Morgenland Festival 2017 Capella de la Torre und Trio Hewar üben den Dialog

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Ost und West auf einer Bühne: Dima Orsho (rechts) vom Trio Hewar sowie Kai Wessel, Katharina Bäuml (links) und Birgit Bahr von der Capella de la Torre. Foto: Thomas OsterfeldOst und West auf einer Bühne: Dima Orsho (rechts) vom Trio Hewar sowie Kai Wessel, Katharina Bäuml (links) und Birgit Bahr von der Capella de la Torre. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Ein Höhepunkt des Morgenland Festivals Osnabrück 2017 versprach die Wiederbegegnung der Capella de la Torre und des Trio Hewar zu werden. Am Samstagabend war es in der Marienkirche soweit.

Die Liebe ist ein seltsames Spiel. Europa feiert sie, als gäbe es kein Morgen, die arabische Welt kehrt die schwermütige, melancholische Seite heraus, das Sehnen und Bangen. Das drückt der Anfang der Konzerts mit der Capella de la Torre und dem Trio Hewar in der Marienkirche aus: Die einen tanzen, die anderen klagen. Weiterlesen: Layale Chaker beim Morgenland Festival

Morgenland Revisited

Es ist dieses Konzert der Anfang einer Reihe beim Morgenland Festival Osnabrück, die Festivalchef Michael Dreyer „Morgenland Revisited“ nennt: Musiker und Ensembles, die beim Morgenland Festival kooperiert haben, sollen sich ein zweites Mal zusammentun, Möglichkeiten und Chancen ausloten, die sich aus dem musikalischen Dialog ergeben. Auch die Grenzen?

Ausgangspunkt für dieses Konzert in St. Marien war die Erstbegegnung beider Ensembles vor drei Jahren in der Gymnasialkirche. Damals haben beide ein paar relativ sponaten Konzertstunden miteinander verbracht wie ein Zufallspärchen, das eine rauschende Nacht miteinander feiert. Doch lässt sich die Euphorie dieser ersten Nacht abrufen, wenn man sich Jahre später zum Date verabredet? Weiterlesen: Das erste Konzert mit der Capella de la Torre und dem Trio Hewar

Die Capella de la Torre tut alles dafür: Sie rollt mit einem heiteren Tänzchen den Teppich zur Seite, auf geht‘s, lasst uns das Leben und die Liebe feiern! Kai Wessel singt mit seinem wunderbaren Alt heitere lateinische Verse, und Leiterin Katharina Bäuml schmückt ihr Schalmeien-Solo mit Ornamenten, die nach einem Hauch Orient klingen. Dann knipst jemand urplötzlich das Licht aus; ein Ton bleibt übrig, ein Orgelpunkt, den Martina Fiedler an der kleinen Truhenorgel für die nächsten Minuten dem Spiel des Trio Hewar unterlegt. Hier stellt sich nun, im Gesang von Dima Orsho, die arabische Seele vor. Das „Hohelied der Liebe“ ist das verbindende Element; Wessel rezitiert die Verse aus dem Alten Testament auf Lateinisch, die Sängerin auf arabisch, das Hohelied gehört beiden Kulturen. Wenig später ereignet sich dann einer der eindrücklichsten Momente des Abends: Wessel gibt eine Melodie vor, Orsho wiederholt sie:hier das westliche Idiom, dort die arabischen Farben. Schließlich greift Orsho die Schlussformel von Wessels Gesang auf und gleitet von da aus sanft in die arabische Welt hinüber, mit den Maqam-Tonfolgen und den eigentümlichen Melodien. Das klingt wie alte Freunde, die dort anknüpfen, wo sie beim letzten Mal aufgehört haben. Weiterlesen: Kai Wessel und Dima Orsho arbeiten zusammen

Impro-Ritt auf der Rasierklinge

Der weitere Abend hält viele wunderbare Momente bereit: Kai Wessels Gesang geht tief unter die Haut, die Lieder und Tänze der Capella zünden. Auf der Hewar-Seite berühren Dima Orsho mit ihrem Mezzo und Kinan Azmeh, der mit seiner Klarientte die Grenze zur Stille auslotet und sich kurz vor Ende zu einem wilden Impro-Ritt auf der Rasierklinge der neuen Musik aufschwingt. Jasser Haj Joussef untermalt das alles an der Violine und an der Viola d‘amore mit atmosphärische Klangfarben.

Doch bei aller Schönheit will der Dialog nicht so recht in Gang kommen. Stattdessen erzählen die einen von der Renaissance, die anderen von ihrem Mix aus arabischer und westlicher Musik und Jazz. Es ist, als erzähle jemand Geschichte und Anekdoten, um peinliche Gesprächspausen zu vermeiden. Aber immer, wenn Azmeh den Ball von der Capella aufnimmt oder ihn zurückspielt, wenn Peter A. Bauer mit seiner filigranen Perkussionsarbeit an Darbouka und Rahmentrommel und Johannes Vogt an der Laute beide Welten verklammern: Dann schimmert das Potenzial des musikalischen Pärchens auf – man muss den Leuten nur Zeit geben. Für diesen Abend hat sich der Dialog nur mühsam entwickelt, ist die Wiederbegegnung letztlich gescheitert. Das aber auf so hohem Niveau, dass die Fortsetzung in jedem Fall lohnt.


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