Migrationsbeirat. Als Vater eines Kindes mit dem Downsyndrom hat Klein mit inklusiver Beschulung einige gute, aber auch eine Menge schlechte Erfahrungen gemacht. Deshalb habe er vor der Sommerpause intensiv am Modell der schulischen Inklusion mitgearbeitet.

Gutes Zeitmanagement

Das ist es, was ihm an der Kommunalpolitik gefällt: „Man kann etwas verändern.“ Das helfe darüber hinweg, dass Politik vor Ort „mitunter undankbar ist“. Dass Kommunalpolitiker oft einen schlechten Ruf haben, kann Thomas Klein nicht so recht verstehen angesichts des Einsatzes seiner Kollegen.

Strafverteidiger, mehrfacher Vater, Ratsmitglied, wie ist das alles zu schaffen, ohne etwas zu vernachlässigen? „Manchmal ist es schwer, alles unter einen Hut zu kriegen“, gibt Klein offen zu, vor allem jetzt, wo die heiße Phase des OB-Wahlkampfes begonnen hat. „Aber ich habe ein gutes Zeitmanagement“, schiebt er sofort hinterher. Die Routine, die er im Beruf erlangt hat, helfe ihm auch bei der ehrenamtlichen Arbeit als Ratsmitglied: „Ich kann konzentriert arbeiten, das Wesentliche schnell erfassen und mich auf meine Themen konzentrieren.“ Genau diese Fähigkeiten würden ihm auch im Amt
des Oberbürgermeisters nützen.

Gegen die Westumgehung

„Ich wäre ein bürgernaher Oberbürgermeister, empathisch gegenüber den Menschen, nicht bürokratisch und in der Lage, verschiedene Interessen zu vereinbaren“, beschreibt Klein seine Stärken. Dass er keine Verwaltungserfahrung hat, bewertet er nicht als Nachteil, denn Osnabrück brauche einen OB aus der Politik mit Gestaltungswillen und Ideen, „aber keinen Administrator, der Ideen anderer umsetzt“.

Der grüne Kandidat ist ein vehementer Gegner der Westumgehung. Doch er macht sich nicht allein für die klassischen grünen Themen wie Klimaschutz stark. Die lebendige private Kulturszene werde er als OB genauso im Blick haben wie das Drei-Sparten-Theater und die Museen, hatte Klein am Abend seiner Nominierung versprochen.

521 Kilometer haben Klein und seine Frau in sieben Tagen während einer Rundfahrt durch das Charente-Gebiet zurückgelegt und dabei Kraft für den Wahlkampf getankt. Auch wenn er jetzt noch mehr als üblich eingespannt ist: Zeit für seine Frau und seine Kinder finde er immer. Erholung findet er beim Radfahren oder wenn er auf seiner Gitarre alte Rockstücke spielt. Am 22. September setzt Thomas Klein auf Verlängerung und den Einzug in die Stichwahl.

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