Praktikumsplätze gesucht Migranten mit Ingenieursabschluss lernen in Osnabrück Deutsch

Von Hendrik Steinkuhl

17 Ingenieure nehmen an einem berufsbezogenen Deutschkurs im Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) in Osnabrück teil. Foto: David Ebener17 Ingenieure nehmen an einem berufsbezogenen Deutschkurs im Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) in Osnabrück teil. Foto: David Ebener

Osnabrück. Ingenieure werden auf dem Arbeitsmarkt weiterhin gesucht, doch vielen in Deutschland lebenden Migranten mit Ingenieurstudium fehlt es an Sprachkenntnissen. Ein besonderer Sprachkurs in Osnabrück soll Abhilfe schaffen.

Seit 1998 lebt Cahit Bulut in Osnabrück, der gebürtige Türke ist fest in der Stadt und in Deutschland verankert. „Von Erdogan halte ich übrigens überhaupt nichts“, sagt er. Es gibt nur ein Problem: die Sprache. Auch nach fast 20 Jahren ist Cahit Buluts Deutsch noch immer sehr holprig. Da ist es wenig überraschend, dass der 49-Jährige nicht als Maschinenbauingenieur arbeitet, obwohl er den Beruf in der Türkei gelernt und ausgeübt hat. Stattdessen arbeitet Bulut als Anlagenführer beim Automobilzulieferer Heyform in Engter.

Bildungswerk BNW

Weil sein Arbeitgeber Insolvenz angemeldet hat, versucht Cahit Bulut jetzt noch einmal, sich für seinen erlernten Beruf zu qualifizieren: In einem Deutschkurs speziell für Ingenieure, den das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) anbietet und das Bundesarbeitsministerium, der Europäische Sozialfonds und das Land Niedersachsen finanzieren, lernt Bulut die Sprache seines neuen Heimatlandes – allerdings anders als in einem gewöhnlichen Kurs.

„Nur Umgangssprache allein ist zu wenig!“, sagt Wolfgang Knispel, der Lehrer von Cahit Bulut und 16 anderen Sprachschülern. Knispel, der vor seiner Pensionierung Lehrer am Osnabrücker Gymnasium „In der Wüste“ war, unterrichtet die nach seiner Aussage hoch motivierten Ingenieure auch in technischer Fachsprache.

Referate über technische Themen

Konkret bedeutet das, dass die Teilnehmer unter anderem Referate über technische Themen halten. Aktuelle Aufgabe: ein Vortrag über einen besonderen Werkstoff. „Ich habe mir Nanomaterialien ausgesucht“, sagt Sviatlana Rüdebusch, die 2015 aus Weißrussland nach Deutschland gekommen ist.

In ihrer Heimat hat die 32-Jährige als Chemieingenieurin und Verfahrenstechnikerin gearbeitet. Um sprachlich fit für den deutschen Arbeitsmarkt zu werden, nimmt Rüdebusch einiges in Kauf. Jeden Tag kommt sie aus Dötlingen im Landkreis Oldenburg zum Sprachkurs nach Osnabrück, das bedeutet eine Zugfahrt von knapp eineinhalb Stunden. Und sie ist nicht die Einzige, die einen großen Aufwand betreibt. Sayuri Prudencio, 29-jährige Umweltingenieurin aus Peru, reist aus Delmenhorst an. Und Cahit Bulut schließlich fährt nach Unterrichtsende um 13 Uhr direkt zur Arbeit nach Engter und arbeitet dort bis 22 Uhr. Jeden Tag.

Hohe Motivation

„Die Motivation der Kursteilnehmer ist wirklich enorm“, sagt Lehrer Wolfgang Knispel. Über fehlendes Engagement könne er sich nicht beklagen, ganz im Gegenteil: Man merke jedem Teilnehmer an, dass er alles gebe.

Gleichzeitig ist auch das Angebot für die Migranten, für deren Kursteilnahme die Voraussetzung eine offizielle Anerkennung ihres Ingenieurstudiums ist, mehr als normaler Standard. Jeden Tag steht eine Mitarbeiterin des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft bis am späten Nachmittag für die Teilnehmer zur Verfügung und unterstützt sie bei allen Fragen.

Dreimonatiges Praktikum

Dabei geht es vor allem um die sogenannte praktische Erprobung. Denn zu dem Sprachkurs, der im März dieses Jahres begonnen hat, gehört auch ein dreimonatiges Praktikum, das Mitte August dieses Jahres anfängt. „Bislang hat leider noch keiner unserer Teilnehmer einen Platz“, sagt Andreas Bessler vom Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft.

Bessler und und die Kursteilnehmer würden sich deshalb freuen, wenn sich interessierte Firmen beim BNW melden würden. Die Kontaktadresse lautet andreas.bessler@bnw.de.