Bachelor-Studiengang der Hochschule Raus mit der Sprache: Logopädie studieren in Osnabrück

Von Nancy Knäuper

Stimmübungen: Katja Becker (links) und Barbara Schneider demonstrieren eine logopädische Behandlung. Becker ist Leiterin der DAA-Lehranstalt für Logopädie in Osnabrück, Schneider Logopädie-Professorin an der Hochschule Osnabrück. Foto: Swaantje HehmannStimmübungen: Katja Becker (links) und Barbara Schneider demonstrieren eine logopädische Behandlung. Becker ist Leiterin der DAA-Lehranstalt für Logopädie in Osnabrück, Schneider Logopädie-Professorin an der Hochschule Osnabrück. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Kommunikation ist eine der Schlüsselkompetenzen des Menschen. Doch was tun, wenn Sprechen und Sprache ernsthaft Probleme bereiten? Dann sind zunehmend Logopäden gefragt, die ihren Beruf nicht nur gelernt, sondern auch studiert haben – beispielsweise an der Hochschule Osnabrück.

Logopäden behandeln Patienten vom Säugling bis ins hohe Alter, die Bandbreite an Störungsbildern ist groß. Aber jeder Patient ist anders und muss ganz individuell betreut werden. Dabei arbeiten Logopäden in der Regel eigenverantwortlich. Zusätzlich zur gesetzlich geregelten dreijährigen Ausbildung an einer Fachschule wie der Lehranstalt für Logopädie der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) in Osnabrück wird deshalb an der Hochschule Osnabrück der interdisziplinäre Studiengang Ergotherapie/Logopädie/Physiotherapie (ELP) seit 2008 mit dem Fachbereich Logopädie angeboten.

Wissenschaftliche Reflexion unverzichtbar

„Die Anforderungen in der logopädischen Berufstätigkeit sind gestiegen“, sagt Logopädie-Professorin Barbara Schneider. Die unterschiedlichen Störungsbilder würden immer komplexer, und Logopäden müssten zunehmend „evidenzbasiert arbeiten“. Das bedeutet, dass die Behandlung der Störungsbilder nach Möglichkeit auf der Grundlage von Methoden mit empirisch nachgewiesener Wirksamkeit erfolgen sollte. „Die wissenschaftliche Reflexion ist heute unverzichtbar“, so Schneider.

Schon in der Ausbildung stellt die Reflexionsfähigkeit des therapeutischen Handelns einen wichtigen Baustein dar. So therapieren Logopädieschüler bereits in der Fachschulausbildung echte Patienten mit verschiedenen Störungsbildern unter der Ausbildungssupervision der Dozenten. Jede Therapiestunde wird anschließend ausführlich mündlich und schriftlich reflektiert. Durch ein Bachelorstudium erlangen die Studenten zusätzlich eine wissenschaftliche Reflexionsfähigkeit.

Erst Ausbildung, dann Studium

Der interdisziplinäre ELP-Studiengang an der Hochschule Osnabrück baut auf die theoretische und praktische Berufsfachschulausbildung auf. Zentraler Inhalt des Studiengangs ist die wissenschaftliche Vertiefung der therapeutischen Kenntnisse, dabei wird der Praxisbezug durch ein studienbegleitendes Praktikum beziehungsweise die Berufstätigkeit gewährleistet. Studieninhalte sind unter anderem quantitative und qualitative Forschungsmethoden, evidenzbasierte Praxis, die klinische Urteilsbildung, Gesundheitsökonomie, Kommunikation im Therapieprozess, Ethik und Recht und Spracherwerbs- und Verarbeitungsmodelle der Logopädie. 

Zulassungsvoraussetzungen für den Studiengang sind die Hochschulzugangsberechtigung und die abgeschlossene Ausbildung als Logopäde an einer kooperierenden Fachschule (zum Beispiel der Osnabrücker Lehranstalt für Logopädie) oder an einer nicht-kooperierenden Fachschule nach erfolgreicher Kompetenzfeststellungsprüfung. Die Regelstudienzeit für den Abschluss Bachelor of Science liegt bei sechs Semestern, allerdings erfolgt der Einstieg für Logopäden mit einer bereits abgeschlossenen Berufsausbildung in das vierte Semester. Beginn ist jeweils im Sommer- und Wintersemester.

Bachelor ideal für Berufsanfänger

Stefanie Sycha zum Beispiel hat zunächst eine Ausbildung als Logopädin an der Osnabrücker DAA-Schule für Logopädie absolviert und danach ihren Bachelorabschluss an der Hochschule Osnabrück gemacht. Ihre Erfahrungen sind sehr positiv: „Gerade für Berufsanfänger ist der interdisziplinäre Studiengang ideal, da man seine therapeutischen Kenntnisse wissenschaftlich vertiefen kann, ohne den Bezug zur Praxis zu verlieren.“ Nach dem Bachelorabschluss schloss Sycha außerdem ein berufsbegleitendes Masterstudium der Logopädie an der Europäischen Fachhochschule in Rostock ab.

Derzeit arbeitet sie als Dozentin in der Osnabrücker DAA-Schule für Logopädie sowie in einer logopädischen Praxis. Sychas fachlicher Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet der kindlichen Sprach- und Sprechstörungen. „Im Kindesalter werden die Grundsteine für die spätere Entwicklung gelegt“, betont sie. Doch nicht nur bei der Entwicklung von Kindern ist die logopädische Arbeit enorm wichtig.

Lebensqualität der Patienten verbessern

Auch Erwachsene bis ins hohe Alter sind auf die therapeutische Hilfe von Logopäden angewiesen, zum Beispiel nach einem Schlaganfall, bei einer Schluckstörung oder nach der Behandlung eines Kehlkopftumors. „Unser Ziel ist es immer, für den jeweiligen Patienten die bestmögliche Kommunikationsfähigkeit zu erreichen“, erläutert Katja Becker, Leiterin der DAA-Lehranstalt für Logopädie in Osnabrück. „Damit tragen wir häufig zur einer Verbesserung der Lebensqualität bei.“


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