Thema im Osnabrücker Bürgerforum „Die Migranten leben wie in einem Lager“

Von Jann Weber


Osnabrück. Baustellen, Straßen, Wohnungen und ein Zaun an der Flüchtlingsunterkunft am Limberg: Über diese Themen diskutierte das Bürgerforum für die Stadtteile Dodesheide, Haste und Sonnenhügel.

Osnabrück. Der Sonnenhügel beginnt gleich hinter dem Hasetor. 2018 soll die Einmündung zur Bramscher Straße umgebaut werden, ebenso am anderen Ende hin zur Haster Mühle. Manche Anwohner hoffen, dass diese beiden Ein- und Ausfahrten nur für Busse und Fahrräder geöffnet sein werden – und zeigten sich im Bürgerforum enttäuscht darüber, dass diese Idee in der Zwischenzeit fallengelassen wurde. Hartmut Damerow vom Osnabrücker Servicebetrieb erläuterte, dass sich der Ausbau der Bramscher Straße noch in der Planungsphase befindet. Und Jürgen Schmidt vom Fachbereich „Geodaten und Verkehrsanlagen“ kündigte eine Anwohnerversammlung an.

Wenn die Studenten einziehen: Reichen die Parkplätze in Haste?

Wer mit dem Auto von der Bramscher Straße aus zur Römereschstraße möchte, sollte bis nach den Sommerferien über den Mühleneschweg fahren. Die Linksabbiegespur an der Haster Mühle ist derzeit noch gesperrt. Weiter stadtauswärts soll an der Ecke zum Fürstenauer auf dem jetzigen Gelände des Baufachmarktes Nilsson ein Quartier mit 160 Wohungen für Studenten entstehen. Reichen die Parkplätze? Der Bürgerverein Haste ist deshalb besorgt, weil es in der Umgebung bereits jetzt zu Engpässen komme, wie Vorsitzender Erhard Fricke schilderte. Hauptverursacher seien die Berufsbildenden Schulen und die Hochschule. Die Verwaltung sieht es so: „Es ist nicht vorgesehen, über die rechtlich erforderlichen Einstellplätze hinaus ein zusätzliches Parkplatzangebot zu schaffen, um Defizite im Stadtteil zu beheben.“ CDU-Ratsfrau Katharina Pötter, die das Bürgerforum leitete, zeigte sich sicher, dass die „Ratsgremien ihr Augenmerk“ darauf richten würden. Dabei müsse berücksichtigt werden, dass auch viele Studenten über Autos verfügen.

Neue Bushaltestelle: Autos weichen auf Nebenstraßen aus

Eine der wichtigen Verkehrsadern durch Haste ist die Hardinghausstraße. Wie Erhard Fricke beobachtet, weichen nach dem Ausbau der Bushaltestelle viele Autos auf Seitenstraßen aus. Anwohner sehen die Schulwege ihrer Kinder gefährdet. Jürgen Schmidt teilte mit, dass sich die Verwaltung mit den Verkehrsströmen beschäftigen werde. Auch sei eine Verkehrsschau vorgesehen.

Hof Hanesch: Vorfahrt in der verkehrsberuhigten Straße

Von Haste aus befindet sich die erste Siedlung der Dodesheide auf dem ehemaligen Hof Hanesch – und dort ärgern sich Anwohner über ihre Nachbarn, die zu schnell durch die Heinrich-Mann-Straße fahren. Dabei handelt es sich um eine verkehrsberuhigte Zone. „Und das heißt: Sieben Stundenkilometer sind das Limit“, wie Katharina Pötter es formulierte. Auch wähnen sich manche wohl auf einer Vorfahrtstraße – dabei gilt dort „rechts vor links“. Die Verwaltung will nach einem geeigneten Messstandort suchen.

Der Zaun an der Flüchtlingsunterkunft am Limberg soll verschwinden

Am östlichen Rand der Dodesheide befindet sich der Limberg. Auf dem ehemaligen Kasernengelände leben in einer Unterkunft 254 Migranten. Ein Anwohner wollte wissen, ob deren Identität „zweifelsfrei geklärt“ ist. Ja, dies sei der Fall, teilte die Verwaltung mit. Die meisten stammten aus dem Sudan, weitere unter anderem aus Simbabwe und Eritrea. Die Anfrage des Anwohners ging weiter: Er wollte wissen, ob Oberbürgermeister Wolfgang Griesert versichern könne, dass sich unter den Migranten keine Straftäter befinden. Nachbarn zeigten sich empört: „Es gibt keinen Grund zur Sorge. Es ist genau umgekehrt: Die Menschen dort leben wie in einem Lager!“ Das soll sich ändern.

Wie Hartmut Damerow vom Osnabrücker Servicebüro mitteilte, wird der Zaun zum Teil abgebaut: „Stattdessen soll ein Grünstreifen entstehen.“ Nur dort, wo die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) noch für das Gelände zuständig ist, muss der Zaun noch bleiben. Als die Frage aufkam, ob die Flüchtlinge auch Zugang zum Internet haben, kündigte Stadtkämmerer Thomas Fillep an, dass – falls dies nicht der Fall sei – die Stadt die „erforderliche Infrastruktur“ dafür schaffen wird.

Geisterfahrer auf der Ellerstraße

Die neue lange Mittelinsel auf der Ellerstraße – kurz vor der Knollstraße – soll dabei helfen, dass Fußgänger sicherer die Straße überqueren können. Dort befindet sich außerdem eine Haltestelle. Ein Anwohner berichtete, dass einige Autofahrer dort sowohl die haltenden Busse als auch die Mittelinsel überholen – und auf diese Weise als Geisterfahrer unterwegs sind. Jürgen Schmidt sprach von einem „krassen Fehlverhalten“. Die Verwaltung habe die Polizei darum gebeten, den Verkehr dort regelmäßig zu kontrollieren.

Grünverbindung zwischen Knollstraße und Lerchenstraße

Wenige hundert Meter weiter befindet sich eine verborgene Idylle: Von der Knollstraße aus wird eine Grünverbindung aktiviert, die zum historischen Landwehrgraben genau auf der Stadtteilgrenze zwischen der Dodesheide und dem Sonnenhügel führt. Zunächst werden aber noch Umwege erforderlich sein: Die Verwaltung verhandelt mit drei Eigentümern über einen möglichen Durchgang. Der Abschnitt zur Knollstraße hin soll am Donnerstag, 20. Juli, um 16 Uhr freigegeben werden.

Anwohner applaudieren

Bei allem Ärger über manche der vielen Themen: Am Ende der Sitzung applaudierten die Teilnehmer des Bürgerforums. Manche Tagesordnungspunkte werden im nächsten Bürgerforum für diese drei Stadtteile in einem halben Jahr fortgesetzt.