Oratorium mit 350 Mitwirkenden Chöre und Orchester vereint für „Jeanne d‘Arc“

Von Jan Kampmeier

Alle großen Innenstadtkantoreien mit ihren Kinder- und Jugendchören beteiligen sich am Projekt. Foto: Thomas OsterfeldAlle großen Innenstadtkantoreien mit ihren Kinder- und Jugendchören beteiligen sich am Projekt. Foto: Thomas Osterfeld

Die Innenstadtkantoreien, das Osnabrücker Symphonieorchester, Sänger und Schauspieler geben zwei Vorstellungen von Arthur Honeggers „Jeanne d’Arc“.

„Szene acht: Der König zieht nach Reims. Ziffer 48!“ Andreas Hotz beginnt die Probe, und über 200 Sänger setzen ein: „Willst zur Mahlzeit du nen Fladen?“ Arthur Honeggers Oratorium „Jeanne d‘Arc au bûcher“ ist ein wahres Mammutprojekt, für das sich alle großen Innenstadtkantoreien nebst ihren Kinder- und Jugendchören zusammengetan haben.

Die Melodie klingt einfach wie ein Kinderlied, doch darüber sprechen die Sänger das Wort „Mühlewind“. Collagetechniken seien typisch für das Werk, Honegger habe von Gregorianik bis Jazz alles hineingebracht, was ihm passend erschien, sagt Carsten Zündorf. Von ihm stammt die Anregung zu dem Großprojekt: „Bei meiner allerersten Chorprobe im Studium legte der Chorleiter dieses Stück auf. Es war ein unglaubliches Erlebnis damit einzusteigen ins Studium, und ich hab mir damals schon geschworen: Irgendwann willst du das gerne mal machen.“

Auch auf Zündorfs Marienkantorei sprang der Funke offenbar über, wie zwei Bässe des Chores durchblicken lassen. Matthias Schliebs sagt: „Ich mag das Stück sehr und finde es sehr erfrischend, mal so was unbekanntes zu hören. Ich finde es auch toll, dass alle Chöre und Kinderchöre zusammen wirken.“ Friedemann Keller meint: „Es ist schwierig zu proben, aber die Musikfetzen gehen einem dann nicht mehr aus dem Kopf.“

Das deckt sich mit der Erfahrung, die Godehard Nadler bei seinem Chor von St. Joseph gemacht hat: „Bei der Vorbereitung am Klavier dachte ich oft: Was für sperrige Strukturen, wie kriege ich das in den Chor überhaupt rein? Und dann in der Probe sehr häufig die Feststellung: Die konnten dass gleich so singen!“

Andererseits sagt Domchordirektor Clemens Breitschaft: „Es ist schon eine echte Herausforderung. Einmal in der Harmonik, die uns nicht so geläufig ist, außerdem ist es nicht ohne, die Übergänge und Einsätze zu kriegen.“ Die Schwierigkeiten seien jedenfalls viel größer als bei Honeggers häufiger aufgeführtem Symphonischen Psalm „König David“, meinen alle Chorleiter.

Bei der ersten gemeinsamen Probe aller Chöre in der Aula des Stauffenberg-Gymnasiums fehlt noch das Osnabrücker Symphonieorchester, dass, so Dirigent Andreas Hotz, in großer Besetzung mit viel Schlagwerk, mit Saxophonen und exotischen Instrumenten wie Ondes Martenot beteiligt ist. „Die große Chance dabei ist, mal zu zeigen, was wir hier eigentlich für ein Potential in der Stadt haben, gerade auch an Chören.“ Insgesamt sind etwa 350 Mitwirkende beteiligt.

Das Libretto schrieb Paul Claudel. Carsten Zündorf erklärt: „Es beginnt auf dem Scheiterhaufen, und Jeanne versucht, im Rückblick ihr Leben zu verstehen. Die Stationen werden aber nicht chronologisch angeordnet.“ Eine szenische Umsetzung durch den Schauspieldirektor Dominique Schnizer wird helfen, dem Verlauf der Handlung zu folgen, außerdem wird eine deutsche Übersetzung gesungen und gesprochen. Andreas Hotz erwähnt einen Wunsch des Komponisten: „Er hat selbst gesagt, Jeanne d‘Arc solle im besten Sinne ein populäres Stück sein.“


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