Die goldene Ära des Libanon Layale Chaker beim Morgenland Festival Osnabrück

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Osnabrück. Die libanesische Geigerin Layale Chaker hat sich auf Spurensuche begeben: Sie hat die Musik aus der Goldenen Ära des Libanon wiederentdeckt und beim Morgenland Festival ein bezauberndes Konzert gespielt.

Es spricht einiges dafür, dass der Libanon das Portugal der arabischen Welt ist: die westliche Randlage am Meer zum Beispiel. Eine andere Parallele kann, wer will, im Konzert von Layale Chaker und ihrem Ensemble Sarafand beim Morgenland Festival erkennen. Die Musik ist nämlich durchzogen von einer Melancholie, wie sie in dieser Intensität der Fado kennt und die Tristesse im französischen Chanson. Dabei beschäftigt sich der Abend mit der goldenen Ära, die der Libanon erlebte, nachdem die französischen Besatzer Anfang der 40er-Jahre das Land verlassen hatten. „Eine Ära der Hoffnung“, sagt Layale Chaker, „geprägt von der Utopie von Einigkeit“. Weiterlesen: Layale Chaker spricht über ihr Programm

Die arabische Welt und der Fado

Vielleicht ist der Araber nur glücklich, wenn er traurig sein kann – das würde die Fado-Theorie stützen. Oder die libanesischen Dichter, Musiker, Künstler ahnten den Bürgerkrieg voraus, der die goldene Ära schon nach wenigen Jahren Ende der 50er-Jahre beenden sollte. Jedenfalls spielt sich der größte Teil des Abends in schummrigem Halbdunkel der Melancholie ab, im sanft groovenden Takt der großen Rahmentrommel Daf. „Mkhammas“ steht über dem Konzert, der Name für ein Versmaß in der arabischen Lyrik und in der arabischen Musik – beides hängt eng zusammen, mehr noch: Alle Musik gründet auf die Dichtkunst. In diesem Fall eben auf die Dichtkunst jener gut 15 Jahre, in denen Literaturcafés und philosophische Zirkel Beirut prägten.

Die libanesische Geigerin Layale Chaker spürt mit diesem Projekt der libanesischen Identität nach. Sie hat dafür geforscht und Quellen studiert und entwickelt daraus ihre eigene Musik als Utopie von einer Welt, in der die Grenzen zwischen Ost und West verschwimmen. Tatsächlich wird der Grenzverlauf an diesem Abend zur filigranen Linie, zu einem von vielen Fäden, aus denen dieser Abend gewebt ist. Weiterlesen: Das Eröffnungswochenende des Morgenland Festivals 2017

Chaker selbst ist Teil dieser Utopie: Die Geigerin spielt auf ihrem Instrument arabische Klangfarben und arabische Skalen, die Maqamat, blendet aber auch sanft hinüber zum klassisch-westlichen Klang. Der umwerfend musikalische Oud-Spieler Mohanad Aljaramani bringt natürlich arabische Akzente ein, genauso wie Youssef Hbeisch, der auf der Bechertrommel Darbuka und auf der runden Daf den Abend mit seinem sanft wiegenden Groove unterlegt und mit ein paar Soli brilliert. Elie Maalouf sitzt am Klaver, dem westlichsten Instrument überhaupt, doch seine minimalistischen Akkorde öffnen das Instrument dem Dialog mit den Vierteltönen der arabischen Musik, und seine Soli spielt er in einem jazzigen Ton mit einem Schuss Orient. Schließlich ist da der Gast Michel Godard: Welcher Musiker steht mehr für den Dialog unterschiedlichster musikalischer Genres? Auf seiner gewundenen Serpent spielt er rauchzarte Töne, die in der Alten Musik genauso wurzeln wie im Jazz, er lässt sich auf die arabische Farben ein und fügt sich wunderbar in die west-östliche Klangwelt ein.

Ausgelassene Euphorie gestattet sich diese Musik nur selten; es herrscht der leise Groove der Schwermut vor. Das aber formuliert dieses Quintett in filigranen Dialogen, die den Zuhörer teilhaben lassen an dieser Musik, an der „goldenen Ära“ des Libanon und an dieser Traurigkeit, die auch den Abendländer glücklich macht.


Morgenland Festival Osnabrück: Noch bis 25. Juni. Weitere Infos und Tickets: www.morgenland-festival.com

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