Theaterstück „One World“ in Osnabrück Von Adam und Eva bis zur „Flüchtlingskrise“

Von Vincent Buß

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vbu Osnabrück Rund 120 Schüler aus Osnabrück und Ibbenbüren haben am Mittwoch in der Osnabrück-Halle ein Theaterstück mit Tanz und Gesang aufgeführt. Erzählt wurden Geschichten über Flucht und Vertreibung. Sie hatten „One World“ zusammen mit der Patsy-und-Michael-Hull-Foundation entwickelt.

Auf den ersten Blick passten die Geschichten, die in den Szenen erzählt wurden, nicht zusammen. Es ging um Adam und Eva, Anne Frank und Mobbingopfer. Doch schnell wurde klar, was alle Personen verbindet: Sie sahen eine Flucht als einzigen Ausweg aus ihrer Situation.

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Oft wurden Situationen geschildert, die im Alltag von Schülern vorkommen können, etwa die Angst vor Klausuren oder häusliche Gewalt. Ob Klassenraum oder Wohnzimmer – auf den großen Leinwänden im Hintergrund erschufen Bilder die passende Atmosphäre. Während manche Protagonisten vor ihren Problemen wegrannten, wussten andere gar nicht, was sie tun sollen. Etwa ein Mädchen, das anfing, mit ihren Klassenkameraden Drogen zu nehmen, um dazuzugehören.

Schüler haben selbst mit Flucht zu tun

Direkter wurde das Thema Flucht in anderen Szenen thematisiert. So wurde ein syrischer Flüchtling, der neu in eine Klasse kam, zunächst gemobbt – bis seine Mitschüler mehr über seine Geschichte erfuhren. Auch hier gab es einen Bezug zur Lebenswelt der Darsteller, denn in allen teilnehmenden Klassen befinden sich auch Schüler mit Fluchterfahrungen.

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Die Darsteller machten deutlich, dass viele Deutsche mehr mit den aktuellen Flüchtlingen gemeinsam haben, als sie vielleicht denken. Als in einer Szene auf der Bühne lautstark gegen Neuankömmlinge protestiert wurde, liefen im Hintergrund Bilder und Tonaufnahmen von Deutschen, die im Zweiten Weltkrieg aus den Ostgebieten vertrieben wurden.

Auch Geschichtliches thematisiert

Zurück in die Vergangenheit bewegte sich eine Szene, die im Versteck von Anne Frank spielte. Obwohl das Geld knapp war, wollte eine ebenfalls dort untergetauchte Jüdin ihren Pelzmantel nicht verkaufen. „Das ist alles, was mit noch bleibt!“, erklärte die Frau und führte damit vor Augen, warum gerade Geflüchtete an Wertgegenständen festhalten.

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Was Menschen beim Auswandern fühlen, zeigte die Geschichte der Iren in den USA. In der Heimat hatten sie wie Maschinen arbeiten müssen. Alle wollten weg, aber viele trauten sich nicht, ihre Familien zurückzulassen. Doch nach einem irischen Tanz auf dem Schiff nach Amerika stiegen die Erwartungen – gefährlicherweise bis ins Unermessliche.

Abwechslung durch Humor und Musik

Zu den ernsten Geschichten bildete das „Eden-Camp“ einen Gegenpol. Im Stil der RTL-Show „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ mussten sich Adam und Eva im Dschungel bewähren. Als dann Gott als Moderatorin im Glitzerkleid die Bühne betrat, gab es viele Lacher.

Aufgelockert wurde die zweistündige Darbietung durch Tanz- und Gesangseinlagen – eine Schülergruppe rappte sogar. Ein Highlight war der Auftritt des syrischen Flötisten Maher Jarir, der seit zwei Jahren in Osnabrück lebt. Das Abschlusslied „We Are the World“ sangen dann alle Darsteller gemeinsam.

Fünf Schulen involviert

Ziel des Theaterstücks war es, über Fluchtgeschichten aufzuklären, Vorurteile abzubauen und Integration zu fördern, gerade in Hinblick auf aktuelle Flüchtlingsbewegungen. „Unsere Gesellschaft muss offen und demokratisch bleiben“, forderte Patsy Hull-Krogull von der Tanzschule Hull.

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Für das Theaterstück hatte die Patsy-und-Michael-Hull-Foundation Schüler der Jahrgänge acht bis zwölf aus fünf verschiedenen Schulen zusammengetrommelt. Beteiligt waren Jugendliche von Dom-, Ursula-, Angela- und Thomas-Morus-Schule aus Osnabrück sowie vom Ibbenbürener Johannes-Kepler-Gymnasium. Jede Schule entwickelte ihre eigene Szene, die sie sich aus einer Themenliste heraussuchen konnte. Außerdem wirkte das inklusive Theaterprojekt der Hull-Foundation mit. Als Regisseur und Choreograf zeichnete Guido Niermann verantwortlich.

Podiumsdiskussion im Vorfeld

Die Aufführung war Teil eines Projekts zum Thema Flucht und Vertreibung. Im Vorfeld veranstaltete die Hull-Foundation mit Unterstützung der Bohnenkampf-Stiftung bereits zwei Podiumsdiskussionen an Osnabrücker Schulen. Zu den Gästen zählte auch der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius.

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