Mehr wichtige Spurenelemente Hochschule Osnabrück forscht an Gesundheitsapfel



Osnabrück. Des Deutschen liebstes Obst ist der Apfel. Er ist in der Küche vielfältig einsetzbar und obendrein gesund. Professor Diemo Daum von der Hochschule Osnabrück und sein Team wollen jetzt herausfinden, wie sie die knackige Frucht noch besser machen können.

Ziel ist es, Äpfel zu züchten, die mehr von dem Spurenelement Selen enthalten. „Selen ist ein essenzieller Mineralstoff, den wir mit der Nahrung aufnehmen müssen“, erklärt Daum. Häufig würden die Menschen aber zu wenig davon zu sich nehmen. Die Wahl der optimalen Obstsorte für das Forschungsprojekt war deshalb schnell getroffen: Der Apfel ist Daum zufolge die beliebteste Frucht, wird größtenteils in Deutschland angebaut und ist das ganze Jahr verfügbar.

Der Mineralstoff Selen ist für verschiedene Dinge verantwortlich. Zum Beispiel reguliert er die Schilddrüse. Außerdem soll das Spurenelement helfen, lebensgefährliche Krankheiten zu verhindern. „Es wurde festgestellt, dass Bevölkerungsgruppen, die besonders wenig Selen aufnehmen, ein Risiko etwa für Darm- und Leberkrebs haben.“ (Weiterlesen: Birpfel oder Apfirne? Hochschule Osnabrück kreuzt Apfel und Birne)

Zielgruppe Vegetarier und Veganer

Generell höhere Selengehalte sind in tierischen Lebensmitteln enthalten. Das liegt unter anderem daran, dass der Mineralstoff über die Fütterung hinzugefügt wird. Deswegen sind Vegetarier und Veganer, die wenig oder keine tierischen Produkte essen, eine Hauptzielgruppe des Osnabrücker „Gesundheitsapfels“. Wie Daum sagt, könnte man seine Selen-Versorgung sicherstellen, wenn man sehr viel Fleisch isst. Da das allerdings bei Vegetariern und Veganern wegfällt, bleibe ihnen meist nur die Möglichkeit, den Selenhaushalt durch Nahrungsergänzungsmittel aufzubessern. „Dazu wollen wir eine Alternative schaffen. Das Selen soll auf natürlichem Weg über ein Lebensmittel aufgenommen werden.“

Damit die Äpfel am Ende mehr Selen enthalten, haben die Forscher ähnliche Ideen wie bei der Tierfütterung. Zum Beispiel versuchen sie, Selen, das in Form von Salzen vorkommt, den Pflanzen durch Düngung hinzuzufügen. Einmal über die Wurzeln, alternativ über die Blätter. Daum: „Wir vergleichen beide Ansätze und schauen, was effizienter ist. Eine Frage, die wir uns stellen, ist zum Beispiel, ob bei der Blattdüngung weniger Selen als bei der Bodendüngung hinzugefügt werden muss.“ (Weiterlesen: Streuobstwiesen in Osnabrück –Hier gibt es kostenloses Obst für alle)

Ergebnisse in einem Jahr

In Deutschland wie in ganz Nordeuropa sei der Boden generell sehr arm an Selen. Grund dafür ist das Untergrundgestein, aus dem der Boden sich entwickelt hat. Durch den normalen Boden bekommen die deutschen Äpfel also nur wenig Selen. Daum und sein Team versuchen nun, durch selenversetzten Dünger das Problem zu umgehen. Bei den Sorten setzen die Osnabrücker Forscher auf Standards wie Golden Delicious oder Jonica. Dabei soll geschaut werden, ob manche Sorten Selen besser aufnehmen als andere.

Neben einem höheren Selengehalt erhoffen sich die Wissenschaftler weitere Effekte. Zum Beispiel sei bei Pfirsichen mit hohem Selengehalt ein festeres Fruchtfleisch festgestellt worden. Bei Birnen sei außerdem der Zuckergehalt erhöht worden, Oliven und Tomaten hätten mit einem hohen Selengehalt mehr Vitamin C enthalten.

Bund gibt 300.000 Euro dazu

Auf der Apfelplantage am Campus Haste stehen auf rund vier Hektar bis zu 3000 Bäume. Etwa 400 davon stehen dem Team um Daum zur Verfügung. Das Projekt selbst nennt sich „BiofortiSe“ und setzt sich aus den Wörtern Biofortifikation und Selen zusammen. Biofortifikation meint die Anreicherung eines Nährstoffgehalts von Nahrungsmitteln durch Pflanzenzucht.

Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Für das erste Jahr, die sogenannte Sondierungsphase, wurden 50.000 Euro bereitgestellt. Die Machbarkeitsphase, die auf zwei Jahre ausgelegt ist, wird mit weiteren 250.000 Euro gefördert. Außerdem werden Kooperationspartner unterstützt. Das Team arbeitet unter anderem mit der Düngemittel- und der Lebensmittelindustrie zusammen. Gemeinsam wird auch daran gearbeitet, wie es mit dem Osnabrücker Gesundheitsapfel weitergeht. (Weiterlesen: 100 alte Apfelsorten – Genussallee zur Landesgartenschau in Bad Iburg)

Verbraucherumfrage macht Mut

Die Wissenschaftler hoffen, dass sie in etwa einem Jahr konkrete Ergebnisse präsentieren können. „Wenn wir sehen, dass die Selengehalte erhöht werden konnten und vor allem auch die anderen Nebenwirkungen eintreten, dann wird der Projektpartner aus der Düngemittelindustrie Dünger entwickeln und vermarkten, den die Obstbauern dann einsetzen können“, erklärt Daum den weiteren Projektverlauf.

Perspektivisch könne in drei bis vier Jahren der selenreiche Apfel im Handel erhältlich sein. Doch wollen die Konsumenten überhaupt einen Gesundheitsapfel? Daum ist davon überzeugt. Zuversicht gibt ihm eine Verbraucherumfrage, die sein Team gestartet hatte. Die Frage lautete: Würden Sie, um den Selen-Haushalt zu regulieren, eher zu Nahrungsergänzungsmitteln oder zu einem selenreichen Apfel greifen? 90 Prozent stimmten für den Apfel. (Weiterlesen: Hochschule Osnabrück züchtet Niedersachsen-Tomate)


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