An Bord der „Mein Schiff 4“ Osnabrücker entdeckt als Fotograf auf Kreuzfahrtschiff eine neue Welt

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La Coruña/Osnabrück. Seit viereinhalb Monaten ist der 23-jährige Malte Santen als Fotograf auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs. Im vergangenen Jahr hatte sich der Osnabrücker überlegt, sein Hobby zum Beruf zu machen, kündigte seinen Job im Hotel und heuerte auf der „Mein Schiff 4“ an. Was er an Bord erlebt, warum er sich wieder auf sein Zuhause freut und ob er noch mal auf einem Vergnügungsdampfer arbeiten will, hat er uns an Bord des Tui-Schiffs erzählt.

Seit mehr als 130 Tagen ist Malte Santen auf See. Erst Anfang Juni geht es wieder nach Hause. Heute ist Seetag. Während die Gäste auf der „Mein Schiff 4“ die Zeit mit Bingo, im Theater oder in der Sauna verbringen, ist der Osnabrücker mit seiner Kamera auf dem Kreuzfahrtschiff unterwegs. Für ihn sind Seetage genauso Arbeitstage wie die Tage, an denen er Gäste auf Ausflügen begleitet. Zwar kann er ein bisschen länger schlafen, ab und zu auch mal die Mittagspause ausdehnen, aber die meiste Zeit ist er an Bord unterwegs und fotografiert er Gäste. (Weiterlesen: Malte Santen wagt neuen Schritt: Osnabrücker geht für fünf Monate als Fotograf auf ein Kreuzfahrtschiff)

Es ist kurz nach halb elf, ein älteres Pärchen will ein Erinnerungsfoto von sich machen lassen. Malte geht mit ihnen in ein Restaurant. Nach zwanzig Minuten ist er fertig. Die Arbeitsabläufe sehen sehr routiniert aus. Kein Wunder, denn seit vier Monaten verdient er sein Geld, indem er Urlauber an schönen Orten mit der Kamera ablichtet. Nach dem kurzen Shooting mit dem Pärchen geht Malte Santen wieder zurück ins Büro. Hinter einer großen Wand aus mehreren Monitoren, auf denen die Urlauber ihre Bilder von den Poolpartys oder dem Fototermin mit dem Kapitän anschauen können, ist ein kleiner Raum. Vier Fotografen sitzen in dem fensterlosen Büro. Malte Santen nimmt an dem Schreibtisch direkt neben der Tür Platz und bearbeitet die Bilder, die er gerade von dem Pärchen gemacht hat.

Auch Fotoshootings an Bord des Kreuzfahrtschiffs gehören zu den Aufgaben von Malte Santen. Foto: Holger Blumberg

„Beste Zeit meines Lebens“

Der Osnabrücker strahlt, als er erzählt, dass er in wenigen Tagen seine Eltern wieder trifft. Das Schiff legt dann in Bremerhaven. Dort können seine Eltern als Gäste für einen Tag auf die „Mein Schiff 4“ und sich den Arbeitsplatz ihres Sohnes anschauen. Eine willkommene Abwechslung: Malte Santen arbeitet jede Woche sieben Tage am Stück – und das seit Anfang Januar. „Die beste Zeit meines Lebens“, beschreibt er die Monate als Fotograf an Bord. „Es kommt mir vor, als wenn ich selbst im Urlaub wäre, weil ich viel herumreise und das machen darf, was mir Spaß macht: Fotografieren.“ Vor seiner Zeit an Bord des Kreuzfahrtschiffs hatte er in einem Osnabrücker Hotel gearbeitet. (Weiterlesen: Gebaut in der Meyer Werft: Neues TUI-Schifft „Mein Schiff 6“ getauft.)

Meist erfährt das Fotografenteam erst am Abend vorher, bei welchem Ausflug es die Gäste begleitet. Seinen besten Ausflug hatte Malte Santen in Belize in Zentralamerika; den Namen des Landes hatte er bis dato auch noch nicht gehört. Auf der Insel „Caye Caulker“ (Wo liegt die Insel? Siehe Karte unten) durfte er schnorcheln gehen. Mit Haien und Stachelrochen. Angst hatte er nicht. Bilder von diesem Ausflug stellte er bei Instagram als Galerie ein. Für ihn sei es der schönste Ausflug gewesen, an den er sich lange erinnern werde, sagt er.

Instagram-Galerie: Bilder vom Tauchausflug:

7500 Euro in die Kameraausstattung investiert

Für den 23-Jährigen geht es nicht darum, das große Geld zu verdienen, sondern dass ihm der Job Spaß macht. Die Fotografen bekommen ein Grundgehalt und werden am Umsatz der verkauften Bilder beteiligt. Genaue Zahlen will er nicht nennen. Fotografiert wird meistens mit dem eigenen Equipment, rund 7500 Euro hat er in Kameras, Stative und Zubehör investiert. Das Geld, was er verdient, spart er zum größten Teil. An Bord gibt er nur wenig aus. Ab und zu gönnt sich Malte Santen eine Schokolade, ein paar Minuten im Internet oder er geht zum Bordfriseur. „Die Aussicht aus dem Friseursalon ist toll, das kann man sich schon mal gönnen.“

Kontakt zu seinen Eltern und Freunden pflegt er über WhatsApp oder das Bildernetzwerk Instagram, wo er Bilder von seinen Ausflügen hochlädt. Seine Mama markiert jedes Bild mit „gefällt mir“. Sie unterstützt ihn auch bei seinen Plänen. „Wäre ich so jung wie du, würde ich es genauso machen“, habe sie gesagt. In ein paar Tagen kommt die ganze Familie nun einen halben Tag an Bord der „Mein Schiff 4“ und schaut sich an, wo der Fotograf die vergangenen Monate gelebt und gearbeitet hat.

Instagram-Galerie: Die schönsten Bilder von Malte Santens Reise:

Urlaub und dann?

Bald endet Malte Santens Vertrag. Er sieht auf die Zeit mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. „Ich habe viele nette Leute an Bord kennengelernt, die zu Freunden geworden sind.“ Die Zeit ab dem 7. Juni beschreibt der Fotograf als Urlaub. Er wird dann wieder in Osnabrück bei seinen Eltern wohnen und will Zeit mit Familie und Freunden verbringen. Auch die neuen Freunde, die er auf der „Mein Schiff 4“ kennengelernt hat, will er wiedersehen.

Er spricht von Urlaub, denn für ihn steht schon fest, dass es bald wieder auf ein Kreuzfahrtschiff geht. In der zweiten Jahreshälfte wird eine neue Vertragslaufzeit beginnen, dann ist er auf dem jüngsten Zuwachs der Tui-Flotte, der „Mein Schiff 6“, unterwegs. Malte Santen freut sich, er hofft, Kollegen von seiner ersten Tour wieder zu treffen.

Wie es für ihn nach dem kommenden Vertag weitergeht, kann er noch nicht genau sagen. Er kann sich vorstellen, noch ein, zwei Verträge anzunehmen. Malte Santen würde gerne als Fotograf auf einem Expeditionsschiff mitfahren.

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