Interview mit Osnabrücker Logopädin Logopädie für Kinder: Worauf es bei der Therapie ankommt

Von Nancy Knäuper


ng Osnabrück. Im Kindesalter werden die Grundsteine für die spätere Entwicklung gelegt. Deshalb liegt ein besonderer Fokus in der Logopädie auf dem Gebiet der kindlichen Sprach- und Sprechstörungen. Worauf es dabei ankommt, erklärt Stefanie Sycha, ausgebildete Logopädin und Absolventin des Studiengangs Logopädie an der Hochschule Osnabrück.

Was ist der Unterschied zwischen kindlichen Sprach- und Sprechstörungen?

Grundsätzlich kann man sagen, dass bei Störungen des Sprechens wirklich nur die Artikulation, also die Ausformung der Laute, oder der Sprechfluss gestört ist. Dazu gehört zum Beispiel das Lispeln, im Fachjargon Sigmatismus genannt, das Stottern oder die verbale Entwicklungsdyspraxie. Bei Störungen der Sprache ist nicht die Ausformung der Laute oder der Sprechfluss gestört, sondern das Kind hat Probleme mit der Sprache. Dazu gehören Sprachentwicklungsstörungen mit Problemen in verschiedenen Bereichen wie Wortschatz, Grammatik, Erwerb des Lautsystems, Wortfindung, Textverständnis und Textproduktion oder Pragmatik. Neben diesen beiden Gruppen von Störungen gibt es aber auch bei Kindern Stimmstörungen und Schluckstörungen.

Welche Formen der kindlichen Sprach- und Sprechstörungen sind die häufigsten?

Am bekanntesten sind allgemein sicherlich das Stottern oder das Lispeln. Wenn man den Bereich der Kinder betrachtet, so sind in der logopädischen Praxis meiner Erfahrung nach die Sprachentwicklungsstörungen mit  unterschiedlichen Störungsschwerpunkten am häufigsten. Das können Probleme im Wortschatz, der Grammatik oder der Aussprache sein.

Warum treten diese Störungen auf?

Die Frage nach der Ursache stellen sich auch viele Patienten beziehungsweise die Eltern der Patienten. Wenn Hörstörungen, Behinderungen oder kognitive Beeinträchtigungen vorliegen, kann man diese als Ursache heranziehen. Oft kann man jedoch keine Ursache ausmachen, oder es ist ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.  

Wann muss eine Störung behandelt werden?

Eine Störung sollte immer behandelt werden, da der Begriff schon für etwas Pathologisches spricht. Allgemein kann man sagen, dass eine möglichst frühe Behandlung angestrebt werden sollte, da sich Störungen der Sprach- und Sprechentwicklung auch auf andere Bereiche wie beispielsweise das Sozialverhalten auswirken. So sollten Kinder, die bereits früh verzögert sind – sogenannte „Late Talker“ – möglichst schon vor dem dritten Geburtstag Logopädie bekommen. Leider wird den Eltern oft zum Abwarten geraten. Dabei zeigen Studien, dass bei einer frühen Therapie weniger Therapiestunden notwendig sind, als wenn die Therapie erst später stattfindet. 

Es gibt aber durchaus auch kleine Auffälligkeiten, die sich als noch altersgemäß herausstellen. So werden bestimmte Laute und Satzstrukturen erst in einem bestimmten Alter erworben. Bis dahin sind Fehler durchaus zulässig.

Wie funktioniert eine logopädische Behandlung?

Zunächst benötigt man eine ärztliche Verordnung für Logopädie. Darauf ist unter anderem geregelt, wie oft der Patient zu uns kommen darf (oft zehnmal), wie lange (in der Regel 45 Minuten) und wie hoch die Therapiefrequenz ist (meist ein- oder zweimal pro Woche). Eine Ausnahme von den Verordnungen stellt hier in Osnabrück die Therapie an der DAA-Lehranstalt für Logopädie dar. Dort können Patienten von angehenden Logopäden – unter Supervision durch eine akademisierte Lehrlogopädin – ohne ärztliche Verordnung therapiert werden.

Vorher findet aber immer eine ausführliche Diagnostik statt. Anhand der Ergebnisse wird dann die Behandlung geplant und mit dem Patienten besprochen. Bei Kindern kann ein Elternteil während der Therapie anwesend sein, oder aber das Kind geht alleine mit der Logopädin in den Therapieraum. Dies hängt unter anderem vom Alter des Kindes, vom Störungsbild und von der Beziehung zum Logopäden ab. Je nach Störungsbild kann es auch Hausaufgaben geben. Ist die Therapie gemäß Verordnung erfolgt, schreibt der Logopäde in der Regel einen Bericht an den verordnenden Arzt. Je nach Bedarf kann der Patient dann weitere Verordnungen mit neuen Stunden bekommen.

Woran erkenne ich einen guten Logopäden?

Um einen guten Logopäden zu finden, sollte man sich vor der Therapie die Homepage der Praxis anschauen und sich so einen ersten Eindruck von Person und Räumlichkeiten verschaffen. Wichtig sind auch Hinweise auf Fortbildungen oder Studium. Auch der Aspekt der Spezialisierung ist meiner Meinung nach sehr wichtig. Da es in der Logopädie zahlreiche Störungsbilder gibt, ist es nicht möglich, bei allen auf dem aktuellen Forschungsstand zu sein. Durch eine Spezialisierung auf bestimmte Störungsbilder ist eine ständige Wissenserweiterung möglich, und die Therapie kann aufbauend auf aktuellen Erkenntnissen und Erfahrungen der Therapeuten durchgeführt werden.

Schöne Therapieräume und umfassendes Therapiematerial sprechen zudem für angenehme Atmosphäre und ein vielfältiges Angebot. Während der Behandlung erkennt man einen guten Logopäden einerseits an seiner Empathie und dem Kontakt zum Patienten. Andererseits sollte der Logopäde transparent arbeiten, sodass der Patient und die Angehörigen den Befund und die Therapieinhalte nachvollziehen können. Eine kompetente Beratung zeichnet hier einen guten Logopäden aus. Zudem sollte der Logopäde in der Therapie immer auf den individuellen Patienten und seine Bedürfnisse eingehen und so sein Wissen patientenorientiert und flexibel anwenden.