Serie „Die Kunden und ich“ Gepäcklader vom FMO über verlorene Koffer und prominente Fluggäste


Osnabrück. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 39: ein Lader vom Flughafen Münster Osnabrück.

Seit gut einem Jahr ist Andreas Mersmann (39) am FMO vollbeschäftigt, vorab hat er hier aber schon in Teilzeit gearbeitet. Horst Herting arbeitet seit 28 Jahren beim FMO und ist mittlerweile Betriebsleiter im Vorfeld.

Herr Mersmann, wie oft geht hier am Flughafen denn ein Koffer verloren?

Mersmann: Wenn alles richtig läuft, eigentlich gar nicht. Jeder Koffer wird hier doppelt kontrolliert, einmal von uns und einmal maschinell. Außerdem ist an den Koffern ein Label dran, sodass jeder eindeutig zugeordnet werden kann. An Großflughäfen mag das etwas anderes sein, da geht vielleicht beim Umsteigen schon eher mal etwas durcheinander.

Kann ich das Risiko noch weiter vermindern, indem ich mir einen besonders auffälligen Koffer anschaffe? (Es fahren auf dem Band vorbei: ein Hartschalen-Koffer in Strandkorb-Optik, ein Koffer mit Blümchenmuster, ein Koffer in Knallpink)

Herting: Zumindest besteht so nicht die Gefahr, dass sie am Gepäckband von Reisenden verwechselt werden. Die meisten Koffer sehen sich ja sehr ähnlich, und wenn bei Aldi gerade welche im Angebot waren, reisen plötzlich alle mit einem Aldi-Koffer.

Haben Sie selbst einen auffälligen Koffer?

Herting: Ich habe zumindest einige Aufkleber drauf.

Herr Mersmann, welche Koffer sind Ihnen denn die liebsten?

Natürlich die nicht ganz schweren. Ein Koffer, der elf Kilo wiegt, ist natürlich schöner als einer mit 19 Kilo Gewicht.

Und was nervt Sie besonders?

Mersmann: Die Gurtbänder. Die halten im Grunde gar nichts, verheddern sich dafür im Förderband oder fallen ganz ab.

Herting: Ein guter Koffer, der hält auch ohne Gurt! Ebenfalls unhandlich: glatt polierte Hartschalenkoffer. Die rutschen einem schnell aus der Hand.

Mersmann: Hunde müssen extrem gesichert werden. Das ist ziemlich aufwendig.

Wo kommen die Hunde denn unter?

Herting: Die kommen nach vorne, wo es beheizt und das Licht an ist. Wir hatten gerade wieder etwas Ärger, weil ein Fluggast einen großen Hund in einer zu kleinen Box transportieren wollte. Es gibt da genau Vorschriften. Tiere in zu kleinen Boxen nehmen wir nicht mit. Die Reise ist für sie schon Stress genug.

Was kann ich denn tun, damit mein Koffer bei der Ankunft als erster aufs Gepäckband kommt? Einfach als Letzte einchecken?

Mersmann: Das können Sie nicht beeinflussen. Sie können nur ein rotes Label dazu buchen, also einen „Priority“-Anhänger. Das machen zum Beispiel Prominente, die mit uns fliegen.

Welche Prominenten denn?

Ob ich das wohl verraten darf? Naja, Mickie Krause macht das zum Beispiel.

Wie geht es Ihnen denn gesundheitlich? Herr Mersmann, was macht er Rücken?

Mersmann: Rückenschmerzen habe ich keine. Ich mache auch Sport, gehe laufen...

Herting: Vor gut sieben Jahren haben wir neue Bänder angeschafft, die das Gepäck direkt in den Frachtraum bringen. Vorher musste oben noch ein Lader stehen und jeden einzelnen Koffer entgegennehmen und rüber hieven. Seit der Anschaffung sind unsere Krankheitszahlen enorm gesunken. Die Bänder waren zwar nicht ganz günstig, aber wenn man das mal ausrechnet – zwei Bandscheibenvorfälle weniger, und schon ist das Geld gut angelegt.

In diesem Moment meldet sich das Funkgerät: ein medizinischer Notfall. Offenbar ist ein Passagier kollabiert und kann seinen Flug nicht antreten. Die Lader müssen also schnell die beiden Koffer wieder heraussuchen und zurückbringen.

Herting: Kein Koffer darf ohne Passagier an Bord gehen. Wäre der Koffer schon im Frachtraum gewesen, müssten wir den jetzt wieder raus holen. Wir hatten hier einmal eine Ladergruppe, die musste an einem Tag zweimal das ganze Gepäck wieder auspacken.

Zweimal? Was war denn da los?

Herting: Zwei Gäste hatten Flugangst. Ein Mann und eine Frau, die aber unterschiedliche Flüge gebucht hatten. Die beiden hatten an einem Kurs gegen Flugangst teilgenommen, aber als sie an Bord waren, brachen sie in Tränen aus. Und wenn wir hier eine Maschine mit etwa 180 Fluggästen und entsprechend vielen Koffern haben, können Sie sich vorstellen, was das für ein Aufwand ist.


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