zuletzt aktualisiert vor

Macht der Medien Osnabrücker Studierende stellen Altdrucke der Reformation aus

Von Michael Schwager


Osnabrück. Die Ausstellung „Macht der Medien – Altdrucke der Reformationszeit“ ist eröffnet. Sie ist im Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (IKFN) der Uni Osnabrück bis zum 4. August zu sehen.

Die Reformation war ein Medienereignis, das ohne die Erfindung des Buchdrucks weniger Wirkung erzielt hätte. Gleichzeitig habe die über ein halbes Jahrhundert früher erfundene Technik erst durch den „Content“ Reformation ihren Durchbruch erzielte, betonte Prof. Dr. Siegrid Westphal, als IKFN-Direktorin für die Koordination der Ausstellung verantwortlich.

Schmähschrift

Masterstudierende der Geschichtswissenschaft konzipierten die kleine Ausstellung. Bibliothekarin Beate Mrohs stellte mit ihnen die alten Drucke aus der Reformationszeit zusammen. Anschließend setzten sie einen Themenschwerpunkt. Ein Beispiel: Anna Lingnau befasste sich mit der Schmähschrift von Philips van Marnix „Der römische Bienenkorb“. Der Calvinist, vergleicht darin die katholische Kirche mit einem Bienenkorb, in dem die Bienen giftigen Honig fabrizieren und damit Verderben über die Welt bringen. Neben der Vitrine, die die Studentin zum Thema gestaltete, entstand auch ein Beitrag für den Ausstellungskatalog, in dem die Schrift weiter interpretiert wird.

Siegrid Westphal dankte bei der Eröffnung unter anderem Felicitas Hundhausen, Direktorin der Universitätsbibliothek, für ihre Unterstützung. Ihre Mitarbeiter Susanne Mönkediek und Michael Fisher zum Beispiel unterstützten das Team technisch. Student Andreas Schönwitz übernahm die Kataloggestaltung.

Weg vom Schreibtisch

Studentin Melanie Ziemen beschrieb die praktische Arbeit im Projekt als besonderen Gewinn. Beeindruckt hätten sie die originalen Quellen, Aussehen und Geruch der Bücher und die Beschaffenheit des Papiers. Auch die Planung einer Ausstellung gehe über das hinaus, was sie und ihre Kolleginnen bei wissenschaftlicher Arbeit vor allem am Schreibtisch kennengelernt hätten.

Uni-Präsident Prof. Dr. Wolfgang Lücke dankte allen Beteiligten. Volker Arnke und Sebastian Bracke stellten bei der Vernissage den ebenfalls in der Ausstellung präsentierten fiktiven Dialog zweier Bauern dar, die sich über lutherfeindliche Doktoren an der Uni Tübingen lustig machen. Die Urbanus Rhegius zugeschriebene Flugschrift belege das Medienereignis Reformation, so Sigrid Westphal. Dank des Buchdrucks hätten verschiedene und weite Teile der Bevölkerung von den Debatten in der Reformationszeit erfahren, selbst auch zur Feder griffen und sich lebhaft eingemischt.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung im Erdgeschoss des IKFN-Gebäudes am Neuen Graben 19-21 ist bis zum 4. August montags bis freitags von 10 Uhr bis 17 Uhr öffentlich zugänglich.