Als erste Stadt in Deutschland Osnabrück plant leuchtende Radwege am Rosenplatz


Osnabrück. Am Osnabrücker Rosenplatz könnten demnächst die ersten selbstleuchtenden Radwege in Deutschland entstehen. Dazu soll ein fluoreszierender Straßenbelag aufgebracht werden, der Sonnenlicht einfängt und nachts abstrahlt.

Ziel ist es, durch Erprobung einer solchen Technologie die Sicherheit von Fahrradfahrern in Osnabrück zu erhöhen – dies vor allem an Unfallschwerpunkten und besonderen Gefahrenstellen. Gleichzeitig soll von den leuchtenden Radwegen ein Signal ausgehen, das Menschen zum Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel bewegt. „Wir schaffen die Verkehrswende nicht durch Verbote, sondern durch Attraktivitätssteigerung“, sagt Thomas Haarmann, stellvertretender Vorsitzender im FDP-Kreisverband Osnabrück und Verkehrsexperte der Liberalen.

Teil eines Zehn-Punkte-Plans

Als hinzugewähltes Mitglied im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt setzt er sich bereits seit geraumer Zeit verstärkt mit den Möglichkeiten fluoreszierender Straßenbeläge auseinander. Und weil er selbstleuchtende Radwege für „eine faszinierende Idee“ hält, brachte Haarmann das Thema auch ins Osnabrücker Mobilitätsforum ein – mit Erfolg: Die gemeinsame Initiative von Stadt und Stadtwerken, die sich einer neuen, nachhaltigen Verkehrspolitik verschrieben hat zur Verbesserung der Lebensqualität, nahm den Vorschlag eines urbanen Feldversuchs im April in ihren Zehn-Punkte-Plan auf. Haarmann zuversichtlich: „Eine Umsetzung könnte noch in diesem Jahr erfolgen.“

Der Rosenplatz scheint Haarmann für das Experiment mit den leuchtenden Radwegen vor allem deshalb gut geeignet, weil es dort nachts kaum möglich sei, die roten Fahrradspuren von den rosafarbenen Betonplatten zu unterscheiden, aus denen große Teile der Straße bestehen. „Für Autofahrer ist bereits in der Dämmerung nur noch schlecht auszumachen, wo ein Radweg verläuft. Es gibt keine saubere Grenze.“ Je dunkler es werde, desto riskanter sei es für Radler, den Platz zu befahren.

Versuche in England, Holland und Polen

In Deutschland wären selbstleuchtende Radwege bislang einmalig. Drei andere europäische Länder haben dagegen schon erste Erfahrungen mit fluoreszierenden Belägen im Straßenbau gesammelt. In England etwa gibt es seit 2013 den „Sternenpfad“ (Starpath) von Cambridge: ein mit ultravioletten Partikeln durchsetzter Weg, der tagsüber Licht speichert und deswegen nach Sonnenuntergang blau funkelt – ohne jede Stromzufuhr.

Ähnlich funktioniert ein 2014 im niederländischen Eindhoven eröffneter Radweg. Inspiriert vom Van-Gogh-Werk „Sternennacht“, erweckt der Künstler Daan Roosegaarde hier auf 600 Meter Länge mittels grün leuchtender Kieselsteine den Eindruck, als fahre man über ein Meer aus Glühwürmchen. Ende 2016 schließlich wurde in Polen nahe der Stadt Lidzbark Warmiñski ein Radweg freigegeben, in dessen Oberfläche ein Spezialsplitt eingearbeitet ist. Einmal aufgetragen, soll er 20 Jahre lang aus eigener Kraft leuchten. Übermäßig viel Sonnenschein wird dafür nicht benötigt: 30 bis 60 Minuten am Tag reichen angeblich aus, um in der Nacht für den gewünschten Lichteffekt zu sorgen.

Vergleichbares kann sich Thomas Haarmann auch in Osnabrück vorstellen. „Wir müssen mutig sein und diesen Versuch durchführen“, wirbt der FDP-Kreisvize. Er selbst will das Projekt – wie im Mobilitätsforum vorgesehen – als Vertreter der Lokalpolitik im Tandem mit städtischen Verantwortlichen vorantreiben. Was seine Partner beim Osnabrücker Servicebetrieb zum Thema „Leuchtende Radwege“ zu sagen haben, bleibt allerdings vorläufig unklar. Trotz wiederholter Nachfragen unserer Redaktion sah sich der OSB bislang zu keiner Auskunft in der Lage.

Kosten und Zeitplan offen

Offen ist somit unter anderem, was eine Teststrecke am Rosenplatz kosten würde und ob eine Realisierung 2017 tatsächlich möglich ist. Immerhin: Die im November auf SPD-Initiative vom Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt mit einem Prüfauftrag versehene Stadtverwaltung teilte Ende April zu Protokoll mit, dass Preisanfragen bei einem potenziellen Hersteller von fluoreszierenden Straßenbelägen „aufgrund des derzeitigen Entwicklungsstandes nicht erfolgreich“ gewesen seien. Zudem seien Testergebnisse im innerstädtischen Bereich nicht bekannt. Osnabrück sei aber bereit, als kommunaler Anwender „diesbezügliche Erkenntnisse zu sammeln und auszuwerten“, heißt es.

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