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Helga Rademacher ist seit 35 Jahren Lehrerin in der Zooschule Keine Angst vor großen Tieren

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Osnabrück. Am 11. September 1976 gab Helga Rademacher die erste Unterrichtsstunde im Osnabrücker Tierpark – die Zooschule war geboren. Der Lehrerin heute zuzuhören, wie sie von den vielen Erlebnissen mit Schülern und Tieren berichtet, macht deutlich, warum sie das Wissen über Tiere und Natur so gut vermitteln kann.

„Wenn ich jetzt anfange zu reden, bin ich gar nicht mehr zu stoppen“, sagt sie. Und stoppen will sie auch keiner, denn sie erzählt so spannend, besitzt die Fähigkeit mitzureißen. Angefangen hatte alles mit einem Töpferkurs, den die Biologielehrerin mit einer Kindergruppe im Zoo abhielt, um mit ihnen vor den Gehegen Tiere aus Ton zu modellieren. Die Tontiere waren beliebt bei den Zoobesuchern und wurden deswegen verkauft. Mit dem eingenommenen Geld konnte der Bau einer neuen Unterkunft für die Gorillakinder Yeye und Tino unterstützt werden. Dabei wurde der ehemalige Zoopräsident Herbert Sprado auf Rademacher aufmerksam und schlug ihr die Tätigkeit der Zoolehrerin vor. Rademacher sagte zu und fand sich zwei Tage später in der neuen Zooschule wieder.

Die Idee einer Zooschule war gemeinsam mit dem damaligen Zoodirektor Paul Andreae und Klaus Hinrichs, damals Lehrer an der Pädagogischen Hochschule, heute an der Universität Osnabrück, entstanden. „Da komm ich in die Zooschule, und nicht nur Schüler, sondern auch die Presse und eine Kiste mit einer Boa constrictor erwarteten mich. Noch nie zuvor hatte ich eine Schlange angefasst, aber ,Amanda‘ guckte mich so vertrauensvoll an. Die gesamte Schulstunde zum Thema Reptilien unterrichtete ich mit ihr auf dem Arm. Seitdem war ich ,Zoopädagogin‘ und mein Terminkalender ausgefüllt.“

Helga Rademachers Leben änderte sich von da an, der Zoo war nun Hauptthema am Mittagstisch, und ihre Familie wurde von der Tierliebe „infiziert“. Ihre Tochter arbeitet heute als Zookuratorin in der Stuttgarter Wilhelma. Rademacher knüpfte auch Kontakte zu Zooschulen in Europa und den USA und bildete sich dort fort. Ihre Herangehensweise, Kinder aktiv mit Tonarbeiten in den Unterricht einzubinden, stieß auf großes Interesse in anderen Zooschulen.

„Mithilfe der Tonmodellage bekomme ich Schüler dazu, die Tiere genau zu beobachten und auf diese Weise zu lernen, wozu der Elefant seinen Rüssel benötigt oder warum er so rissige Haut hat“, erklärt die Zoopädagogin und betont dabei, dass ohne die Mitarbeit der Tierpfleger, die ihr immer mit Rat und Tat zur Seite standen, viele Unterrichtsstunden gar nicht möglich gewesen wären.

Heute tauschen jährlich circa 14000 Schüler ihr Klassenzimmer gegen den Erlebnisraum Zoo, um dort zu erfahren, wie die Giraffe mit ihrer Zunge an das leckere Grün kommt oder warum der Hintern des Mantelpavians so rot ist. Zoopädagogin Birgit Strunk und ihre über 20 Kollegen versuchen die Kinder wieder an die Natur heran zu führen. „Glauben Sie nicht, dass heute jedes Kind weiß, dass die Milch aus dem Kuheuter kommt. Elefanten und Löwen sind bekannt durch Fernsehen oder Computer, aber bei der einheimischen Tierwelt wird es da schon schwieriger“, berichtet Strunk. „Das Wissen der Kinder ist spezieller geworden, es ist anders als früher, aber das Verständnis ist nicht da“, vergleichen Rademacher und Strunk. Schon immer beliebt aber sei gewesen, über Tierpersönlichkeiten wie Orang-Utan „Buschi“ zu berichten. So kann man Schüler für die Tierwelt und ihren Schutz begeistern, die Zootiere werden zu Botschaftern für ihre Artgenossen in der Wildnis.

Zum Glück sei das Umweltbewusstsein größer geworden, findet Rademacher, die vor 30 Jahren noch auf Unverständnis traf, wenn sie dazu aufrief, im eigenen Garten mit dem Naturschutz zu beginnen.

Helga Rademacher ist auch heute noch oft im Zoo und freut sich, wenn sie Schulklassen über ihre Zoolieblinge informieren kann. Schulklassen und interessierte Gruppen können Zooführungen unter 0541/95105-0 buchen.


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