Manfred Spieker kritisiert Angela Merkel Wegen „Ehe für alle“: Osnabrücker Professor tritt aus CDU aus

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Osnabrück. Der emeritierte Osnabrücker Professor Manfred Spieker ist als Reaktion auf den Beschluss der „Ehe für alle“ nach 43 Jahren Parteizugehörigkeit aus der CDU ausgetreten. Angela Merkels Verhalten in der Sache bezeichnet er als „unerträglich“.

Auf Nachfrage bestätigte die CDU-Geschäftsstelle Spiekers Austritt zum 30. Juni, weitere Austritte habe es in Stadt und Landkreis Osnabrück seit dem nicht gegeben. An diesem Tag hatte der Bundestag die völlige rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen beschlossen. Für den streng christlichen 74-Jährigen aus Georgsmarienhütte ist die Ehe allein für die Beziehung zwischen Mann und Frau vorgesehen. (Weiterlesen: Das bedeutet die Öffnung der Ehe für Homosexuelle)

Parteiaustritt nach 43 Jahren

Nach 43 Jahren in der CDU sei er nun „aus der Merkel-Partei ausgetreten“, sagte Spieker im Gespräch mit unserer Redaktion und fügte hinzu: „Angela Merkels Umgang mit einem Grundpfeiler der Politik der Union und auch des Grundgesetzes, dem Schutz von Ehe und Familie, ist unerträglich.“ Merkel selbst hatte bei der Abstimmung mit Nein votiert, den Parteigenossen aber eine Gewissensentscheidung gestattet, statt eine einheitliche Parteilinie einzufordern. (Weiterlesen: „Ehe für alle“ – so haben die Abgeordneten aus der Region abgestimmt)

Dadurch habe die Bundeskanzlerin „mit einer Handstreich-Entscheidung den Widerstand der Partei gegen die ‚Ehe für alle‘ aufgegeben und damit praktisch den Koalitionsvertrag gekündigt“, so der 74-Jährige.

Gesellschaftlicher Wandel

Dem Argument der „Ehe für alle“-Befürworter, dass sich Gesellschaften und deren Haltung im Laufe der Zeit veränderten, entgegnet Spieker: „Die Verfassung und das Bundesverfassungsgericht sind nicht der Notar des Zeitgeistes. Sie müssen den gesellschaftlichen Wandel korrigieren und stabilisieren. Was, wenn im Laufe der Zeit die Polygamie mehr Unterstützer findet? Kommt dann die Ehe für mehrere?“

Austritt per Brief angekündigt

Spieker hatte noch vor der Abstimmung einen Brief an Volker Kauder geschrieben, den Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Kauder war gegen die Ehe für homosexuelle Paare. In dem Brief machte Spieker seinen Verbleib in der Partei von der Entscheidung über die „Ehe für alle“ abhängig. Als die Mehrheit der Abgeordneten mit Ja stimmte, war der Parteiaustritt des 74-Jährigen besiegelt. Die Reaktionen auf seinen Rücktritt wollte er für sich behalten. (Weiterlesen: So viele homosexuelle Paare in Osnabrück dürfen ihre Partnerschaft jetzt umwandeln)

Spieker kritisiert Schwulen-Lobby

Der emeritierte Professor für christliche Sozialwissenschaften ist verheiratet und hat sechs Kinder. Im Jahr 2012 hatte ihn Papst Benedikt XVI. zum Berater des Päpstlichen Rates „Justitia et Pax“ berufen. In der Vergangenheit hatte er unter anderem öffentlich die Schwulen-Lobby kritisiert und in der Folge die Gleichstellungsbeauftragte kritisiert.

75 CDU-Abgeordnete hatte für die „Ehe für alle“ gestimmt. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit Nein gestimmt. Grafik: dpa


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