Schwimmkurse in Osnabrück und Umgebung Wo Eltern lang aufs Seepferdchen warten müssen – und viel dafür zahlen

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Mindestens jeder zweite Grundschüler in Deutschland kann nicht richtig schwimmen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Foto: dpaMindestens jeder zweite Grundschüler in Deutschland kann nicht richtig schwimmen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Foto: dpa

Osnabrück. Vor wenigen Tagen hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Alarm geschlagen: Mindestens jeder zweite Grundschüler in Deutschland kann nicht richtig schwimmen. Überfüllte Schwimmkurse, hohe Kosten, Eltern, die sich nicht kümmern – Gründe werden viele genannt. Wie sieht es in Sachen Schwimmkurse in Osnabrück und Umgebung aus? Ein Überblick.

Im Internet hat eine Redakteurin der Zeitschrift „Brigitte“ ihrem Ärger Luft gemacht: Die Qualität der Schwimmkurse sei miserabel, drei Jahre lang habe sie auf einen Platz in einem Schwimmkurs warten müssen, zudem sei das nächste „völlig überfüllte Minischwimmbad“ eine Stunde mit dem Auto entfernt. So ist die Lage also offenbar in Hamburg. Und hier?

In Osnabrück haben im vergangenen Jahr rund 600 Kinder ihr Seepferdchen gemacht. „Einen Nachfrage-Rückgang nach Schwimmlernkursen können wir also glücklicherweise nicht verzeichnen, sondern bei den Kindern sogar eine leicht steigende Tendenz“, sagt Ann-Katrin Naumceski von den Stadtwerken Osnabrück. Auch die Wartezeiten halten sich hier in Grenzen. Wer sein Kind für einen Kurs im Schinkel-, Moskau- oder Nettebad im August oder September anmelden will, kann ihn über das Internet noch buchen. „Ein klassischer Seepferdchenkurs beinhaltet bei uns 15 Einheiten à 60 Minuten. Er findet zweimal wöchentlich statt und kostet 64 Euro zuzüglich des Eintrittes für das jeweilige Schwimmbad“, so Naumceski. Im Frühjahr sei die Nachfrage größer, da müssten Eltern mit Wartezeiten rechnen. Das hänge mit dem geplanten Badeurlaub und dem Schulbeginn zusammen. Hinzu komme, dass Kurse vor 15 oder 16 Uhr kaum noch angenommen werden.

Vormittagskurse nicht mehr gefragt

Diese Erfahrung hat auch Rudolf Devantier von der Schwimmschule 32 gemacht. „Durch die Betreuungszeiten in den Krippen, Kitas und den Grundschulen und dadurch, dass in vielen Familien beide Elternteile arbeiten, sind die Kurse an den Nachmittagen überfüllt“, sagt der Betreiber der Schwimmschule mit Sitz in der Blumenthalstraße. Für einen Seepferdchen-Kurs müssten Eltern mit Wartezeiten von rund sechs Monaten rechnen. Unterrichtet wird einmal pro Woche, der Kurs dauert sechs Monate und kostet 58 Euro pro Monat.

Zwei Jahre Wartezeit

„Aufgrund der hohen Nachfrage sind bei uns die Kurse bis einschließlich 2019 bereits ausgebucht“, schreibt uns Markus Grove von der DLRG Georgsmarienhütte, die Schwimmkurse im Panoramabad anbietet. Zweimal im Jahr fänden Kurse für zehn bis zwölf Kinder im Alter ab fünf Jahren statt. „Mehr können wir aufgrund unserer Hallenzeiten sowie unserer ausschließlich ehrenamtlichen Betreuer nicht anbieten“, so Grove. Bei den Kosten kann sich aber sicher niemand beschweren: die liegen bei einmalig 35 Euro. Zudem bietet der Verein für Kinder, die das Seepferdchen haben, einen kostenlosen Aufbaukurs an.

Georgsmarienhütter Eltern können aber auch direkt im Panoramabad einen Kurs buchen. „In Spitzenzeiten haben wir in einem Winterhalbjahr über 350 Kinder unterrichtet“, sagt Badleiter Thomas Kaulingfrecks. Die Wartezeit für einen Anfängerkurs beträgt nur drei oder vier Monate, die Kosten liegen bei 48 Euro plus dem Eintrittspreis. „Der Kurs beinhaltet zwölf Unterrichtsstunden und findet viermal pro Woche statt“, sagt Kaulingfrecks. Viermal pro Woche? Ja, das sei für die Eltern schon manchmal anstrengend, sagt Kaulingfrecks. Doch viele täten sich zusammen für Fahrgemeinschaften, außerdem habe so ein intensiver Kurs den Vorteil, dass man – anders als bei wöchentlichen Kursen – nicht erst groß die Lektionen der Vorwoche wiederholen müssten.

Eltern, die am Telefon lügen

Simone Eichler engagiert sich seit mehr als 30 Jahren in der DLRG Hagen. Der Anfängerkurs kostet gerade mal 25 Euro für zehn Einheiten. Eltern müssen nur etwa sechs Wochen auf einen Platz warten. Sehr voll sind hingegen die Kurse für Kinder im Alter von 6 bis 15 Jahren: Eltern können sich aber auf der Seite der Ortsgruppe in eine Warteliste eintragen. „Es ist für uns auch wirklich schwierig, wenn wir am Telefon von Eltern belogen werden“, sagt Simone Eichler. Leider komme das immer mal wieder vor, sagt die Ehrenamtliche. Da heiße es dann, das Kind habe schon Schwimmerfahrung und wird für den Aufbaukurs angemeldet – und bei der ersten Unterrichtsstunde stelle sich dann heraus, dass das Kind noch überhaupt nicht schwimmen könne. Zudem würden viele Eltern, die ihre Kinder vorher in eine private Schwimmschule in der Region geschickt hätten, ihre Kinder noch einmal bei ihnen anmelden und damit ebenfalls für volle Kurse sorgen, sagt Eichler. Der Grund: Die Kinder könnten in dieser Schwimmschule kein Seepferdchen machen, da die dortige Bahn gar nicht die nötigen 25 Meter lang sei.

In Hagen werden auch im Hallenbad Kurse angeboten, die ebenfalls „ratzfatz“ ausgebucht seien, wie uns telefonisch mitgeteilt wird. Auf jahrelange Wartezeiten müsse man sich hier zwar nicht einstellen, dennoch sei man von den Öffnungszeiten des Hallenbads abhängig – und nun ist erstmal Freibadsaison, in der das Hallenbad geschlossen ist. Zwölf Unterrichtseinheiten kosten hier 60 Euro.

150 Euro für einen Schwimmkurs

Auch in Bad Rothenfelde sollten sich Eltern rechtzeitig um einen Seepferdchenkurs kümmern: Die nächsten freien Plätze für einen Schwimmkurs im Carpefit gibt es im Januar. Die Kosten für die 15 Kurseinheiten: 150 Euro. In Bad Laer ist der Kurs mit 95 Euro günstiger, beinhaltet dafür aber nur zehn Einheiten.

Eltern als Schwimmlehrer

Übrigens: Natürlich können Kinder ihr Seepferdchen auch ganz ohne Schwimmkurs machen. „Wenn Eltern ihren Kindern selbst das Schwimmen beigebracht haben, können sie uns jederzeit für die Schwimmabzeichenabnahme ansprechen“, sagt Thomas Kaulingfrecks vom Panoramabad.

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