Freizeittipp für die Ferien Schauspielernde Fußballer und erschwindelte Fallrückzieher

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Nicht nur von außen ein Hingucker: das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund. Foto: DFM/HannappelNicht nur von außen ein Hingucker: das Deutsche Fußballmuseum in Dortmund. Foto: DFM/Hannappel

Dortmund/Osnabrück. Welche klugen Sprüche stammen von Sepp Herberger? Hieß das Weserstadion früher mal anders? Und können die deutschen Nationspieler schauspielern? Fragen wie diese werden im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund beantwortet. Das ist eine Reise wert, für Fußballfans aller Altersklassen.

Stadien heißen heute Arenen. Deshalb passt die Bezeichnung Museum auch nicht zu dem Bau in unmittelbarer Nähe des Dortmunder Hauptbahnhofs. Erlebniskomplex beschreibt es besser. Multimedial im besten Sinne wird der Fußball hier zelebriert. Kaum ein Mythos, dem keine Nische gewidmet ist.

Die Rolltreppenfahrt zum Start endet im Jahr 1954. Im Kreis um das nur im entferntesten runde WM-Leder wird jeder der am Wunder von Bern beteiligten Nationalspieler mit einer Mischung aus Altar und Kabinenspind gewürdigt. Gehaltstabellen belegen, dass Fußball damals mehr Zeitvertreib als Broterwerb war. Und das Werk „11 rote Jäger“ aus der Feder von Fritz Walter lässt uns grübeln.

Um die Ecke schallt uns die Radiostimme Herbert Zimmermanns entgegen („Turek, du bist ein Teufelskerl!“), dazu laufen Fernsehbilder des Finales gegen Ungarn. Wer möchte, kann nebenan Herberger-Sprüche vervollständigen und erfährt Virtuoses wie „Der schnellste Spieler ist der Ball.“

Weiter geht es zu den großen Dramen und Erfolgen der Nationalelf. Wir nicken anerkennend die ungezählten Titel der Frauen-Nationalelf ab, dürfen abstimmen, ob der Wembleyball hinter der Linie war, und lassen uns auf Knopfdruck prägnante Szenen des Triumphs über Argentinien 1990 vorspielen. Scheinbar aus dem Nichts – wie ein Müller-Tor – erwacht über unseren Köpfen eine sehr lang gebogene Leinwand zum Leben. Mario Götzes goldener Treffer von vor drei Jahren. Gänsehaut!

Nach einem Blick auf die gleichsam interessanten wie unleserlichen Notizen von 2014er-Finalkommentator Tom Bartels betreten wir ein kleines Kino. Aktuelle Größen wie Mats Hummels, Thomas Müller und Philipp Lahm erklären uns ihre WM, Christoph Kramer versucht vergeblich, sich an seine Finalbeteiligung zu erinnern. Jogis Jungs mögen begnadete Fußballer sein, schauspielern können sie nicht.

Nach einem anschließenden Blick in die Pokal-Schatzkammer des DFB betreten wir die Bühne Bundesliga. Ein Stockwerk reicht nach mittlerweile 54 Jahren natürlich nur für einen groben Überblick, aber der wird geliefert. Dazwischen immer wieder kreative Höhepunkte: Wir erschwindeln uns ein Fallrückzieher-Foto (mit Rückenlehne!), müssen in Sekundenbruchteilen über Rot oder Elfmeter entscheiden und dürfen uns selbst als Fernsehkommentator versuchen. Übrigens auch zu Bildern des 2:0 von Benjamin Siegert bei der Pokalsensation des VfL Osnabrück gegen den HSV.

Im Erdgeschoss begutachten wir schließlich den – seltsam unspektakulären – Bus der Nationalelf. Der Rest ist Kicken und Konsum.

Fazit: Wer sich selbst Fußballfan nennt, sollte den Besuch im Dortmunder-Museum zum persönlichen Goal machen.


Adresse: Platz der Deutschen Einheit 1; Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: Erwachsene 17 Euro, ermäßigt 14 Euro, bei Onlinebestellung günstiger.

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN