Ausstellungsprojekt „Dürer+Ich“ Kulturgeschichtliches Museum hat ein „Dürer-Labor“

Weißraum: Nils-Arne Kässens stellt im Oberlichtsaal des Kulturgeschichtlichen Museums das Konzept von „Dürer+Ich“ vor. Foto: Swaantje HehmannWeißraum: Nils-Arne Kässens stellt im Oberlichtsaal des Kulturgeschichtlichen Museums das Konzept von „Dürer+Ich“ vor. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Regionale und überregionale Künstlerinnen und Künstler beschäftigen sich mit der Dürer-Sammlung im Kulturgeschichtlichen Museum. Im Oberlichtsaal hat das „Dürer-Labor“ nun seine Arbeit aufgenommen.

Derzeit starren den Besucher im Oberlichtsaal des Kulturgeschichtlichen Museums weiße Wände an. Leere Stellwände und ein paar Tische, aus Holzböcken und einfachen Platten improvisiert, verteilen sich im Raum, doch Kunst ist keine zu sehen. Als hätte jemand das Museum trockengelegt.

Verantwortlich dafür zeichnet Nils-Arne Kässens, der Direktor von Felix-Nussbaum-Haus und Kulturgeschichtlichem Museum. Er hat das Herzstück des Hauses für sein Projekt „Dürer + Ich“ umgewidmet: Der Ausstellungsraum ist jetzt Atelier, genauer: das „Dürer-Labor“, wie ein schlichtes DIN A4-Blatt an einer Wand in Großbuchstaben verkündet. Seit gestern beschäftigen sich dort zwölf Künstlerinnen und Künstler mit der Dürersammlung des Museums. Weiterlesen: „Dürer + Ich“ wird vorgestellt

Künstlerprivilegien

Sie genießen dabei ein Privileg: Sie dürfen Dürers Grafiken nach Lust und Laune betrachten. Die Originale. Nur zwei Einschränkungen macht der Museumsleiter: „Fassen Sie die Originale immer mit Handschuhen an“, sagt er der Gruppe. „Und setzen Sie die Blätter nicht zu lange dem Licht aus“. Sonst zerfallen Sie buchstäblich zu staub. Kurz: „Gehen sie respektvoll mit den Dürerdrucken um“.

Tatsächlich sollen sich die Künstler intensiv mit den Blättern beschäftigen und darauf reagieren: mit ihren Ausdrucksmitteln, mit ihrer Kunst. Da ist die Fotografin Linda Günther aus Bremen, die sich für Details, besonders für Hände und Handkonstellationen interessiert. Hans Castrup aus Bramsche plant, ausgehend von den Posaunenengeln der „Apokalypse“, eine Klanginstallation. Oder Ann Schomburg und Sascha Boldt: Die beiden Berliner Künstler sind in der Performance zuhause, arbeiten mit Installation und Malerei, was wiederum in ihre Performances fließt – sie wollen Osnabrücker Bürger mit den Grafiken des Nürnberger Künstlers konfrontieren, womöglich sogar an Haustüren klingen und als „Die Zeugen Dürers“ zum Gespräch über den Nürnberger Meister auffordern. Weiterlesen: Nils-Arne Kässens im Porträt

Man sieht: Die Künstler von „Dürer + Ich“ decken die Facetten der bildenden Kunst in ihrer Vielfalt ziemlich ab; sogar ein Kupferstecher auch China beteiligt sich an dem Projekt. Das Ergebnis ist offen wie der Arbeitsprozess: Die Künstler können, „im Rahmen der Öffnungszeiten“, betont Kässens, kommen und gehen, wann sie wollen, und kein Museumsbeuscher muss an der Tür zum „Dürer-Labor“ umkehren. Im Gegenteil: Der offene Entstehungsprozess der Ausstellung ist ausdrücklich intendiert und entspricht Kässens Idee vom „durchlässigen Museum“.

Dafür hat er sogar Geldgeber begeistern können: Die „sievert stiftung für wissenschaft und kultur“ finanziert „Dürer + Ich“ zum Teil, sodass die Künstler Honorar erhalten, und zwar bereits für die Arbeit – in der Regel fließt Geld erst für das fertige, verkaufte Kunstwerk. Auch das passt ins Konzept, denn einige Arbeiten dürften durchaus als Prozess zu verstehen sein –wenngleich Kässens schon daran gelegen ist, zum Ausstellungsstart am 20. Juli ein paar Kunstwerke präsentieren zu können. Damit die Kunst wieder in den Oberlichtsaal zurückkehrt.


„Dürer + Ich“: 20. Juli bis 17. September

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