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Bahnhof, Hasepark, Bremer Brücke Polizei übt Einsatz gegen Fußball-Chaoten

Von Sven Kienscherf

Die Übung sollte der Realität so nah wie möglich kommen: Beamte schirmen Rettungskräfte ab, die einem Mann helfen, der Verbrennungen durch Pyrotechnik erlitten hat. Die Wunden sind natürlich nur aufgeschminkt. Fotos: Michael GründelDie Übung sollte der Realität so nah wie möglich kommen: Beamte schirmen Rettungskräfte ab, die einem Mann helfen, der Verbrennungen durch Pyrotechnik erlitten hat. Die Wunden sind natürlich nur aufgeschminkt. Fotos: Michael Gründel 

Osnabrück. In einer großangelegten Übung haben Polizei und Rettungskräfte am Freitag in Osnabrück den Einsatz bei einem Risikospiel geprobt. Über 700 Einsatzkräfte waren beteiligt. Im Umfeld der Bremer Brücke wurden Straßen teilweise gesperrt.


Die Polizei dokumentierte den gesamten Einsatz umfangreich in Bild und Film, zusätzlich schwebte eine Drohne der Stadt über der Bremer Brücke. „Wir werden den Einsatz in den kommenden Tagen auswerten und schauen, an welchen Stellen wir noch besser zusammenarbeiten“, sagte Polizeisprecherin Anke Hamker.
Randalierer stürmen den Eingangsbereich. Foto: Michael Gründel
 
 
Auch bei der Übung am Freitag wurde das Abbrennen von Pyrotechnik mit drei im Stadion aufgestellten Nebelmaschinen nachgestellt. Die Polizei zog Störer aus dem Gästeblock. Insgesamt musste die Feuerwehr über 50 Verletzte, die natürlich nicht wirklich verletzt waren, behandeln. Zusätzliche Rettungskräfte wurden angefordert, um die Lage in den Griff zu bekommen. Die Verletzten wurden zur Halle Gartlage gebracht, wo sich das nachgestellte Krankenhaus befand.
Über 50 Verletzte werden von den Rettungskräften versorgt. Foto: Michael Gründel
 
Aber nicht nur Polizei und VfL-Ordner müssen sich mit Chaoten rumschlagen, auch Feuerwehr und Rettungskräfte werden bei Spielen attackiert, wie Klaus Fiening von der Osnabrücker Berufsfeuerwehr erzählte. Bei einem Einsatz wollten Sanitäter Verletzten helfen, nachdem die Polizei Pfefferspray eingesetzt hatte. „Wir haben gesagt, dass wir nur helfen können, wenn keine Pyros mehr abgebrannt werden.“ Trotzdem sei weiter gezündet worden. Fiening: „Wir mussten wieder fahren.“
Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr stellen die Verletzten da. Sie wurden zuvor aufwendig geschminkt. Foto: Michael Gründel
 
Immerhin: Nach Einschätzung von Einsatzleiter Meyer ist die Zahl der Straftaten zumindest der heimischen Fans in den vergangenen fünf Jahren zurückgegangen. Trotzdem hat die Polizei alle Hände voll zu tun, was auch an der besonderen Lage der Bremer Brücke liegt; das Stadion befindet sich mitten in einem Wohngebiet. „Es gibt keinen richtigen Gäste-Parkplatz“ Das macht es für die Beamten schwierig, die Gruppen voneinander zu trennen.
In Bussen der Stadtwerke werden die Fans vom Bahnhof aus zum Stadion gebracht. Foto: Michael Gründel
 
Auch der VfL Osnabrück versucht mit umfangreichen Kontrollen, Randalierer schon vor dem Eintritt ins Stadion auszusieben. „Seit der letzten Saison kontrollieren wir nach dem Flughafenprinzip“, erklärt der VfL-Sicherheitsbeauftragte Brede Lockhoff. Stadionbesucher müssen ihre Taschen leeren und den Inhalt zunächst in gelbe Kisten räumen, bevor sie von den Ordnern durchsucht werden. Bei Risikospielen wie gegen Preußen Münster seien teilweise bis zu 200 Ordner im Einsatz, sagte Lockhoff.
Auch die Ordner des VfL Osnabrück haben bei der Übung alle Hände voll zu tun. Foto: Michael Gründel
 
Die Einsatztaktik der Polizei sei über die Jahre gewachsen. Die Polizei setzte nun Busse ein, um die Fans vom Bahnhof direkt ins Stadion zu bringen. Offenbar mit Erfolg. „Wir verzeichnen deutlich weniger Straftaten auf dem Weg ins Stadion“, sagte Meyer. Zuvor seien die Fans von Beamten zu Fuß eskortiert worden. „Das hat immer wieder dazu geführt, dass aus der Menge der Fans Gegenstände geflogen sind.“
Vor dem Einlass im Gästeblock herrscht Gedränge. Foto: Michael Gründel
 
Mit dem sogenannten Block- oder Kassensturm versuchen Randalierer, die Einlasskontrollen zu umgehen und direkt ins Stadion zu gelangen. Auf diese Weise wollen sie beispielsweise Pyrotechnik, Hassplakate oder andere verbotene Gegenstände mit ins Stadion bringen. „So versuchen auch Leute mit Stadionverbot reinzukommen“, sagte Meyer.
Polizisten fangen Randalierer ab, nachdem sie beim Blocksturm über die Absperrungen gesprungen sind. Foto: Michael Gründel
 
Im Normalfall werden die Störer zur Polizeiwache gebracht und je nach Tatvorwurf werden sie zumindest bis zum Ende des Spiels in Gewahrsam genommen. Das erklärte Einsatzleiter Alexander Meyer. „Ziel ist es, dass Straftäter nicht ins Stadium kommen und Gäste und VfL möglichst vor und nach dem Spiel voneinander getrennt sind.“
Die Randalierer werden zu Boden gebracht, später werden die Personalien aufgenommen. Foto: Michael Gründel
 
Die Polizisten, die die Randalierer mimten, gaben ihren Kollegen in Uniform einiges zu tun. Sie rüttelten an einem Bus der Stadtwerke, sangen Schmähgesänge gegen die Polizei und sprangen beim sogenannten Blocksturm über Eisengitter. Aus einem Fanmarsch warfen sie Becher auf Beamte und im Stadion randalierten sie weiter. Polizisten brachten ihre randalierenden Kollegen zu Boden und führten sie ab.
Ein Randalierer wird von der Polizei abgeführt. Foto: Michael Gründel
 
Das Szenario: Eine Begegnung zwischen VfL Osnabrück und Arminia Bielefeld. Los ging es am Hauptbahnhof, wo Polizisten in Zivil Arminia-Fans spielten. Uniformierte Beamte eskortierten sie zu Bussen der Stadtwerke, mit denen sie zur Bremer Brücke gefahren wurden. Der Einsatz sollte möglichst realistisch ablaufen, wie Polizeisprecherin Anke Hamker sagte. 500 Polizeibeamte waren zu dem Zweck im Einsatz.
Die Übung soll so realistisch wie möglich wirken. Foto: Michael Gründel
 
Über 700 Polizisten, Feuerwehrleute, Vfl-Ordner und andere Rettungskräfte waren an der Übung beteiligt. Foto: Michael Gründel