Landgericht Osnabrück Minderjährige missbraucht? Osnabrücker freigesprochen

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Das Landgericht Osnabrück hat einen 39-Jährigen freigesprochen. Er stand wegen der Vergewaltigung einer Minderjährigen unter Anklage. Foto: Michael GründelDas Landgericht Osnabrück hat einen 39-Jährigen freigesprochen. Er stand wegen der Vergewaltigung einer Minderjährigen unter Anklage. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Ein 39-jähriger Osnabrücker ist jetzt vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs und der Vergewaltigung einer Minderjährigen freigesprochen worden. Die 21. Große Strafkammer des Landgerichts äußerte „vernünftige Zweifel“ an der Täterschaft.

Neun Verhandlungstage, gestreckt über drei Monate, nahm sich die Kammer des Landgerichts Zeit, um dem Vorwurf nachzugehen. Ihre Kollegen vom Amtsgericht hatten anscheinend weniger Muße gehabt: An drei Prozesstagen stand für sie im vergangenen Jahr fest, dass der Angeklagte schuldig ist. Drei Jahre Freiheitsstrafe lautete das erstinstanzliche Urteil im September 2016. Gegen diesen Spruch hatte der Mann Berufung eingelegt.

Angezeigt worden war der Angeklagte 2015, und damit erst acht Jahre nach dem mutmaßlichen Übergriff. Eine damals 20-Jährige, die in dem Verfahren als Nebenklägerin auftrat, gab an, durch ein Unterrichtsthema an den von ihr bis dahin verdrängten Vorgang erinnert worden zu sein. Daraufhin habe sie sich bei der Polizei gemeldet.

Nicht auflösbare Widersprüche im zeitlichen Ablauf

Deutlich wurde im Prozess: Die Frau hatte sich als Teenager wegen eines schweren Beziehungskonfliktes mit ihrer Mutter immer wieder selbst massiv verletzt. Als sie 2008 erstmals in eine jugendpsychiatrische Einrichtung eingewiesen wurde, machte sie dort vage Angaben zu einer angeblich sechs Monate zurückliegenden Vergewaltigung.

Diese Datierung und die Zeitangaben in Aktenvermerken des Osnabrücker Jugendamts ließen die Landgerichtskammer zweifeln. Denn: Nachweislich wohnte der Angeklagte nur im Laufe des Jahres 2006 in der unmittelbaren Nähe des angeblichen Opfers und war auch nur in dieser Zeit mit dessen Mutter befreundet. Bereits ab dem Frühsommer 2006 soll er laut der als glaubwürdig eingestuften Aussage der Mutter die Wohnung – und damit den angeblichen Tatort – nicht mehr betreten haben. „Wir sind daher nicht in der Lage zu sagen: Die Nebenklägerin und die Jugendamtsmitarbeiter haben sich zeitlich vertan“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Gutachter hält junge Frau für glaubwürdig

Auch das Gutachten eines Sachverständigen, der die Schilderungen der jungen Frau als „erlebnisbasiert“ – also glaubwürdig – bewertet hatte, konnte die Widersprüche in der zeitlichen Abfolge in den Augen des Gerichts nicht auflösen. „Das Gutachten ist nachvollziehbar. Nicht im Blick aber waren die unterschiedlichen Zeiten“, so der Richter.

Widersprüche habe es auch in den Aussagen von Mutter und Tochter gegeben. Die Mutter habe detaillierte – und somit glaubwürdige – Angaben machen können. Und: Als der Tochter nach ihrer Anzeige von der Polizei Fotos gezeigt wurden, von denen nur eins den von ihr beschuldigten Mann zeigte, habe sie diesen nicht eindeutig zuordnen können.

Auch wenn die Angaben der jungen Frau zum Kerngeschehen immer richtig und konstant geschildert worden seien – was durchaus gegen den Angeklagten spreche – „haben wir im Ergebnis vernünftige Zweifel“, bilanziert der Richter. Deshalb komme nur ein Freispruch infrage.


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