„Schmied im Hone“ in Osnabrück Aus Traditionslokal wurde Lehr- und Forschungszentrum

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Osnabrück. „Schmied im Hone“ an der Oldenburger Landstraße in Osnabrück ist seit 150 Jahren ein Begriff für Gastlichkeit. Lange Jahrzehnte wurde nebeneinander geschmiedet und gezapft – seit 2012 schmiedet dort die Hochschule Osnabrück an der Zukunft der Lebensmitteltechnik. Und hin und wieder zapft auch sie.

Die historische Ansichtskarte führt zurück in eine Zeit, als die Ausflugslokale am Stadtrand insbesondere dort, wo sie bequem von den Endpunkten der Straßenbahn aus zu erwandern waren, in Blüte standen. Noch davor waren es im 19. Jahrhundert Fuhrleute und Boten, die die Bramscher Chaussee als Ausfallstraße nach Norden nutzten, um Ankum, Fürstenau oder Quakenbrück zu erreichen. Sie legten hier im Hone ihre erste Pause ein, ob die Pferde sie nun schon brauchten oder nicht.

Man konnte damals sogar an zwei Stellen im Hone einkehren: Im Kaffeehaus Steinkamp (im hier abgebildeten Gasthaus) und in der eigentlichen Schmiede (etwas weiter stadtauswärts), in der der Schmied als Nebenerwerb Branntwein verkaufte. Der Ausschank des Hochprozentigen passte der Bergwerksleitung des Piesbergs übrigens überhaupt nicht, wie einem Schreiben aus dem Jahr 1868 zu entnehmen ist: „Daß die Kohlenfuhrleute hier ganz in der Nähe des Bergwerkes zum Branntweintrinken Gelegenheit finden, ist weder nöthig noch nützlich [...] Endlich auch darf nach gesetzlichen Vorschriften dem Schmied Schürmann im Hohne auch aus dem Grunde keine Branntweins-Schenkconcession bewilligt werden, weil er wegen Uebertretungen von polizeilichen Vorschriften vielfach bestraft worden ist.“ Gleichzeitig nimmt die Grubenverwaltung den benachbarten „Kaffeewirth Steinkamp“ in Schutz: „Er wird nur deshalb um Concession nachgesucht haben, um dem Schmied als Concurrenten nicht einen Vorzug zu lassen.“

Die legendäre Wirtin „Sandmanns Agnes“

1909 wurden beide Lokale unter der neuen Bezeichnung „Kaffeehaus zum Schmied im Hone, vormals Steinkamp“ zusammengelegt. Schmied Sandmann wurde im gleichen Jahr die Tochter Agnes geboren – jene legendäre „Sandmanns Agnes“, die nach 58 Jahren am Zapfhahn als dienstälteste Osnabrücker Wirtin 1984 das Gasthaus schloss.

Danach begann eine Zeit der Ungewissheit. 18 Jahre lang stand der Gebäudekomplex leer, das denkmalgeschützte Gaststättengebäude drohte zu verfallen. Da kam Hochschulpräsident Andreas Bertram der Einfall, dem am Standort Haste nur behelfsmäßig untergebrachten Fachgebiet Lebensmittelwissenschaften eine neue Heimstatt „gleich nebenan beim Schmied“ zu schaffen. Mit dem Eigentümer Dominik Freiherr Ostman von der Leye wurde ein neuer Pachtvertrag abgeschlossen. Als Bauherr trat allerdings nicht die Hochschule oder das Land auf, sondern die MBN Bau AG aus Georgsmarienhütte.

5,9 Millionen Euro Investitionssumme

Sie investierte 4,7 Millionen Euro in den zweigeschossigen Neubau und 1,2 Millionen in die Sanierung des alten Schankhauses. Allerdings erst, nachdem sie einen langjährigen Mietvertrag mit der Hochschule in der Tasche hatte. Seit April 2012 forschen nun Studierende der Fakultät Agrarwissenschaft und Landschaftsarchitektur, wie man auf ihrem Fachgebiet der Lebensmitteltechnik unsere täglichen Nahrungs- und Genussmittel verbessern kann. Die Labore im Neubau ermöglichten erstmals mikrobiologische und chemische Analysen mit professionellen Hygienestandards, eben „unter Laborbedingungen“, wovon die Studenten zuvor im staubigen Gewächshaus nur träumen konnten.

Bei der Einweihung bekamen die Gäste selbst hergestelltes, kalorienarmes Speiseeis gereicht. Danach gingen Tabletts mit „Haster hell“ und „Haster dunkel“ in die Runde – Eigenprodukte aus der Brauanlage des neuen Technikums. Im Erdgeschoss des Altbaus ist sogar etwas Kneipenatmosphäre gewahrt worden, einschließlich des Tresens und der alten Zapfanlage. Die Verantwortlichen der Hochschule versichern jedoch, dass der Zapfhahn nur zu eng begrenzten Zeiten mal nach Feierabend oder zu „Campusnächten“ in Betrieb genommen wird. Tagsüber diene der Schankraum den Studierenden als „Lernlandschaft“.


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