Belastete Trinkwasserbrunnen Kreis Osnabrück mit zu viel Nitrat im Grundwasser

Das Grundwasser im Landkreis Osnabrück ist in schlechtem Zustand. Mehrere Brunnen mussten wegen Nitratbelastungen über dem Grenzwert stillgelegt werden. Als eine der Hauptursachen gilt der in der Landwirtschaft eingesetzte Dünger. Das Bild zeigt ein zur Düngung eingesetztes Fahrzeug mit 27 Meter langen Schleppschläuchen auf einem Feld bei Bissendorf. Foto: Michael GründelDas Grundwasser im Landkreis Osnabrück ist in schlechtem Zustand. Mehrere Brunnen mussten wegen Nitratbelastungen über dem Grenzwert stillgelegt werden. Als eine der Hauptursachen gilt der in der Landwirtschaft eingesetzte Dünger. Das Bild zeigt ein zur Düngung eingesetztes Fahrzeug mit 27 Meter langen Schleppschläuchen auf einem Feld bei Bissendorf. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Das Grundwasser im Landkreis Osnabrück ist weiterhin in einem überwiegend schlechten Zustand. Mehrere Brunnen mussten wegen Nitratbelastungen über dem gesetzlichen Grenzwert stillgelegt werden.

Das konstatierte der Leiter der Landkreis-Wasserbehörde, Detlef Wilcke, im Landkreis-Umweltausschuss. Wilcke hatte bereits vor einem Jahr erläutert, dass 50 bis 60 Prozent des Grundwassers im Kreis wegen überhöhten Nitratwerten in einem chemisch schlechten Zustand ist und erst nach einer entsprechenden Aufbereitung als Trinkwasser geeignet ist. Die Lage ist seither offenbar nicht besser geworden. Der als gesundheitsgefährdend geltende Stoff erreicht in vielen Fällen die Trinkwasserbrunnen, weil die Böden gerade in den Festgesteinsgebieten des Wiehengebirges und des Teutoburger Waldes Nitrat nur in geringen Mengen abbauen können.

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Trinkwasserbrunnen in Wallenhorst stark belastet

Erhöhte bis sehr hohe Nitratgehalte gibt es nach Angaben der Wasserversorger insbesondere im Grundwasser einiger Brunnen in Wallenhorst und Belm. „Der mit Abstand wichtigste Förderbrunnen im Versorgungsgebiet der Wallenhorster Ortsteile Lechtingen und Rulle weist in der jüngsten Vergangenheit einen deutlichen Sprung der Nitratkonzentration im Rohwasser auf, was dazu geführt hat, dass im vergangenen Jahr der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten wurde“, erklärte Wilcke. Die Wasserversorgung Wallenhorst musste daher eine 200.000 Euro teure Verbindungsleitung zum Hochbehälter Piesberg der Stadtwerke Osnabrück schaffen, um von dort nitratarmes Trinkwasser zuzumischen.

Sieben Brunnen in Belmer Ortsteilen Powe und Icker mit zu hohen Nitratgehalten

Problematisch ist die Nitratbelastung auch in Belm. Von neun Förderbrunnen im Belmer Trinkwassergewinnungsgebiet Powe-Icker-Gattberg weisen nur noch zwei Brunnen einen Nitratgehalt unterhalb des Grenzwerts der Trinkwasserverordnung auf. Dort muss nitratärmeres Wasser aus den Brunnen Gattberg 1 und 2 beigemischt werden. Wilcke sieht die Hauptursache im landwirtschaftlichen Dünger: „Die stark belasteten Brunnen in Powe und Icker liegen im landwirtschaftlichen Bereich, die Gattberger Brunnen im forstwirtschaftlichen Bereich. Somit zeigt sich bei den unterschiedlichen Nitratwerten ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Bewirtschaftung oben und den Nitratwerten unten.“

Die Grundwasserbelastung im Altkreis Bersenbrück ist insgesamt geringer. Der Landkreis führt das auf die unterschiedlichen Böden zurück. Während die Festgesteinsböden des Teutoburger Waldes und des Wiehengebirges nur wenig Schutz vor Nitrateinträgen bieten, schützt die stark undurchlässige Deckschicht in Bersenbrück. Somit können Schadstoffe dort teilweise im Boden abgebaut werden und erreichen das Grundwasser mit deutlicher Verzögerung. Allerdings weist das oberflächennahe Grundwasser nach Angaben des Wasserverbands Bersenbrück auch dort eine durchaus hohe Nitratbelastung auf.

Neue Düngeverordung muss erst einmal greifen

Wilcke verweist darauf, dass sich an der Nitratbelastung im Grundwasser nur langsam etwas ändern wird, „da die verschärfte neue Düngeverordnung erst einmal greifen muss“. Wilcke setzt zudem aber auch auf Versuche auf Ackerflächen im Wasserschutzgebiet Belm-Nettetal. Dort sollen unterschiedliche Düngestrategien in enger Kooperation mit den Landwirten vor Ort dazu führen, dass die Pflanze möglichst nur so viele Nährstoffe bekommt, wie sie auch aufnehmen kann.

Der Landkreis kontrolliert zusammen mit den Prüfdiensten der Landwirtschaftskammer in Wasserschutzgebieten, ob Landwirte ihrer Aufzeichnungspflicht für Stickstoff- und Phosphorzufuhr nachkommen und ob sie bei der Düngung auf ein Gleichgewicht zwischen Nährstoffbedarf und Nährstoffzufuhr achten.

Runder Tisch soll Nitratwerte senken

Die Hoffnungen von Wilcke liegen zudem darauf, dass ein im März gegründeter „Runder Tisch Nährstoffe Osnabrück“ dazu beiträgt, die Nitratwerte langfristig zu senken. Vereinbart wurde von Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und den zuständigen Behörden als Akteuren des Runden Tisches eine Informationskampagne für die betroffenen Landwirte zu den Auswirkungen der Düngerechtsänderungen, zu einzelbetrieblichen Anpassungsstrategien sowie zu technischen und produktionstechnischen Handlungsalternativen. Hier gehe es besonders um eine verbesserte Nährstoffausnutzung im Ackerbau, um die Optimierung der Technik bei der Ausbringung von Dünger und um eine Verringerung des Einsatzes von Mineraldünger.


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