Serie „Die Kunden und ich“ Osnabrücker Schuhmacher über kaputte Absätze und schlechte Sneaker

Mit kaputten Absätzen hat Schumacher Michelle Bucken häufig zu tun. Foto: Jörn MartensMit kaputten Absätzen hat Schumacher Michelle Bucken häufig zu tun. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 38: ein Schuhmacher.

Ursprünglich hat Michelle Bucken eine Maurerlehre gemacht. Als er fertig war, war Flaute auf dem Bau, und er wurde Schuhmacher und stieg im Geschäft seines Vaters ein. Der 40-Jährige sorgt dafür, dass seine Kunden noch lange in ihren liebsten Schuhen laufen können. In Osnabrück hat er es häufig mit kaputten Absätzen zu tun...

Herr Bucken, wie viele abgebrochene Absätze haben Sie in Ihrem Leben schon angeklebt?

Das waren schon etliche. Um abgelaufene Absätze muss ich mich aber häufiger kümmern. Ist ein Absatz abgebrochen, hilft auch Kleben nicht mehr. Dann muss vernünftig verschraubt werden.

Wer bringt mehr kaputte Schuhe, Frauen oder Männer?

Eindeutig Frauen. Einige bringen auch die Schuhe ihrer Männer vorbei, aber am meisten muss ich mich um Damenschuhe kümmern. Kleine Pfennigabsätze halten nicht so lange – und das Pflaster in der Osnabrücker Innenstadt ist nicht gut für sie.

Michelle Bucken ist Schuhmacher in dritter Generation. Foto: Jörn Martens

Eigentlich leben wir doch mittlerweile in einer Wegwerfgesellschaft. Wer lässt denn da überhaupt noch Schuhe vom Schuhmacher reparieren?

Ein guter Schuh kostet schon mehr als die Reparatur. Selbst wenn ich 40 Euro für die Reparatur und 50 für den neuen Schuh ausgeben muss, ist der neue ja noch nicht eingelaufen. Viele Kunden bringen mir ihre Wanderschuhe oder Reitstiefel. Und die sind schon teurer.

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Wenn Sie sehen, dass Leute ihre Schuhe ausziehen, ohne die Schleife aufzumachen und stattdessen hinten auf die Ferse treten, schütteln Sie da Ihren Kopf?

Ich habe ja selbst Kinder (lacht). Verstehen kann ich es zum Teil, zum Teil aber auch nicht. Man macht da viel kaputt im Schuh. Die Hinterkappe war früher aus Leder, heute ist sie aus Kunststoff. Wenn der anfängt zu brechen, dann war es das. Ich kann zwar Futter mit Leder darüber setzen, aber richtig heile bekomme ich den Schuh nicht mehr.

Gehen wir allgemein nicht mehr gut unserem Schuhwerk um?

Ja, die Wertigkeit ist schon ein bisschen abhandengekommen. Viele Kunden bringen ihre Schuhe auch vorbei, damit ich sie putze, weil sie nicht mehr wissen, wie das geht. Schuhe sind zu billig geworden, man kümmert sich nicht mehr so darum wie früher.

Was war denn der schlimmste Fall, der mal in Ihren Händen gelandet ist?

Da kam eine Kundin mit einem nagelneuen Schuh, der vom Hund zerfressen worden ist. Ich habe ihn wieder hinbekommen, sodass der Schuh auch gut aussah. Aber die Kundin war fertig mit den Nerven. Der Schuh war nicht günstig. Ganz oft färbe ich übrigens auch Hochzeitsschuhe um, damit die Kundinnen diese noch mal anziehen können.

Wann ist ein Schuh nicht mehr zu reparieren?

Das ist oft bei Wanderschuhen der Fall. In deren Sohlen sind Weichmacher. Wenn die Schuhe acht oder zehn Jahre alt sind, gehen die Weichmacher raus und die Sohle zerbröselt. Da kann ich dann nur eine neue drunter setzen.

Wie viele Schuhe haben Sie selbst im Schrank?

Da stehen sieben Paar handgefertigte Maßschuhe und das gleiche noch mal an Wanderschuhen und ähnlichem. Ich lege beim Kauf Wert darauf, dass es ein anständiger Schuh ist. Später merkt man, was man seinen Füßen angetan hat.

Was sagen Sie denn dann zum Sneaker-Trend?

Wirklich taugen tun die Biester meistens nichts. Stoffschuhe reißen ganz oft. Aber letztlich muss jeder selbst entscheiden, was er trägt.

Sie haben auch einen Schlüsseldienst. Wie passt das zusammen?

Das wird oft so gemacht. Warum das so ist, weiß ich ehrlich gesagt nicht genau. Aber es passt zusammen. Beides hat viel mit Service zu tun.

Wie viele Schlüssel werden denn so verloren?

Das ist ganz unterschiedlich. Vor zehn Jahren musste ich mal acht Türen an einem Abend öffnen. Als ich nach der fünften am Telefon zu meiner Frau sagte, ich käme später, weil noch jemand seinen Schlüssel verloren hatte, dachte sie, ich würde sie veräppeln.

Aus welchen Gründen werden Sie gerufen?

Da stecken ganz verschiedene Geschichten hinter, von lustig bis traurig. Einmal rief mich eine Mutter an, die sich Sorgen machte, weil sie ihre Tochter nicht erreichen konnte und diese auch die Tür nicht öffnete. Gerade als ich die Tür aufhatte, wollte die junge Frau diese von innen öffnen. Sie hatte nach der Nachtschicht noch geschlafen. Am ersten Weihnachtstag rief mich mal eine Frau an, die sich beim Müll wegbringen ausgesperrt hatte – und im Ofen war noch die Gans. Viele sperren sich auch aus, wenn sie die Wäsche runter bringen. Müll und Wäsche, das sind die Klassiker.


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