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Was passiert mit meinen Organen? Die wichtigsten Fragen zum Thema Organspende und -transplantation

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<em>In einer deutschen Klinik </em>wird einem Organspender eine Niere entnommen. Foto: dpa<em />In einer deutschen Klinik wird einem Organspender eine Niere entnommen. Foto: dpa

Osnabrück. Besonders nach den Organspendeskandalen der jüngsten Vergangenheit sind viele Menschen unsicher, ob sie ihre Organe nach ihrem Tod spenden möchten. Um die Entscheidung für oder gegen eine Organspende zu erleichtern, beantworten wir die wichtigsten Fragen zum Thema.

Welche Voraussetzungen müssen für eine Organspende von Verstorbenen erfüllt sein?

Die Voraussetzungen regelt das Transplantationsgesetz. Zunächst müssen zwei Ärzte unabhängig voneinander den Hirntod des möglichen Spenders feststellen. Zudem muss die Einwilligung des Verstorbenen in eine Organspende bekannt sein, oder die Angehörigen müssen in seinem Sinne über eine Entnahme entscheiden.

Gibt es Organhandel in Deutschland?

Mit dem Transplantationsgesetz ist der Organhandel unter Strafe gestellt. Der Kodex der Deutschen Transplantationszentren von 1987 hatte jeder Art von Kommerzialisierung der Organspende und Transplantation eine klare Absage erteilt.

Werden Organspender registriert?

Nein, es gibt keine Organspendedatei in Deutschland. Es genügt, einen Organspendeausweis zu besitzen oder seinen nächsten Angehörigen mitzuteilen, ob man nach seinem Tod Organe spenden möchte.

Gibt es eine Altersgrenze für Organspender?

Nein, es gibt keine Altersgrenze für Organspenden. Entscheidend ist das biologische Alter und nicht das kalendarische. Auch bei Spendern, die über 80 Jahre alt sind, wird medizinisch geprüft, ob und welche Organe für eine Spende geeignet sind.

Gibt es Vorerkrankungen, die eine Organspende ausschließen?

Eine Entnahme ist grundsätzlich dann ausgeschlossen, wenn bei dem Verstorbenen eine akute Krebserkrankung festgestellt wurde oder er HIV-positiv war.

Was ist mit Organen von Rauchern?

Vor der Entnahme werden alle Organe und Gewebe auf die Eignung für eine Übertragung geprüft. Sofern der medizinische Befund nicht gegen die Entnahme der Lunge eines Rauchers spricht, ist auch diese für die Spende geeignet.

Macht meine Hautfarbe einen Unterschied?

Nein, eigentlich ist die Hautfarbe des Spenders für den Empfang egal. Doch die Chance auf eine erfolgreiche Transplantation ist größer, je ähnlicher die Gewebemerkmale Spender und Empfänger sind. Bei Menschen aus dem gleichen ethnischen Umfeld ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ihre Gewebemerkmale besser zueinander passen.

Können auch Kinder spenden?

Ja. Bei einem verstorbenen Kind entscheiden die Eltern, ob Organe und Gewebe gespendet werden dürfen. Die Voraussetzungen für eine Spende sind ansonsten die gleichen wie für Erwachsene. Der Hirntod muss zweifelsfrei festgestellt werden. Dann werden die nächsten Angehörigen, also die Eltern, über die Zustimmung für eine Organ- und Gewebespende befragt. Gesetzlich ist geregelt, dass Jugendliche ab dem 16. Lebensjahr ihre Bereitschaft zur Spende erklären können. Ein Widerspruch ist bereits ab dem 14. Lebensjahr möglich.

Gibt es religiöse Bedenken gegen eine Organspende?

Keine der größeren religiösen Gemeinschaften in Deutschland spricht sich gegen die Organspende aus.

Kann man bestimmen, wer ein nach dem Tod gespendetes Organ bekommt?

Nein. Die Personen, die ein gespendetes Organ erhalten, werden allein nach medizinisch begründeten Regeln bestimmt, insbesondere nach der Erfolgsaussicht und Dringlichkeit.

Wer bekommt meine Organe?

Es gibt viele Faktoren, die entscheiden, wer ein Organ bekommt. Dazu gehören Blutgruppe, Alter, Gewicht und die Gewebemerkmale. Die gemeinsame Warteliste des Verbundes von Eurotransplant, dem Deutschland, Belgien, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich und Slowenien angeschlossen sind, erleichtert es, die optimalen Empfänger zu ermitteln.

Weiß der Empfänger des Organs, wer gespendet hat?

Nein, die Spende ist anonym. Auch die Angehörigen des Spenders erfahren nicht, wer der Empfänger des Organs ist. Auf Wunsch wird aber über die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mitgeteilt, ob die Transplantation erfolgreich verlaufen ist.

Ist der Leichnam nach einer Organentnahme entstellt?

Nein. Das Transplantationsteam geht respektvoll mit dem Körper des Toten um. Die Entnahme findet in einem normalen Operationssaal statt, und Ärzte verschließen die operativen Einschnitte nach der Entnahme wieder, um den Körper zur Beisetzung an die Angehörigen zu übergeben.

Wie erfolgreich sind Organtransplantationen?

Die Erfolgsraten für alle transplantierbaren Organe steigen aufgrund des medizinischen Fortschritts ständig. Bei Nieren sind bis zu 85 bis 93 Prozent der transplantierten Organe nach einem Jahr noch funktionstüchtig. Nach fünf Jahren noch etwa 70 bis 85 Prozent. Bei Herz-, Leber-, Lungen- und Bauchspeicheldrüsentransplantationen liegen die Erfolgsraten etwas darunter, weil sie, im Gegensatz zur Niere, nur bereits verstorbenen Spendern entnommen werden können.

Wie groß ist der Bedarf an Transplantationen?

Der Bedarf übersteigt die Zahl der gespendeten Organe. 2011 wurden 2850 Nieren transplantiert – auf der Warteliste standen 8000 Patienten. Im Durchschnitt beträgt die Wartezeit fünf bis sechs Jahre.

Welche Organe kann man spenden?

Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie die Hornhaut der Augen, Herzklappen und Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes und der Sehnen können gespendet werden. Jeder Spender kann aber festlegen, welche Organe er spenden möchte und welche nicht.

Kann ich meine Bereitschaft zur Organspende widerrufen?

Ja. Wer seine Entscheidung rückgängig machen will, braucht nur den Organspendeausweis zu zerreißen. Die geänderte Entscheidung sollte außerdem den nächsten Angehörigen mitgeteilt werden.

Wo bekommt man einen Organspendeausweis?

Er kann bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation angefordert werden. Auch die Krankenkassen stellen ihren Versicherten Organspendeausweise zur Verfügung. Weiterhin sind sie bei vielen Apotheken, Krankenhäusern, Einwohnermeldeämtern und Ärzten erhältlich. Es besteht zudem die Möglichkeit, seine Bereitschaft, ein Organ zu spenden, einfach formlos auf einem unterschriebenen Blatt Papier zu dokumentieren.

Welche Alternativen gibt es, um zum Beispiel Organe künstlich herzustellen?

In Zukunft werden Organspenden möglicherweise überflüssig. Forschern des Laser-Zentrums Hannover ist es in Zusammenarbeit mit den Regenerationsforschern des Exzellenzclusters an der Medizinischen Hochschule Hannover gelungen, mithilfe eines 3-D-Druckers künstlich Haut herzustellen. An Mäusen sind die künstlichen Hautstücke bereits erfolgreich getestet worden. Die Forscher hoffen, so irgendwann weitere künstliche Organe wie Nieren oder Leber produzieren zu können.

Wo finde ich Informationen zum Thema?

Informationen zum Thema Organspende gibt es im Internet unter www.organspende-info.de . Das ist das Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Außerdem unter www.dso.de . Das ist die Homepage der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Die bietet in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch ein Info-Telefon an, das von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr erreichbar ist. Die Nummer lautet: 0800/9040400. Das Team beantwortet hier Fragen im persönlichen Gespräch. Speziell für Fragen zu Nierenerkrankungen gibt das „Nierentelefon“ der Deutschen Dialysegesellschaft niedergelassener Ärzte Auskunft. Sie sind erreichbar unter Tel. 0800/2484848.


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