Zusammenleben verstehen Polizisten aus ganz Deutschland in Osnabrücker Moschee

Von Vincent Buß

In der Ayasofya-Moschee erzählte Gemeindemitglied Hakan Kurt den anwesenden Polizeiführungskräften vom Alltag der Muslime. Foto: Swaantje HehmannIn der Ayasofya-Moschee erzählte Gemeindemitglied Hakan Kurt den anwesenden Polizeiführungskräften vom Alltag der Muslime. Foto: Swaantje Hehmann

vbu Osnabrück Aus mehreren Bundesländern sind Polizeiführungskräfte nach Osnabrück gekommen, um eine Moschee und das Institut für Islamische Theologie zu besuchen. Die Hasestadt gilt als beispielhaft für eine positive Beziehung zwischen Muslimen und der Polizei.

Um den Besuch gebeten hatte die Deutsche Hochschule der Polizei in Münster, an der die Beamten eine Fortbildung absolvierten. „In Osnabrück kann man zeigen, wie interreligiöses Zusammenleben und die Beziehung zwischen Migranten und Polizei funktioniert“, erklärte Sabine Ide. Als Dialogbeauftragte der Polizeidirektion Osnabrück hält sie Kontakt zu den muslimischen Gemeinden und ist eine im Alltag präsente Ansprechpartnerin.

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Ihre Exkursion nach Osnabrück führte die knapp 20 Beamten in die Ayasofya-Moschee in der Meller Straße. Dort saßen sie – natürlich ohne Schuhe – auf dem Boden und lauschten dem Gemeindemitglied Hakan Kurt sowie Hakki Arslan vom Institut für islamische Theologie der Universität Osnabrück. Arslan erläuterte die Funktion der Räume, erklärte Gebetsriten und den Ramadan. Er nannte die Moschee einen „Ort der Begegnung“.

Anpassungsprozess

Das Gotteshaus soll auch ein Jugendzentrum und ein Familientreffpunkt sein, sagte Kurt. Viele Moscheen in Deutschland sind laut Arslan nicht nach Prägung des Islams geordnet, sondern nach Ethnien. Die Ayasofya-Moschee sei inzwischen jedoch nicht mehr rein türkisch, freute sich Kurt.

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Mittlerweile würden viele Gotteshäuser für Frauen angepasst, erzählte Arslan. „Das ist jedoch ein Prozess.“ Die ersten Arbeitsmigranten seien meist Männer gewesen, weswegen beim Bau der Moscheen zunächst vor allem auf deren Bedürfnisse geachtet worden sei. Die Gemeinde in der Meller Straße besitzt bereits eigene Räume für weibliche Mitglieder.

Auch Kritikpunkte angesprochen

Die beiden Muslime thematisierten auch Kritik an Einwanderern. Manche Migranten der ersten Generation sprächen kein gutes Deutsch, da Sprachkurse zur damaligen Zeit nicht verpflichtend gewesen seien, sagte Kurt. In den folgenden Generationen befänden sich hingegen bereits viele Akademiker. Islamwissenschaftler Arslan sprach das Gefühl mancher Muslime an, nicht verstanden zu werden. Dafür gebe es zwei Gründe: „Einerseits die wachsende Islamfeindlichkeit, andererseits waren die deutschen Muslime bisher selbst nicht in der Lage, ihre Anliegen richtig zu kommunizieren.“

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Nichtsdestotrotz ist Osnabrück für Kurt eine Vorzeigestadt, da es nur wenige interreligiöse Konflikte gebe. Er wünsche sich weiterhin eine gute Zusammenarbeit zwischen den muslimischen Gemeinden und den Polizisten, gerade beim Thema Gewaltprävention. Nach dem Besuch in der Moschee besichtigten die Beamten das Institut für islamische Theologie.


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