Plastiktüten den Kampf angesagt Osnabrücker Schüler als Plastiktütenpolizei am Nikolaiort


Osnabrück . Als „Plastiktütenpolizei“ waren Schüler der Ursulaschule Osnabrück am Samstag auf dem Nikolaiort aktiv. Passenten, die eine solche Tüte bei sich trugen, baten die Jugendlichen symbolisch durch den „Plastiktütendetektor“ gehen. Im Austausch für die umweltschädliche Tasche erhielten die Menschen einen nachhaltigen Jutebeutel. Die gesammelten Plastiktüten sollen recycelt werden.

Dieser „Sicherheitskontrolle“ stellten sich die Passanten am Nikolaiort in Osnabrück gerne, stand sie doch ganz im Sinne der Umwelt. Für das Projekt hatten 15 Schülerinnen und Schüler der Ursulaschule eigens eine Apparatur aufgebaut. Diese bestand aus einem Metallgestänge, an der ein Schild mit der Aufschrift „Plastiktütendetektor“ befestigt war. Bei der Aktion luden die jungen Klimabotschafter die Menschen ein sich symbolisch mit einem Gang durch den Detektor auf Plastiktüten kontrollieren, zu lassen. Wurde eine solche Tüte entdeckt, spielten die Schüler im passenden Moment einen Alarmton von einem Smartphone ab. Im Austausch gab es dann für das umweltschädliche Produkt eine Jutetasche mit dem Slogan „geBeuteltes Osnabrück“. Mehr als 300 Stück davon verteilten die Schüler am Samstag. Hergestellt wurden die umweltfreundlichen Stoffbeutel mit finanzieller Unterstützung von mehreren Partnern, darunter auch Stadt und Bistum Osnabrück sowie Unternehmen, Vereine und Einrichtungen.

Den Gang durch den Detektor konnte, zur Selbstkontrolle, auch antreten, wer keine Plastiktüte bei sich trug. Von den Jugendlichen gab es dafür zustimmenden Applaus und Jubel. Am Infotisch konnten sich die Passanten zudem über das Projekt „Plastiktütenfreies Osnabrück“ informieren und mit den Jugendlichen ins Gespräch über die Vorteile der Jutetasche kommen.

Umweltschädliches Erbe

500 Jahre braucht eine herkömmliche Plastiktüte, bis sie zersetzt ist, erklärt Sergej Friesen von der Koordinierungsstelle „Plastiktütenfreies Osnabrück“. „Und wenn der Müll im Meer landet, fressen ihn die Fische und er kommt auf unsere Teller“, gibt er weiter zu verstehen. Mit der Aktion wollten die Schülerinnen und Schüler daher ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität setzen. Denn durchschnittlich wird eine herkömmliche Plastiktüte nur drei Stunden benutzt, bevor sie schließlich weggeworfen wird oder im Müll landet.

Müll unterm Baumhaus

Jona Abt ist seit 2013 mit dabei. Er habe am Rand eines Waldes gewohnt, erläuterte er sein Engagement. Unter seinem Baumhaus habe sich immer wieder Müll angesammelt, fast wie auf einer Deponie. Das habe er zum Anlass genommen, um in der Klimabotschafter AG aktiv zu werden. 2014 wurde dann das Projekt „Plastiktütenfreies Osnabrück“ ins Leben gerufen. Jeder habe dabei eigene Aufgaben. Er selbst sei zum Beispiel mitverantwortlich für die Pflege der Website, so der Schüler. Rund drei Stunden pro Woche setzen sich die Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit für die Umwelt ein. Hinzu kommen Aktionen wie jene am Samstag in der Osnabrücker Innenstadt, wo sie von 11 Uhr bis 15 Uhr nachhaltige Informationsarbeit im Sinne der Natur leisteten. Als Ziel haben sich die Jugendlichen gesetzt, Osnabrück bis Ende 2017 plastiktütenfrei zu machen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das bis zum Jahresende schaffen“, gab sich Jona Abt optimistisch. Lesen Sie zu dem Thema auch einen Kommentar von Sebastian Stricker.

Plastiktüten werden zu Recycling-Taschen

Aus den Plastiktüten, die die Klimabotschafter eingesammelt haben, entstehen nun neue Recycling-Taschen. Die Firma Polycore aus Bohmte granuliert die Plastiktüten, das Labor für Kunststoffverarbeitung der Hochschule stellte daraus Planen her, Mitarbeiter der MÖWE schneiden diese zu und nähen die Taschen, erläuterte Sergej Friesen den Produktionsablauf.

Viel Lob

Von den Passanten wurde die Aktion gut angenommen. „Das ist eine tolle Idee. Der Plastikmüll nimmt überhand und wir brauchen ihn nicht“, gab eine Passantin zu verstehen. „Da merkt man mal, was man in der Hand hat“, lobte eine weitere Fußgängerin den Informationsgehalt des Projektes, nachdem sie ihre Einkäufe aus einer Plastiktüte genommen und in eine Jutetasche gelegt hatte.

Auch die Niedersächische Bingo-Umweltstiftung würdigte das Schulprojekt und zeichnete es im Februar als „ Projekt des Monats “ aus.


6 Kommentare