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Zirkus widerspricht Kritik Peta protestiert in Osnabrück gegen Tierhaltung im Zirkus Knie

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Peta-Protest gegen die Tierhaltung im Zirkus Probst im Mai 2016. Foto: Jörn MartensPeta-Protest gegen die Tierhaltung im Zirkus Probst im Mai 2016. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Das Peta-Streetteam Osnabrück plant am Samstag eine Protestaktion gegen die Tierhaltung im Zirkus Charles Knie, der vom 27. bis 29. Mai an der Halle Gartlage gastiert.

Das Streetteam von Peta Zwei – der Jugendorganisation der Tierrechtsorganisation – will am Samstag ab 14.30 Uhr ein „Zeichen setzen und dem Zirkus zeigen, dass er in unserer schönen Stadt nicht willkommen ist“, schreiben die Tierrechtler auf ihrer Facebookseite. An den Eingängen zum Gelände der Halle Gartlage wollen sich die Aktivisten anderthalb Stunden vor Beginn der Vorstellungen (16 und 19.30 Uhr) mit Flyern, Postern und Bannern positionieren.

Charles Knie ist vom 27. bis 29. Mai in der Stadt und hält eigener Angabe zufolge rund 100 Tiere 30 verschiedener Arten – darunter Kamele, Zebras, Papageien, Kängurus und Lamas.

Zirkus lädt Aktivisten ein

Der Zirkus erfuhr erst durch unsere Redaktion von der geplanten Aktion – überrascht ist er aber nicht. „Also so, wie jedes Mal“, sagt Pressesprecher Patrick Rudolph im Gespräch mit unserer Redaktion. „Sofern die eine Genehmigung haben, haben wir damit kein Problem – das ist ihr gutes Recht“, sagt er.

Die haben die Aktivisten, sagt ein Sprecher der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion. Bis zu 100 Personen seien angemeldet und genehmigt. Die Aktivisten dürfen sich an den Eingängen zum Gelände der Halle Gartlage an der Eisenbahnbrücke und an der Schlachthofstraße positionieren. „Das Gelände selbst dürfen sie aber nicht betreten“, ergänzt der Sprecher.

Peta: nicht artgerecht

Peta kritisiert generell die Tierhaltung in Zirkussen. Die Tiere im Zirkus Knie befänden sich nun auf einer Stresstournee – alle paar Tage müssten sie nach der Vorführung nicht artgerechter „Kunststückchen“ weiterziehen, sagt ein Peta-Sprecher auf Nachfrage unserer Redaktion. Selbst wenn sich der Zirkus an die gesetzlichen Vorschriften halte, seien diese noch immer Tierquälerei.

„Die Kritik entbehrt jeglicher fachlicher und wissenschaftlicher Grundlage“, entgegnet Adolph. In jeder Stadt werde sein Zirkus geprüft, immer sei alles in Ordnung. „Wir halten alle Vorschriften ein.“ Der Transport der Tiere sei nachweislich kein Stress für die Tiere, sie stammten zudem allesamt aus Zuchten und nicht aus freier Wildbahn. Letztlich entscheide der Zuschauer, resümiert Adolph.

Einladungen ausgeschlagen

In der Vergangenheit habe Zirkus Knie die Peta-Aktivisten wiederholt eingeladen, sich die Haltungsbedingungen der Tiere anzuschauen. „Das haben die nie angenommen“, sagt Adolph. Auch diesmal werde er den Aktivisten das Angebot machen, versichert der Zirkussprecher.

Es ist nicht die erste Aktion Petas dieser Art: Zuletzt hatte das Osnabrücker Streetteam im Mai 2016 gegen Zirkus Probst protestiert, der ebenfalls an der Halle Gartlage gastiert hatte. Die Tierrechtsinitiative Osnabrück hatte 2012 gegen die Tierhaltung im Zirkus Knie an der Halle Gartlage protestiert.

* In einer vorherigen Version stand geschrieben, dass Charles Knie auch Seelöwen mitführt. Derweil korrigiert der Zirkus diese Angabe und teilte mit, keine Seelöwen zu haben.


Wildtierzirkusse in Osnabrück

In den vergangenen Jahren schlugen regelmäßig Wildtierzirkusse an der Halle Gartlage in Osnabrück ihre Zelte auf. 2010, 2012 und 2015 kam der Zirkus Charles Knie mit über 100 Tieren, darunter Seelöwen, Elefanten sowie die angeblich „größte gemischte Raubtiergruppe Europas“, die aus Tigern, Löwen und Ligern (Kreuzung aus Löwe und Tiger) besteht.

Elefanten führt der Zirkus seiner Internetseite zufolge derzeit nicht mit. Das Amtsgericht Darmstadt hatten den Trainer im Juni 2015 wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz rechtskräftig zu einer Geldbuße von 150 Euro verurteilt. Im Weihnachtszirkusprogramm im vergangenen Winter in Heilbronn waren die Elefanten noch dabei.

2011 machte der Circus Universal Renz Station in Osnabrück. Es war nach eigenen Angaben der „Zirkus mit den meisten exotischen Tieren“: Renz reiste etwa mit Tigern, Elefanten und Braunbären durchs Land, in den 1990er-Jahren sogar mit Orang-Utan und Nilkrokodil. 2013 meldete das Unternehmen Insolvenz an.

Im Jahr 2014 erlebte Osnabrück ein Gastspiel des Circus Krone. Der von dem gebürtigen Osnabrücker Carl Crone (1870–1943) gegründete Zirkus wirbt damit, der „größte Zirkus Europas“ zu sein. Gezeigt werden etwa Dressuren mit Löwen, Elefanten, Nashorn und Flusspferd.

Circus Probst kam 2016 als drittgrößter Zirkus Deutschlands mit 70 Tieren nach Osnabrück. Dazu gehörte auch die aus dem Zirkus Charles Knie bekannte Raubkatzengruppe.

2003, 2001 und zuletzt 2016 haben Städte und Bundesländer auf ein Wildtierverbot im Zirkus gedrängt. Die Bundesregierung zeigt sich zögerlich bei der Gesetzgebung. Ein Verbot sei nur dann möglich, „wenn die Tiere an wechselnden Orten nur unter erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden gehalten oder transportiert werden“, heißt es dazu.

Das Europaparlament, das sich 2005 noch mit großer Mehrheit für Tiere im Zirkus ausgesprochen hat, überlässt es inzwischen den Mitgliedsländern, über ein Verbot speziell von Wildtieren zu entscheiden.

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