Steuerverbrecher auf der Flucht Zielfahnder jagen den Doktormacher aus Osnabrück

Von Sebastian Stricker

Auch nach acht Monaten auf der Flucht fehlt vom „Doktormacher“ aus Osnabrück jede Spur. Auf den 67-jährigen Steuerverbrecher wartet jahrelange Haft. Foto: Colourbox.deAuch nach acht Monaten auf der Flucht fehlt vom „Doktormacher“ aus Osnabrück jede Spur. Auf den 67-jährigen Steuerverbrecher wartet jahrelange Haft. Foto: Colourbox.de

Osnabrück. Ein wegen Steuerbetrugs in Millionenhöhe zu jahrelanger Haft verurteilter Titelhändler aus Osnabrück hält sich weiter vor der Polizei versteckt. Auch nach acht Monaten auf der Flucht fehlt vom „Doktormacher“ jede Spur.

Die Fahndung nach dem 67-jährigen Geschäftsmann laufe auf Hochtouren, teilte die Staatsanwaltschaft Osnabrück am Donnerstag auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Dabei würden alle Möglichkeiten ausgeschöpft. „Wir tun, was technisch möglich ist, die Zielfahnder sind an ihm dran“, sagte ein Sprecher. Vermutet werde der Steuerverbrecher in Deutschland.

Der Osnabrücker war im Juni 2016 vom Landgericht rechtskräftig zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt worden, von denen er 20 absitzen muss. Dazu hätte er sich nach gewährtem Strafaufschub am 1. November in der Justizvollzugsanstalt Lingen einfinden sollen. Weil er die Haftstrafe aber nicht freiwillig antrat, erging gut zwei Wochen später ein Haftbefehl.

Falsche Doktortitel verkauft

Der 67-Jährige hat sich der Steuerhinterziehung in 18 Fällen schuldig gemacht – wobei es in einem Fall beim Versuch blieb. Der Schaden beträgt knapp 1,9 Millionen Euro. Sein Geld verdiente der Mann, der zuletzt nach eigenen Angaben von Hartz IV lebte, mit dem Verkauf von falschen Doktortiteln. Unter Pseudonymen wie Dr. von Steinbacher, Prof. Carlos Niemeyer und Prof. Dr. Paul Hartmann drehte er zwischen 2003 und 2010 Hunderten Möchtegern-Akademikern für knapp 15.000 Euro pro Stück frei erfundene Urkunden und Registerauszüge an.

Um mit seinem in Deutschland verbotenen Geschäft nicht aufzufliegen, vor allem aber um dem deutschen Fiskus zu entkommen, bediente sich der Osnabrücker eines Geflechts von ausländischen Briefkastenfirmen. Mit Scheindarlehen und Luftbuchungen gelang es ihm, sich unterhalb des behördlichen Radars widerrechtlich die Taschen vollzumachen. Erst als in Süddeutschland ein Kunde des Titelhändlers versuchte, die Ausgaben für den gekauften Doktorgrad von der Steuer abzusetzen, kamen deutsche Steuerfahnder dem Verbrecher auf die Schliche.